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Braune Vergangenheit - Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - So zufrieden die Deutschen mit ihrer demokratisch strukturierten Bundesrepublik auch sein können: Eine blütenreine weiße Weste hat sie nicht. Der junge Staat hat sich beim Aufbau der Schergen des Dritten Reichs bedient. Die Hoffnung, dass sich alle Alt-Nazis dabei in überzeugte Demokraten verwandeln würden, war mehr als gewagt. Umso besser ist die Aufarbeitung, die - endlich - 60 Jahre nach der Gründung für das Funktionieren der freiheitlichen Gesellschaftsordnung wichtiger Behörden Klarheit bringt. Schon die Erkenntnis, dass der berüchtigte Lyoner Gestapo-Chef Klaus Barbie später auf der Gehaltsliste des Bundesnachrichtendienstes auftauchte, hat das Land verschreckt. Die jetzt aufgeflogene BND-Tätigkeit des Walther Rauffs lässt auf die Arbeit ganzer Nazi-Seilschaften in der Nachkriegszeit schließen. Auch BKA und Polizei haben solche Erfahrungen machen müssen. Jetzt schaut sich - parallel zum BND - das Bundesamt für Verfassungsschutz die eigene Geschichte genau an. Viel deutet darauf hin, dass die Forscher das unabhängig tun können. Zugang zu Akten und die Unabhängigkeit der Aufklärung sind die einzigen Wege, verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen.

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