Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Kultur und Soziales

Migros Museum für Gegenwartskunst
Collection on Display: Rituals

Marvin Gaye Chetwynd, The Walk to Dover, 2005/2007, Sammlung Migros Museum für Gegenwartskunst. Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/de/nr/100009795 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Kultur und Soziales"

Zürich (ots) - Daniele Buetti, Olaf Breuning, Marvin Gaye Chetwynd, Douglas Gordon, Mathilde ter Heijne, Ragnar Kjartansson, Seb Patane, Delia Gonzalez / Gavin Russom, Hanna Schwarz

26.08.-05.11.2017

Eröffnung: Freitag, 25.08.2017

Das Ausstellungsformat «Collection on Display» präsentiert Werke aus der Sammlung des Migros Museum für Gegenwartskunst als dreiteilige Themenreihe unter dem Titel Communities, Rules and Rituals. Bezugnehmend auf die vorhergehenden Ausstellungen Communities und Rules, stellt Rituals die Frage nach den gesellschaftlichen Funktionen von Ritualen und der Bedeutung ritueller, performativer Handlungen in der Gegenwartskunst. Zu diesem Zweck versammelt diese Ausstellung Kunstwerke, in denen unterschiedliche formale, funktionale oder inhaltliche Aspekte des Rituals enthalten sind.

Im Gegenzug zum säkularen, aufgeklärten Selbstverständnis der postmodernen Gesellschaft steigt in unserer Zeit das Interesse an einer «Wiederverzauberung» durch Rituale stetig. Als komplexes Gefüge aus emotionalen und rationalen Elementen enthalten rituelle Handlungen ein Moment des Rätselhaften, dem sich diese Ausstellung mittels (Audio-)Installationen, Objekten und Videos aus der Sammlung anzunähern sucht. Welche Funktion haben Rituale heute? In welchem Verhältnis stehen sie zu Tradition und Wandel? Inwiefern können sie auch subversive Kräfte entfalten und somit als Strategie in der künstlerischen Praxis von Bedeutung sein? Die gezeigten Werke greifen einerseits inhaltliche Merkmale des Rituellen auf, wie das Transzendentale, den Glauben an eine andere Dimension von Raum und Zeit, und andererseits formale Charakteristika, wie Repetition und Regelhaftigkeit.

So zeigt etwa der Künstler Douglas Gordon in seiner Arbeit Bootleg (Stoned) (1996) tonlose und stark verlangsamte Mitschnitte eines Rockkonzerts, die in dieser Verfremdung den Moment der Ekstase abstrahieren und scheinbar endlos wiederholen. Bootleg (Stoned) ist somit Teil einer Reihe von Arbeiten in dieser Ausstellung, die das rituelle Element der Verehrung und kollektivierenden Sinngebung aufgreifen. Andere Künstler wie Olaf Breuning widmen sich dem Symbolischen und Transzendentalen. Seine Skulptur Woman and the Dead (2007), eine Wippe, auf der sich Frau und Tod gegenübersitzen, nimmt symbolisch Bezug auf den Übergang vom Leben zum Tod, eine Zeit, die in allen kulturellen Kontexten von Ritualen begleitet wird. In den Werken von Hanna Schwarz, Give (2010), und Ragnar Kjartansson, Schumann Machine (2008), lässt sich der Aspekt des Regelhaften erkennen. Während die Performance-Dokumentation von Kjartansson den rituellen Charakter künstlerischer Darbietungen unterstreicht, in diesem Fall der Rezitation von Schumanns Dichterliebe, zeigt Hanna Schwarz in ihrem 16-mm-Film Give ganz alltägliche Handgesten, die als Bestandteile von Interaktionsritualen eine Art verborgene Grammatik des Miteinanders bilden. Mathilde ter Heijnes Werkserie Experimental Archeology: Ontology of the In-Between (2015) ist selbst im Rahmen eines Vollmond-Rituals entstanden. Die skulpturalen Reproduktionen steinzeitlicher Figurenmotive zeigen weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale, die ineinander übergehen. Sie verweisen auf einen Urzustand, wie er etwa in bewusstseinserweiternden Ayahuasca-Ritualen gefeiert wird, als Mensch, Tier, Frau und Mann noch eins waren. Nicht zuletzt greift ter Heijne damit das identitätsstiftende Potenzial von Ritualen auf.

Kontakt:

René Müller,
Leiter Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit:
rene.mueller@mgb.ch
T +41 44 277 27 27



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