Handelszeitung

Media Service: Probleme bei Pendolino-Ersatz

Zürich (ots) - Nach dem Doppelstock-Debakel droht den SBB erneut Ärger mit einer Ausschreibung. Die Bundesbahnen schrieben für die Gotthard-Linie vor zwei Jahren den 800-Millionen-Franken-Auftrag für 29 Schnellzüge aus. Zuschlag und Arbeitsbeginn für den Pendolino-Ersatz hätten im dritten Quartal 2013 erfolgen müssen. Nun verzögert sich der Entscheid bis in den Sommer hinein. Unter den Zugbauern ist die Unzufriedenheit mit den SBB gross, wie die «Handelszeitung» in ihrer neuen Ausgabe berichtet.

Im Verfahren für die Gotthardstrecke änderten die SBB die Spielregeln ständig, ärgert sich ein Beteiligter. «Die Vorgaben im Vorgespräch wichen von den Vorgaben der Ausschreibung ab. Und die Vorgaben der Ausschreibung wurden hernach abermals angepasst.» So konnte keiner der vier offerierenden Hersteller - Alstom, Siemens, Stadler, Talgo - die Ausschreibungskriterien der SBB erfüllen. Dies bei Kosten pro Offerte in zweistelliger Millionenhöhe. Stattdessen forderten die SBB von den Anbietern 300 Ergänzungen zu technischen und kommerziellen Aspekten ein. «Die Zusatzwünsche der SBB erforderten ein komplett neues Angebot», kritisiert der Insider. Die Verzögerungen in der Ausschreibung seien deshalb hausgemacht. «Die SBB schreiben nicht funktional, sondern lösungsorientiert aus». Statt den einzelnen Anbietern also die Funktionalitäten ins Pflichtenheft zu schreiben, machten die Bundesbahnen strikte technische Vorgaben. Wichen die Standardlösungen der Anbieter von den SBB-Wünschen ab, seien teure und langwierige Neuentwicklungen vonnöten. Gleichzeitig würde mit allen Anbietern bis zum «bitteren Ende» verhandelt, statt wie in Europa üblich frühzeitig einen bevorzugten Anbieter auszuwählen.

Angesichts der anstehenden Bahnliberalisierung in Europa kommen die SBB auf der Gotthardstrecke nun unter Druck. «Je länger sich die Ausschreibung hinzieht, desto besser für die Deutschen und Italiener», sagt der Insider.

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