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Dorothy Iannone Censorship And The Irrepressible Drive Toward Love And Divinity 30. August-09. November 2014 Eröffnung: Freitag, 29. August, 18-21 Uhr

Dorothy Iannone
Censorship And The Irrepressible Drive Toward Love And Divinity 

30. August-09. November 2014
Eröffnung: Freitag, 29. August, 18-21 Uhr
Dorothy Iannone, The Next Great Moment In History Is Ours, 1970 73 x 102 cm Published by Galerie Wilbrand, Cologne Courtesy the artist, Air de Paris, Paris and Peres Projects, Berlin Photo: Hans-Georg Gaul, Berlin

Zürich (ots) - Seit den frühen 1960er Jahren beschäftigt sich die Künstlerin Dorothy Iannone (*1933 in Boston, lebt und arbeitet in Berlin) mit der Darstellung bedingungsloser Liebe. Ihr OEuvre umfasst Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Videoskulpturen, Hörstücke, Objekte und Künstlerbücher. Ihre Arbeiten durchzieht ein erzählerisches Moment, das sich ebenso aus Literatur, Geschichte und Mythologie speist wie aus persönlichen Erlebnissen, Gefühlen und Beziehungen. Diese erste grosse Einzelausstellung in der Schweiz beleuchtet retrospektiv Iannones Schaffen und nimmt ihren Ausgangspunkt beim Künstlerbuch "The Story Of Bern", das 1969 als Reaktion auf die Zensierung ihrer Arbeiten entstand. Die Authentizität und Originalität des Werks der Künstlerin haben seit den 1960er Jahren mit zur Liberalisierung von Sexualität und zur Stärkung der weiblichen Autonomie beigetragen. Mit dem Einbringen ihrer Arbeiten in die Öffentlichkeit manifestiert sie ein pointiertes Selbstverständnis im Umgang mit einer bis heute häufig unbequemen und kontrovers verhandelten Thematik.

Das Migros Museum für Gegenwartskunst zeigt mit der retrospektiv angelegten, über 50 Jahre umfassenden Werkauswahl das Schaffen von Dorothy Iannone, die sich auf facettenreiche Art und Weise mit der Darstellung ekstatischer Liebeserfahrungen und der damit einhergehenden Idee von bedingungsloser Liebe beschäftigt. Iannones Visualisierung von Sexualität entsprach dem Zeitgeist des gesellschaftlichen Aufbruchs der 1960er und 1970er Jahre - ihre Darstellungen befanden sich jedoch im Widerspruch zu den allgemeinen Moralvorstellungen. Mit ihrer Kunst entzieht sich Iannone gesellschaftlichen, normativen und künstlerischen Grenzen und damit auch eindeutigen Zuschreibungsversuchen. Ihre Bildsprache bewegt sich zwischen Pop-Art, Art brut und erinnert an die Ästhetik von Comics. Besonders markant sind schematische Geschlechtsmerkmale, die auf stilisierten Körpern appliziert sind - oftmals in Kombination mit unmissverständlichen Texten wie in der Arbeit "Let Me Squeeze Your Fat Cunt" (1970/71) oder "I Begin To Feel Free" (1970), die Teil einer Serie grossformatiger Darstellungen variationsreicher Liebesspiele ist. Ausgangspunkt und Rückgrat der Schau in Zürich ist das Künstlerbuch "Censorship And The Irrepressible Drive Toward Love And Divinity" (erste Auflage: 1982), in dem Iannone ausführlich von ihren Erfahrungen mit der Zensur erzählt. Anlässlich der aktuellen Ausstellung erscheint das Buch - erweitert mit zwei Texten - in neuer Form. Iannone beginnt ihre Ausführungen mit einem Schlüsselerlebnis: Am Flughafen von New York wurden ihre Henry-Miller-Bücher, die sie von einer Reise nach Paris dabeihatte, vom Zoll konfisziert. 1961 gewann sie mit Unterstützung der Amerikanischen Bürgerrechtsunion ACLU (American Civil Liberties Union) einen spektakulären Gerichtsprozess gegen diese Beschlagnahmung, der nicht zuletzt half, den Import der Bücher Millers in die USA zu legalisieren. Iannone berichtet zudem auch von der Zensur ihrer Bilder in Ausstellungen: Für die Gruppenausstellung "Freunde" (1969) in der Kunsthalle Bern luden die vier Schweizer Künstler Daniel Spoerri, André Thomkins, Karl Gerstner und Dieter Roth befreundete Künstler und Künstlerinnen ein, Werke für die Schau beizusteuern. Auch Iannone wurde angefragt. Auf Druck ihrer Kollegen musste sie ihre Arbeiten jedoch bereits vor der Eröffnung wieder entfernen. Roth solidarisierte sich mit ihr und zog alle Werke in seinem Teil der Ausstellung zurück (Arbeiten von Roth, Iannone und Emmett Williams). Diese Geschichte erzählt Iannone ausführlich in ihrem Künstlerbuch "The Story Of Bern" (1969). In der Ausstellung wird die ganze Serie der Originalzeichnungen für "The Story Of Bern" präsentiert. Wie im Titel "Censorship And The Irrepressible Drive Toward Love And Divinity" angedeutet, ist die mythische Dimension von Iannones Schaffen für die Ausstellung von grosser Bedeutung. Iannone entwickelt einen eigenen Bilderkosmos, der den philosophischen Begriff des «Eros» umkreist. Dieser Begriff impliziert die Idee, dass der Mensch von seinem Begehren ergriffen werde. «Begehren» wird so als eine starke natürliche Kraft gesehen, die von Liebe, Ekstase und der Auflösung des Ichs - dem Streben nach einer Einheit des Körperlichen und Seelischen - angetrieben wird.

Neben der Präsentation im Migros Museum für Gegenwartskunst wurde Iannones Werk 2014 in einer Retrospektive in der Berlinischen Galerie, Museum für Moderne Kunst, Berlin gezeigt. Vorangehend wurden ihre Arbeiten in den letzten Jahren umfassend im Camden Art Center, London (2013), und im New Museum, New York (2009), präsentiert.

Anlässlich der Ausstellung erscheint bei JRP|Ringier das Künstlerbuch "Censorship And The Irrepressible Drive Toward Love And Divinity" von Dorothy Iannone in einer neuen Auflage. Erweitert wurde die Edition mit Essays von Maria Elena Buszek und Heike Munder.

Medienkonferenz: 29. August 2014, 11 Uhr

Kontakt:

René Müller, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
rene.mueller@mgb.ch
T +41 44 277 20 50


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