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Media Service: Swisscom: Politik bekämpft Auslagerung von Jobs nach Indien

Zürich (ots) - Das Auslagern von Informatikprozessen in Tieflohnländer gehört zum Standardrepertoire westlicher Unternehmen. Auch die Swisscom erwägt diesen Schritt. «Wir prüfen derzeit die Verlagerung von gewissen IT-Prozessen nach Indien und Polen», sagt Konzernchef Carsten Schloter zu der «Handelszeitung». Im Sommer startet ein Pilotprojekt zum Outsourcing von Informatikdienstleistungen an die indische Partnerfirma HCL. Zwanzig Arbeitsplätze am Helpdesk in der Schweiz sind betroffen.

Das Pilotprojekt ist auf sechs bis neun Monate beschränkt. Dann entscheidet Swisscom, ob grossflächig ins Ausland verlagert wird. «Insgesamt wären in der Schweiz 100 Arbeitsplätze vom Near- und Offshoring nach Polen und Indien betroffen», sagt der Swisscom-Chef. Man stehe im internationalen Wettbewerb. Der Kostendruck sei enorm. «In der Gesamtleistung ist Indien zwischen 20 und 30 Prozent günstiger.»

Die SBB als IT-Kunde sollen gemäss Swisscom am Outsourcing-Piloten teilnehmen. Doch bei den Staatsbahnen will man nichts mehr wissen vom Informatik-Projekt. «Wir haben die Möglichkeit geprüft und für den Moment sistiert», sagt Sprecher Christian Ginsig. Über die Gründe schweigen sich die SBB aus.

Schweizer Informatik-Arbeitsplätze nach Polen und Indien auszulagern, ist für Bundesbetriebe ein politisch heikles Unterfangen. Im Parlament formiert sich von links bis rechts Widerstand gegen das IT-Projekt. «Die Politik muss die Outsourcing-Pläne der Swisscom im Keim ersticken», sagt This Jenny, SVP-Ständerat und Mitglied der Fernmeldekommission. Er werde sich mit aller Kraft gegen eine solche Auslagerung von Dienstleistungen zur Wehr setzen.

CVP-Politikerin Viola Amherd, die als Vizepräsidentin der nationalrätlichen Fernmeldekommission amtet, sieht die Gefahr eines Know-how-Verlusts. «Wichtige Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung, aber auch Lehrstellen muss Swisscom zwingend in der Schweiz erhalten», fordert Amherd.

Kommissionskollegin Edith Graf-Litscher von der SP ist besorgt über den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen. Zudem setzt sie bei der IT-Sicherheit ein Fragezeichen: «Wir erachten die Einhaltung der notwendigen Datenschutzbestimmungen zum Schutz der Kundendaten durch die geplante Auslagerung als gefährdet.» Die Gewerkschaft Transfair begleitet die Outsourcing-Pläne der Swisscom eng. Präsidentin Chiara Simoneschi-Cortesi verlangt eine Anpassung der strategischen Ziele für den bundesnahen Betrieb. «Künftig soll nicht mehr nur die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens im Zentrum stehen, sondern auch die Zusammenarbeit von Swisscom und Bund bei der Förderung von Fachkräften im MINT-Bereich», so Simoneschi-Cortesi.

Derzeit arbeitet das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation mit dem Finanzdepartement zusammen die strategischen Ziele der Swisscom bis 2017 aus. «An der Grundausrichtung wird sich nichts ändern», lässt das Uvek verlauten. Mit den neuen Swisscom-Zielen wird sich Ende Monat auch die Fernmeldekommission des Nationalrats befassen.

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