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Zwei Elternwelten - Kommentar von Julia Emmrich

Essen (ots) - In Großstädten kommt heute fast jedes zweite Kind aus einer Zuwandererfamilie. Bundesweit sind es über 30 Prozent. Das sind die Fakten. Alles andere ist oft Stochern im Nebel. Noch immer wissen wir zu wenig über den Alltag dieser Kinder. Noch immer sind wir überrascht, wenn es auf einmal heißt: Türkische Eltern aus traditionellen Milieus sind ähnlich leistungsbewusst wie osteuropäische oder deutsche Mittelschichteltern - mit dem Unterschied, dass sie sich ganz anders verhalten. Sie trimmen ihre Kinder nicht zu Hause, sondern glauben, dass dafür die Lehrer da sind. So entstehen Missverständnisse, Überforderung, Fremdheit. Unser Schulwesen orientiert sich an Familien, in denen die Standards bürgerlicher Erziehung, Verantwortung und Leistungskultur schon im Vorschulalter eingeübt werden. Die Wirklichkeit aber zeigt: Diese Standards sind längst unterhöhlt. Niemand glaubt, dass diese auseinanderdriftenden Elternwelten je wieder zusammenkommen. Daher die Sehnsucht nach einer Schule, die zuverlässig Verantwortung übernimmt. Wenn Lehrer und Erzieher scheitern, scheitert am Ende das ganze Land.

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