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Mit 77 ist lange nicht Schluss - Kommentar von Jens Dirksen

Essen (ots) - Udo Jürgens ist ein Macho vom alten Schlag. Aber für den Satz "Windelwechseln ist was für Weicheier" hat er sich schon entschuldigt. Er ist klug genug, um zu wissen, dass er zu den aussterbenden Arten gehört. "17 Jahr, blondes Haar", "Mit 66 Jahren", "Aber bitte mit Sahne": Udo Jürgens ist ein Sänger, dessen Titel im Laufe der Jahre Volksmundreife angenommen haben. Auch wenn sie nicht immer reinen Wein einschenkten, manchmal war's ja auch griechischer. Sein untrügliches Gespür für eingängige Melodien, seine gepflegte Neigung zum offenen Wort, seine Naturbegabung als Entertainer - und das alles lässt auch im Alter nicht nach: Udo Jürgens ist so etwas wie der Helmut Schmidt des Schlagers. Bei seinen Konzerten stehen Menschen an der Rampe, die seine Enkel sein könnten. Vielleicht, weil er echt wirkt und wirklich etwas kann in einer Welt, in der immer mehr der Schein und die Blenderei regieren, von den Parlamenten bis zum Börsenparkett. Solchen echten Typen werden sogar Laster verziehen, dem einen das Rauchen, dem anderen die zahllosen Affären. Und vielleicht wird die Verehrung, die sie genießen, auch von dem Gedanken befeuert, dass so einer so schnell nicht wiederkommt. Immerhin ist mit den 77 Jahren, die er morgen vollenden wird, für Udo Jürgens genauso wenig Schluss wie für Helmut Schmidt mit 92.

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