Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Kultur und Soziales

Migros Museum für Gegenwartskunst
Jimmie Durham «God's Children, God's Poems»

Jimmie Durham, Alpine Ibex, 2017, 160 × 50 × 190 cm, Steinbockschädel, Holz, Glas, Stahl, Acrylfarbe, Courtesy of the artist Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/de/nr/100009795 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Migros-Genossenschafts-Bund ...

Zürich (ots) -

26.08.2017-05.11.2017
Eröffnung: 25.08.2017 

Jimmie Durhams (*1940) Karriere als Künstler, Poet, Autor und ehemals politischer Aktivist begann in den USA. Dort entwickelte er parallel zu seinem Engagement für die Rechte indigener Völker eine skulpturale und performative Praxis, in der er sich ebenfalls mit ethischen Fragen und nationalistisch geprägten Narrativen auseinandersetzt. Internationale Bekanntheit erlangt Durham in den 1980er Jahren insbesondere mit seinen Skulpturen und Installationen, die Staatsmythen dekonstruieren. Seit 1994 lebt Durham in Europa und reibt sich seitdem an seiner neuen geopolitischen und kulturgeschichtlichen Umgebung. Für das Migros Museum für Gegenwartskunst realisiert er das Projekt God's Children, God's Poems (2017), in dem er sich dem Verhältnis von Mensch und Natur widmet. Der Künstler versammelt dafür 14 Skulpturen im Ausstellungsraum, gefertigt aus den Schädeln der grössten Tierarten Europas und ergänzt durch Materialien wie Metall, Holz und Textil. Durhams skulpturale Assemblagen aus Tierschädeln reflektieren das mitunter klischierte Natur- und Gesellschaftsverständnis seines Publikums und verweisen auf die Möglichkeit einer Aufhebung der vor allem europäischen, klassischen Dichotomien Natur/Kultur und Subjekt/Objekt.

Vom sogenannten Vierhornschaf über das Wildschwein, den Braunbären, den Elch, den toskanischen Maremmaner Bullen bis hin zur Deutschen Dogge: Für God's Children, God's Poems macht Durham die Tiere oder besser deren Schädel zu Akteuren seiner eigenen Agenda. Er stellt kulturelle Klassifizierungs- und Konstruktionsprinzipien - insbesondere den Gegensatz von Natur und Kultur - in Frage, mit dem Ziel, jede kulturell-ethnische Authentizität zu dekonstruieren. So entzieht sich beispielsweise die Skulptur des Wolfs, dessen Schädel mit irisierendem Autolack besprüht ist und der einen Körper aus Rohren und Industrieblech bekam, einer Einordnung in die Kategorien von "natürlich/künstlich". Schon mit der Auswahl seiner Tiere unterläuft Durham diese vereinfachte Unterscheidung - untere anderem indem er Schädel von Wildtieren benutzt, die aus einer Zucht stammen: etwa vom Wisent, einer vom Aussterben bedrohten europäischen Bison-Art. Die Auflösung solch rigider Klassifikationen wird zurzeit in zahlreichen Forschungsrichtungen diskutiert, wie etwa den Cultural Animal Studies, dem Posthumanismus, dem New Materialism und auch in der Soziologie. Für Durham spielt dabei auch die Zeitlichkeit eine Rolle: Indem er den Tieren neue Körper verleiht und die Schädel durch seine Bearbeitung zu Individuen erhebt, will er den Tieren gleichsam eine Seele geben und holt sie wieder in die Gegenwart zurück. Obwohl dieses Vorgehen die Sehnsucht nach einem ganzheitlichen Weltbild, nach der Integration spiritueller Elemente weckt, ist das Ausstellungsprojekt God's Children, God's Poems keine Reaktivierung eines romantischen Bildes des Einsseins mit der Natur. Durham verweigert vielmehr jede Eindeutigkeit und lädt uns dazu ein, über die Vielfalt der Natur zu reflektieren und über die Rolle, die dem Subjekt dabei zukommt.

Jimmie Durham lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert, wie etwa zuletzt: Armand Hammer Museum of Art, Los Angeles (2017); Whitney Museum of American Art, New York (2014, 2003, 1993); Biennale Venedig (2015, 2005, 2003, 2001, 1999); Museo Madre, Neapel (2013, 2008); MuHKA - Museum of Contemporary Art, Antwerpen (2012); Swiss Institute, New York (2012); Documenta, Kassel (2012, 1992); 29. Biennale São Paulo (2010); Centre Pompidou, Paris (2010); Musée d'Art moderne de la Ville de Paris (2009); Museum Ludwig, Köln (2006). Die Ausstellung wird kuratiert von Heike Munder (Leiterin, Migros Museum für Gegenwartskunst). In Zusammenarbeit mit dem Künstler erscheint zur Ausstellung eine monografische Publikation bei JRP|Ringier.

Kontakt:

René Müller,
Leiter Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit:
rene.mueller@mgb.ch
T +41 44 277 27 27



Weitere Meldungen: Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Kultur und Soziales

Das könnte Sie auch interessieren: