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Media Service: Microsoft streicht Schulen die Sonderrabatte

Zürich (ots) - Der amerikanische Softwarekonzern hat die Lizenzverträge einseitig aufgekündet. Nun zahlen Tausende von Schulen für Windows & Co bis zu 20 Prozent mehr. «Microsoft hat zwar formal korrekt, aber ohne weitere Begründung und unter generellem Hinweis auf eine interne Untersuchung die Rahmenverträge für Softwarelizenzen einseitig aufgekündet», sagt Karl Wimmer, stellvertretender Direktor bei Educa. Die Genossenschaft handelt im Auftrag der öffentlichen Schulen die Konditionen für Softwarepakete wie Windows oder MS Office aus.

Seit Frühjahr können die Volksschulen über Educa keine vergünstigten Miet- oder Kauflizenzen mehr beziehen. Betroffen sind mehrere tausend Schulen in der Schweiz. Es geht um 2500 bis 3000 Software-Lizenzverträge, die Microsoft schätzungsweise einen zweistelligen Millionenumsatz pro Jahr bescheren. «Ohne die Rahmenverträge müssen die Schulen zwischen 15 und 20 Prozent mehr bezahlen für Microsoft-Produkte», sagt der educa.Shop-Verantwortliche Simon Graber. Da die grosse Mehrheit der Schulen auf Mietlizenzen setze, die jährlich zu erneuern sind, schaffe der vertragslose Zustand grosse Verunsicherung, so Graber. Beim Schweizerischen Schulleiterverband hat man das Problem erkannt und für die nächste Geschäftsleitungssitzung Mitte Monat traktandiert. «Es gilt zu verhindern, dass fortan jede Schule gezwungen sein wird, einzeln mit Microsoft zu verhandeln», sagt Schulleiterverbands-Präsident Bernard Gertsch. Besonders betroffen von der Kündigung des Abkommens seien Schulen, die derzeit sparen müssten. «Wenn nun ein zusätzlicher Budgetpunkt dazukommt, bringt sie das in eine schwierige Situation, da es sich um beträchtliche Aufwände handelt.» Microsoft bestätigt, dass der Rahmenvertrag mit Educa ausser Kraft ist. Hintergrund ist ein Betrugsfall bei der Schweizer Tochtergesellschaft. Ein Mitarbeiter aus dem Bildungsteam soll sich jahrelang privat bereichert haben. Die Zürcher Staatsanwaltschaft untersucht den Fall. Microsoft-Sprecherin Barbara Josef betont, das Unternehmen sei nicht Gegenstand dieser Ermittlungen. Als Folge einer eigenen Untersuchung hat Microsoft die Zusammenarbeit mit einigen Vertriebspartnern im Bildungswesen beendet. Der Softwarekonzern ist derzeit mit Educa daran, einen neuen Rahmenvertrag auszuhandeln.

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