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Media Service: Exklusivinterview mit Nick Leeson zur UBS-Affäre: «Das ist eine Bankrotterklärung des Finanzsystems»

Zürich (ots) - Erstmals äussert sich der einstige Milliardenbetrüger Nick Leeson in einem Exklusivinterview mit der «Handelszeitung» zum Betrugsfall bei der UBS. Er zeigt sich «schockiert» über den Vorfall, besonders weil er bei einer Schweizer Bank vorfiel, die als Messlatte in der Branche galt. Auffallend sei auch, dass alle grossen Betrugsfälle einander sehr ähnlich seien: Die Höhe der ausstehenden Positionen, die lange Zeitspanne, bis der Schwindel auffliegt, die zahlreichen Kontrollen, bei denen keine Unregelmässigkeiten festgestellt werden.

Leeson, der 1995 mit seinen Fehlspekulationen die traditionsreiche britische Barings Bank in den Ruin trieb, wirft der Finanzbranche vor, zu wenig in die Kontrollsysteme zu investieren, weil dies nur koste. «Gefragt sind stattdessen 'Finanzinnovationen' und neues Geld, um noch mehr Geld zu scheffeln», sagt Leeson, der den Banken unterstellt, aus den Fehlern nichts gelernt zu haben.

Der fehlbare UBS-Händler Kweku Adoboli dürfte zunächst keine kriminellen Absichten gehabt haben, vermutet Nick Leeson. «Im Gegenteil. Ich denke, er war ein unbescholtener Typ, der, wie ich, besessen war vom Erfolg. Erfolg um jeden Preis zu haben, verbunden mit der panischen Angst des Versagens», sagt Leeson. Er vermutet allerdings, dass man bei der UBS früher auf die Unregelmässigkeiten hätte aufmerksam werden können. «Nach meinem Wissen arbeitete Adoboli an einem Trading-Desk mit mehreren Kollegen. In der Regel weiss man, was der andere macht, hält ähnliche Positionen und erzielt vergleichbare Erträge. Alles andere fällt auf», so Leeson.

Nick Leeson sagt weiter, dass er anfänglich dachte, er könne seinen Verlust bestenfalls 24 Stunden verbergen. Doch als am nächsten Tag niemand nachfragte, verstieg er sich im Glauben, mit der Zeit den Verlust wieder wettmachen zu können. «Man schöpft Vertrauen, dass die Märkte plötzlich kehren und sich die Situation zum Besseren wendet», sagt Leeson. Doch dann komme die Erkenntnis der «totalen Niederlage».

Bei seiner Verhaftung empfand Leeson ein Gefühl von Erlösung und Befreiung. Das dürfte wohl auch bei Kweku Adoboli der Fall gewesen sein, vermutet Leeson. «Erlösung, weil das Versteckspiel zu Ende ist, und Befreiung, weil man die ganze Last mit einem Schlag los ist», sagt Leeson. Heute lebt der frühere Trader in Irland und will in den nächsten Wochen mit einem Geschäftspartner ein neuartiges Finanzprodukt lancieren.

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