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Beruhigend - Kommentar von Tobias Blasius

Essen (ots) - Die offiziellen Feierlichkeiten rund um den Tag der deutschen Einheit drohen längst in Routine zu erstarren. Festreden, Filmsequenzen, Streichorchester, Nationalhymne - protokollarisch korrekt wird seit nunmehr 21 Jahren der friedlichen Revolution in Ostdeutschland gedacht. Da war es nicht die schlechteste Idee der diesmal mit der Organisation betrauten NRW-Landesregierung, den Festakt nicht wie üblich in der Landeshauptstadt auszurichten, sondern in der früheren Bundeshauptstadt Bonn. Hier, im ehemals rheinischen "Provisorium", das die alte Bundesrepublik 50 Jahre lang passabel regierte und inzwischen als "Bundesstadt" zu den erfolgreichsten NRW-Kommunen gehört, ließ sich leichter als andernorts Rückschau halten. Zwischen Kanzlerbungalow und Langem Eugen werden eben Erinnerungen wach an die bewegenden Umbruchtage 1989. Und viele der Regierenden, die heute die beängstigende Euro-Krise zu meistern haben, sind in Bonn politisch sozialisiert worden und noch immer emotional verwurzelt. Wie beruhigend, dass gestern trotzdem niemand der Versuchung erlag, einem Rückzug ins vermeintliche nationale Idyll das Wort zu reden.

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