Schweizerische Herzstiftung / Fondation Suisse de Cardiologie / Fondazione Svizzera di Cardiologia

Schweizerische Herzstiftung: Emotionen können aufs Herz schlagen - Forschungspreis 2016 der Schweizerischen Herzstiftung

Bern (ots) - Eine starke psychische Belastung kann in seltenen Fällen zu einer gefährlichen Funktionsstörung des Herzens führen. Man nennt die Störung Takotsubo-Syndrom. Neu haben zwei Forschende der Universität Zürich entdeckt, dass nicht nur negative Ereignisse, sondern manchmal auch extrem freudige Emotionen diese Störung auslösen können. Die Schweizerische Herzstiftung ehrt ihre Arbeit auf diesem Gebiet mit dem Forschungspreis 2016.

Starke Emotionen können eine Funktionsstörung des Herzens auslösen, die sich ähnlich äussert wie ein Herzinfarkt. Diese seltene Störung wird Takotsubo-Syndrom oder «Broken-Heart-Syndrom» genannt, betroffen sind vor allem Frauen nach der Menopause. Dass schreckliche Erfahrungen, wie der Verlust des geliebten Partners, zu einer akuten und gefährlichen Herzschwäche führen können, ist seit längerem bekannt. Eine Analyse des weltweit grössten Takotsubo-Registers an der Universität Zürich hat nun ergeben, dass etwa vier Prozent der emotionalen Auslöser nicht auf negative Ereignisse, sondern auf grosse Glücksmomente zurückzuführen sind. Dazu zählen: Die Wiedervereinigung von Familienmitgliedern, ein grosser Geldgewinn, das Hochzeitfest der eigenen Kinder. Die Schweizerische Herzstiftung zeichnet die beiden Forschenden Dr. Jelena R. Ghadri und PD Dr. Dr. Christian Templin des Universitären Herzzentrums Zürich für ihre Arbeit auf dem Gebiet mit dem jährlichen Forschungspreis aus. Die Preisverleihung findet im Museum Chaplin's World in Corsier-sur-Vevey statt.

Enge Verbindung zwischen Herz und Hirn

Das Takotsubo-Syndrom ist kein rein kardiologisches Problem. Etwa die Hälfte der Betroffenen, bei denen emotionale Auslöser eine Rolle spielen, haben eine neurologische oder psychiatrische Begleiterkrankung. Offenbar führt eine Störung der Stressverarbeitung im Gehirn zur Überstimulation des sympathischen Nervensystems. Die Mechanismen sind noch weitgehend unbekannt. «Die Bedeutung der Achse Herz-Hirn wird immer deutlicher», sagt Ghadri. «Welche Rolle starke Emotionen bei der Entstehung von Herzkrankheiten einnehmen, muss nun weiter vertieft werden.»

Bedrohlich und noch wenig erfoscht

Ebenfalls noch nicht geklärt ist, wie der emotionale Stress die Herzfunktion beeinträchtigt. Vermutet wird eine Mikrozirkulationsstörung, also Krämpfe in den kleinsten Gefässen des Herzens. Im Gegensatz zum Herzinfarkt findet man bei Patienten mit einem Takotsubo-Syndrom keine Verengung der grossen Herzkranzgefässe. Hingegen verformt sich die linke Herzkammer ballonförmig, wodurch die Pumpfunktion des Herzens versagt. «Das Takotsubo-Syndrom ist noch immer unterdiagnostiziert», sagt Templin, «dabei ist es beinahe so lebensbedrohlich wie ein akuter Herzinfarkt.» Nun suchen die Forschenden nach einer geeigneten Therapie, damit sich die Herzfunktion möglichst schnell erholt und keine Komplikationen eintreten.

Die Originalpublikationen sind im New England Journal of Medicine und
dem European Heart Journal erschienen und online abrufbar. 
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1406761
http://ots.ch/yVWnt 

Kontakt:

Peter Ferloni, Leiter Kommunikation
Schweizerische Herzstiftung
Telefon 031 388 80 85
ferloni@swissheart.ch