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Medi24-Forum: Wege aus der Krise der ambulanten Notfallversorgung

Hausärzte können nicht ersetzt werden - aber durch Medizinische Call-Centers entlastet

    Bern (ots) - Seit dem Massenprotest der Hausärzte vom 1. April letzten Jahres auf dem Berner Bundesplatz gilt dieses Datum als "Tag der Hausarztmedizin". Just auf den 1. April 2007 führt der Bund nun aber ein neues Tarifsystem ein, das den Grundversorgern die Notfallpauschale um 20 Prozent kürzt. Die Hausärzte fühlen sich über den Tisch gezogen und befürchten zum Teil schon das Ende ihres Berufsstandes. An einer Tagung in Bern wurde versucht, Auswege aus der Krise der medizinischen Notfallversorgung zu finden.

    Wenn der Arzt in der Nacht zu einem Notfall ausrückt, soll er künftig statt rund 150 nur noch 120 Franken als Notfallpauschale erhalten. Dies ist aber nur ein Punkt, der den Grundversorgern zu schaffen macht: Sie bemängeln beispielsweise auch, dass sich viele Kantone nicht an den Infrastrukturkosten beteiligen, die den Hausärzten aus dem Notfalldienst erwachsen, oder sie weisen darauf hin, dass jeder Notfall-Dienstleistende pro Jahr auf unbezahlten Rechnungen in der Höhe von durchschnittlich 5000 Franken sitzen bleibt.

    Zeichen fehlender Wertschätzung

    Für die Grundversorger sind solche Erscheinungen Zeichen fehlender Wertschätzung. Es ist denn auch nicht verwunderlich, dass der Beruf des Hausarztes nicht mehr attraktiv scheint. Bereits heute ist über die Hälfte der rund 6500 Grundversorger in der Schweiz älter als 52 Jahre; der Nachwuchs fehlt und gerade in ländlichen Gebieten ist es oft schier unmöglich, einen Nachfolger zu finden. Die Suche nach Lösungen dieser Probleme kann nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden.

    Am 4. Medi24-Forum für Gesundheitsmanagement, das dieser Tage (am 29. März) in Bern stattgefunden hat, ging es darum, mögliche Alternativen aufzuzeigen. Rund 100 Personen, vorwiegend aus dem Bereich des Gesundheitswesens, nahmen teil an dieser Veranstaltung, die unter dem Titel stand: "Die ambulante Notfallversorgung in der Krise - werden die Karten neu verteilt?" Zur Diskussionen standen in erster Linie Modelle mit Medizinischen Call-Centers, die die Dienste der Hausärzte nicht ersetzen, aber entlasten können.

    Statt 1300 nur noch 220 Stunden Notfalldienst

    Bereits einen Schritt weiter als die Schweiz ist Holland, wo vor einigen Jahren damit begonnen wurde, den ambulanten Notfalldienst zu reorganisieren. Die Hausärzte betreiben dort ambulante Notfallzentren, welche mit Medizinische Call-Centers eng zusammenarbeiten. Hier werden die Anrufe entgegengenommen und geschultes Personal rät dann - je nach Schwere der Gesundheitsstörung - zur Selbstbehandlung, oder es wird eine Arztkonsultation bzw. ein Hausbesuch durch den Notfallarzt organisiert.

    Diese Methode habe nicht nur mitgeholfen, Kosten einzusparen, sondern sie habe auch stark dazu beigetragen, die Hausärztinnen und Hausärzte zu entlasten, so Harrie van Rooij, Hausarzt und Qualitätsbeauftragter eines Notfallzentrums in Tilburg (NL), der auch mitverantwortlich ist für die Reorganisation und die Qualität des ambulanten ärztlichen Notfalldienstes in den Niederlanden. Hatten die Hausärzte vor Beginn der Reorganisation noch je 1300 Stunden jährlich Notfalldienst leisten müssen, stehen sie neuerdings nur noch 220 Stunden im Einsatz, Nach anfänglicher Skepsis seitens der Grundversorger möchte deshalb laut Angaben van Rooijs kaum mehr ein Hausarzt zu den früheren Bedingungen zurückkehren. Dass gleichzeitig aber grosse Anstrengungen gemacht werden müssen, um eine hohe Qualität dieser Dienstleistung sicherzustellen, erläuterte Hay Derkx, langjähriger Hausarzt und heute Leiter eines Medizinischen Call-Centers in den Niederlanden.

    Preisgekröntes Modell in Bern - Pilotprojekte in ländlichen Regionen

    Über ähnliche Versuche einer Zusammenarbeit zwischen dem führenden schweizerischen Call-Center und Grundversorgern berichtete Andreas Meer, Medizinischer Leiter und Mitglied der Medi24-Geschäftsleitung. So kam es 2005 zu einer ständig intensivierten Zusammenarbeit zwischen dem Medizinischen Call-Center Medi24 und Medphone, der Nachfolgeorganisation der Berner Ärztenotrufzentrale. Für dieses Projekt wurde den beiden Partnern Ende 2006 sogar der Anna-Seiler-Gesundheitspreis zugesprochen. Zwei weitere Pilotprojekte wurden erst vor kurzem in die Wege geleitet, so ein Versuch in den Regionen Frauenfeld und Arbon-Romanshorn TG sowie ein Projekt in der Tourismusregion Saas Fee VS, wo die Bevölkerung zu Beginn der Feriensaison jeweils schlagartig von 1600 auf 10'000 Personen wachsen kann, was die Möglichkeiten des einzigen Hausarzt-Ehepaares deutlich übersteigt. Wie auch alle anderen Referenten wies Meer allerdings darauf hin, dass die telefonischen Triagestellen den persönlichen Hausarzt weder ersetzen wollen noch können.

    Täglich 2000 Anrufe bei Medi24

    Das Unternehmen Medi24 / Medvantis AG ist das erste Medizinische Call-Center der Schweiz. Seit Anfang 2000 bietet es seine Dienstleistungen dreisprachig und rund um die Uhr an. Im Jahr 2006 gingen rund 200'000 Anrufe ein; in den ersten Wochen des laufenden Jahres haben täglich sogar bis zu 2000 Personen bei Medi24 angerufen. Über ihre Krankenkassen sind mehr als 1,8 Millionen Versicherte berechtigt, die Dienstleistungen des Call-Centers kostenlos in Anspruch zu nehmen. Gegenwärtig beschäftigt Medi24 über 60 Mitarbeitende, davon 40 medizinische Fachpersonen sowie 7 Ärztinnen und Ärzte.

    Ein Bild der Veranstaltung erhalten Sie über die e-mail Adresse info@geristaudenmann.ch

ots Originaltext: Medi24
Internet: www.presseportal.ch

Kontakt:
Medi24
Dr. med. Andreas Meer
Medizinischer Leiter, Mitglied der Geschäftsleitung
Tel.:        +41/31/340'05'02
Fax:         +41/31/340'05'55
E-Mail:    a.meer@medi24.ch
Internet: http://www.medi24.ch



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