Migros-Genossenschafts-Bund Direktion Kultur und Soziales

Migros Museum für Gegenwartskunst: «MAJA BAJEVIC: Power, Governance, Labor»

Migros Museum für Gegenwartskunst: «MAJA BAJEVIC: Power, Governance, Labor»
Maja Bajevic, To Be Continued-Performances, 2011, Courtesy of Galerie Peter Kilchmann, Zurich, and Michel Rein, Paris /Brussels / Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/de/nr/100009795 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Migros-Genossenschafts-Bund ...

Zürich (ots) -

20.05.-13.08.2017
Eröffnung: Freitag, 19.05.2017, 18-20 Uhr 

In einer grossen Übersichtsausstellung zeigt das Migros Museum für Gegenwartskunst das Werk der französisch-bosnischen Künstlerin Maja Bajevic (*1967 in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina). Der Fokus der Ausstellung liegt auf ihrem Schaffen der letzten zehn Jahre, erweitert durch neue Werke, die für die Ausstellung entstanden sind. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet die Künstlerin an unterschiedlichsten Fragestellungen, die um Globalisierung, In- und Exklusion, Ausbeutung, Neoliberalismus und deren Wechselwirkungen kreisen. Bajevic stellt dabei auch immer wieder die Frage nach der eigenen Identität und Heimat und wie sich diese konstituiert bzw. eine solche «verunmöglicht» wird. Die Präsentation im Migros Museum für Gegenwartskunst verdeutlicht Bajevics kontinuierliche Arbeit an Themen wie der Missbrauch von Macht und Religion, Migration und Marginalisierung des Fremden sowie die Spannung zwischen lokal und global. Dabei setzt Bajevic ihr Werk in die Tradition einer Kunst, die eine soziale, aufklärende Funktion übernimmt und auf eine Veränderung des vorherrschenden Bewusstseins setzt.

Viele der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten Bajevics analysieren in ihren Fragestellungen unterschiedliche Machtkonstellationen und Machtverteilungen. Insbesondere richtet die Künstlerin den Fokus auf Mechanismen, die sozialen und politischen Systemen zugrunde liegen, sowie auf deren manipulatives und entmündigendes Potenzial. Ein besonders häufiger Inhalt ihrer künstlerischen Analyse ist die Machtausübung politischer oder religiöser Autoritäten und deren Einschreibung respektive Festsetzung in einer individuellen Weltanschauung. Welches sind die Instrumente staatlicher Macht, und welcher Strategien und Medien bedient sie sich? Wo ist die Grenze zwischen Fakten und gezielter staatlicher, ökonomischer oder religiöser Manipulation, subtiler und offensichtlicher politischer Propaganda? Inwieweit lässt sich eine nationale Identität formen? Als künstlerische Strategie dient der Künstlerin dabei oft die der Kopie: Indem Bajevic Prozesse der autoritären Beeinflussung imitiert, diese jedoch ihrem eigentlichen Kontext respektive dem gewohnten Kommunikationskanal entnimmt und damit zweckentfremdet, verdeutlicht sie Momente der Manipulation oder der Instrumentalisierung. Politische Slogans, Parolen und propagandistische Sprüche dienen ihr oft als künstlerisches Material. Als ephemere Träger ideologischer Inhalte schreiben sie sich ins kollektive Gedächtnis ein. Doch was bleibt davon für nachfolgende Generationen? Welche Inhalte finden Platz in den Geschichtsbüchern, welche werden vergessen? Dieses sind die Spannungsfelder zwischen Konstruktion versus Fakten, Individuum versus Gesellschaft, Beständigkeit versus Vergänglichkeit oder Inklusion versus Exklusion, die Bajevic immer wieder neu verhandelt.

Bajevics Auseinandersetzung mit Machtmechanismen zeugt von den seit einigen Jahren in der Philosophie und Kunstgeschichte diskutierten Schlagworte der «Biopolitik» und «Biomacht», deren Konzept Michel Foucault in seinem Buch Der Wille zum Wissen (1976) einführt. Foucault beschreibt darin die Tendenz des modernen Staates, den menschlichen Körper immer stärker zu kontrollieren. Bajevic benutzt mehrfach ihren eigenen Körper als Projektionsfläche, um zu «verhandeln», wie sich Biopolitik mit einer disziplinarischen Form des Kapitalismus vermischt, die ihre «Bevölkerung» als Produktions- und Reproduktionsmasse ansieht. Dabei untersucht sie auch immer die Rolle und die Funktion des Künstlers innerhalb dieses Gefüges. Den Körper der Künstlerin jedoch einer rein biografischen Lesart zu unterziehen, wäre deshalb zu kurz gegriffen. Eine Qualität von Bajevics Versuchsanordnungen, die sich oftmals durch ihre konzeptuelle Einfachheit auszeichnen, ist, dass sie den Betrachter direkt adressieren, zur Reflexion herausfordern und eine Vielzahl an Lesarten zulassen.

Maja Bajevic lebt und arbeitet in Paris. Ihre Arbeiten waren in jüngster Zeit in mehreren Einzelausstellungen in europäischen Institutionen zu sehen: Daad Galerie, Berlin (2012); Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid (2011); Kunsthaus Glarus (2009). Parallel dazu war Bajevic in folgenden Gruppenausstellungen vertreten: Venedig-Biennale (2015); 4. Internationale Canakkale Biennale, Türkei (2014); The National Museum of Art, Oslo (2014); 4. Thessaloniki-Biennale, Griechenland (2013); Art Beijing, Chin(2012); Museum of Contemporary Canadian Art, Toronto (2011); Royal Academy of Arts, London (2010); Zacheta National Gallery of Art, Warschau (2010); Documenta (2007).

Kontakt:

René Müller, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Migros Museum 
für Gegenwartskunst, Tel. +41 44 277 27 27, rene.mueller@mgb.ch


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