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Media Service: Fragwürdige Zahlungen an Spitalapotheke: Roche und Sanofi von Swissmedic gebüsst

Zürich (ots) - Die Aufsichtsbehörde über den Schweizer Medikamentenmarkt Swissmedic hat die beiden Pharmaunternehmen Roche und Sanofi gebüsst. Wie Recherchen der «Handelszeitung» zeigen, waren die Firmen in ein von Swissmedic angestrengtes Strafverfahren gegen die ehemalige Chefapothekerin des Kantonsspitals Freiburg verwickelt. Die Frau, welche für die Auswahl der Arzneien im staatlichen Spital zuständig war, hatte vor einigen Jahren mit Roche und Sanofi Verträge unterzeichnet, die in Zahlungen in Höhe von 50 000 Franken gipfelten. Das Geld floss auf ein eigens eingerichtetes Konto des Spitals.

Swissmedic sah darin einen Verstoss gegen das Heilmittelgesetz. Es verbietet Personen und Organisationen, die mit Arzneimitteln zu tun haben, «geldwerte Vorteile» zu fordern oder anzunehmen. Auch die Apothekerin wurde wegen der beanstandeten Verträge von Swissmedic gebüsst. Sie prozessierte dagegen bis vor Bundesgericht. Dort gaben ihr die Richter im Dezember recht. Das Urteil macht es für die Aufsichtsbehörde bis auf Weiteres unmöglich, gegen die Korruption im Gesundheitswesen strafrechtlich vorzugehen. Sprecher Daniel Lüthi bestätigt: «Unsere Interventionsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt.»

Die Namen der Unternehmen hielten das Bundesgericht und Swissmedic bislang geheim. Roche und Sanofi geben aber zu, in den Fall involviert gewesen zu sein. «Wir können bestätigen, dass Swissmedic gegen die Roche Pharma Schweiz AG damals ein separates Verfahren eingeleitet hat, das im Einvernehmen mit der Behörde gegen Zahlung einer geringen Busse erledigt wurde. Es ging um die Zulässigkeit von Sponsoringbeiträgen im Zusammenhang mit Forschungstätigkeiten», schreibt Roche-Sprecher Stepan Kracala. Jacques Weidmann von Sanofi Schweiz schreibt: «In der Tat war Sanofi durch einen Vertrag mit der Apotheke des Freiburger Spitals in einen Fall vor zehn Jahren verwickelt. Trotz der Anfechtung von Sanofi gegenüber Swissmedic hat das Institut eine niedrige Geldbusse gegen Sanofi erhoben. Im Lichte der jüngsten Entscheidung des Bundegerichts sehen wir unser Recht in diesem Fall bestätigt.»

Gesundheitsökonom Heinz Locher fordert als Gegenmittel gegen unlautere Praktiken schlicht mehr Transparenz: «Alle Zahlungen und Zuwendungen von der Industrie an Ärzte und medizinische Institutionen sollten veröffentlicht werden. Das würde Misstrauen abbauen und die Glaubwürdigkeit des gesamten Gesundheitssystems erhöhen.»

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