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Media Service: Ökonomen warnen vor langer Stagnation in der Schweiz

Zürich (ots) - Nicht der Frankenschock oder die Deindustrialisierung bedrohen den Wohlstand in der Schweiz auf lange Sicht, sondern eine Reihe von anderen Themen: Abschottung, demografische Alterung, Reformmüdigkeit. Dies geht aus einer Umfrage der «Handelszeitung» mit achtzehn führenden Ökonomen in der Schweiz hervor. Zwölf von ihnen bezeichnen die Schädigung der Handelsbeziehungen als grösste Gefahr für die Wohlstandsentwicklung in den kommenden Jahren. Internationale Krisen - wie etwa eine erneute Eurokrise - sowie die Preisgabe von Standortvorteilen werden am zweithäufigsten als grösste Gefahr genannt. «Langfristig stellt ein Scheitern des bilateralen Weges einerhebliches Risiko für die Schweizer Wirtschaft da», sagt Felix Brill, Ökonom beim Büro Wellershoff & Partners. «Insbesondere die Frage, wie attraktiv der Investitionsstandort Schweiz bleiben wird, beeinflusst die Wachstumsaussichten für die nächsten fünfzehn Jahre.» Laut den Volkswirten wird sich das Wachstum in der Schweiz bis 2030 leicht verlangsamen - auf knapp 1 Prozent. Über die letzten zwanzig Jahre war die Wirtschaft im Mittel pro Kopf um 1,1 Prozent pro Kopf gewachsen. Werden Reformen angepackt, so werden 1,5 Prozent pro Jahr und Einwohner als möglich erachtet - dies besagt ein detailliertes, von der Credit Suisse berechnetes Szenario. Das würde bis 2030 einem Einkommenszuwachs von gegen 20'000 Franken pro Kopf entsprechen. Zu diesem Szenario gehört ein Anstieg der Produktivität, unter anderem getrieben durch die Zuwanderung. Um die Produktivität zu sichern, erachten die von der «Handelszeitung» befragten Ökonomen Reformen bei der Altersvorsorge, Gesundheit und Agrarpolitik als nötig. «Die grosse wirtschaftspolitische Herausforderung bis 2030 ist die Gestaltung des demografischen Übergangs», sagt der Luzerner Wirtschaftsprofessor ChristophSchaltegger. Verschläft die Schweiz den Wandel, so könnte das Pro-Kopf-Wachstum laut Aussagen diverser Ökonomen auf 0 bis 0,5 Prozent sinken. Der Einkommenszuwachs über die kommenden fünfzehn Jahre läge dann bei nur 6000 Franken pro Kopf. Der Bundesrat berät im Herbstüber die Wachstumspolitik der kommenden Session. Galt das erste Wachstumspaket nach der Jahrtausendwende als Erfolg, so hat die Politik in den vergangenenbeiden Sessionen (2008-1 und 2012-15) weniger wachstumsfreundlich gearbeitet. «Der Reformeifer ist erlahmt», konstatiert Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco.

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