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Die Zahlen der Bahn. Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Gestern, 8.06 Uhr, Dortmund Hauptbahnhof. Der Regionalexpress nach Düsseldorf fährt nicht pünktlich ab. Wieder mal. Ein defekter Fernzug blockiert das Gleis. Eine rote Diesellok schiebt ihn weg.

Gestern Mittag. Die Bahn in Berlin kündigt an, sie werde jetzt monatlich zeigen, wie pünktlich sie ist. Zwar sei, leider, jeder fünfte Fernzug verspätet. Dafür schaffe es der Regionalverkehr superpünktlich. Im Durchschnitt also: Ziemlich pünktlich.

Es ist dem Grube-Konzern als guter Wille anzurechnen, dass er erstmals mit Zahlen offensiv wird. Zu lange hat die Staatsbahn ja Verspätungen wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Aber gerade Durchschnittswerte können die Glaubwürdigkeit beschädigen.

Was nützt es dem Kunden des pünktlichen Regionalexpress, wenn ein unpünktlicher Fernzug das Gleis besetzt? Was nützt es dem 17-Uhr-Pendler, wenn sein Zug mittags auf die Sekunde da war und die Statistik aufhübscht, er aber in der rush hour auf überlastetem Streckennetz später heimkommt?

Hausaufgabe der Bahn ist mehr als Zahlenakrobatik. Ein besseres Streckennetz, modernere Fahrzeuge, genug Personal. Zugegeben: Gefordert ist da vor allem die Politik.

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