Handelszeitung

Media Service: Heute in der Handelszeitung vom 9. Sept. 2009

Zürich (ots) - SBB-Präsident Ulrich Gygi: Spezialangebote sollen Geschäftskunden anlocken Da der Bahn bei der Erhöhung der Ticketpreise die Hände gebunden sind, will der Verwaltungsratspräsident der SBB, Ulrich Gygi, neue Einnahmequellen erschliessen. Im Visier hat er neue Angebote für Geschäftsreisende. "Ich denke da beispielsweise an Sitzungen im Zug", sagt er im Interview mit der "Handelszeitung". Zudem setzt er auf neue Absatzkanäle wie Internet oder Handy. "Auch in Sachen Loyalitätsprogramme sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft", sagt der oberste Bähnler. Dass er Programme nach dem Muster der Airlines wie etwa das Vielfliegerprogramm Miles&More von Swiss und Lufthansa kopieren will, ist kein Zufall. Es ist das Ziel der SBB, Flugpassagiere auf Kurzstrecken in Kooperation mit anderen Bahnen auf die Schiene zu bringen. Weniger erfreulich als im Personenverkehr, wo die SBB auch dieses Jahr einen deutlichen Gewinn erzielen werden, sehe es im Güterverkehr aus. Gygi: "Die Zahlen haben sich noch nicht verbessert." Deshalb wird nach wie vor mit möglichen Partnern für SBB Cargo verhandelt. Ein Entscheid soll noch dieses Jahr fallen. Im Vordergrund stehen nicht etwa die Deutschen oder Franzosen, sondern ein Schweizer, lässt Gygi durchblicken. "Eine noch weiter vertiefte Partnerschaft mit Hupac wäre wünschbar", sagt er. Ökonom Bernd Schips zur Finanzkrise: "Banken haben nichts gelernt" Der emeritierte Ökonomieprofessor und langjährige Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, Bernd Schips, nimmt beim Thema Finanzkrise kein Blatt vor den Mund: "In weiten Teilen haben die Finanzinstitute nichts gelernt und machen so weiter wie bisher", sagt er im Interview mit der "Handelszeitung". "Denn in dem Moment, wo es den Finanzinstituten wieder besser geht, wehren sie sich gegen tiefer greifende Regulierungen." Allerdings: Von Regulierungen hält Schips sowieso nicht viel. Der Grund: "Die Banken sind sehr innovativ und finden immer Wege, neue Vorschriften zu umgehen." Rein gar nichts anfangen kann er mit den Ansichten von UBS-Präsident Kaspar Villiger, der hohe Löhne und Boni bezahlen will, um gute Mitarbeiter bei der Stange zu halten. "Das ist Unfug. Man muss sich doch fragen, sind das wirklich die besten Mitarbeiter? Und so gut sind sie eben nicht", sagt Schips. Es seien doch genau jene Banker, die zu hohe Risiken eingegangen seien und Verluste gemacht hätten. Zudem vermisst Schips bei den Bankern die Einsicht: "Die Manager der Banken müssen auch daran denken, dass sie in der Krise ihr Gesicht verloren haben. Und diese Eingeständnisse fehlen. Das ist das Schlimme daran." Aussenpolitik: Ex-Botschafter Thomas Borer fordert Krisenstab aus Privatwirtschaft "Die Schweiz braucht einen starken Bundespräsidenten, der auf vier Jahre vom Volk gewählt ist." Dies sagt der ehemalige Botschafter und heutige Unternehmensberater Thomas Borer im Interview mit der "Handelszeitung", und dies trotz dem umstrittenen eigenmächtigen Handeln von Hans-Rudolf Merz in Libyen. "Merz ist ja nicht in einer starken Position, er kann die Vorgabe, die er möchte, gar nicht umsetzen." Um künftige aussenpolitische Krisen besser zu bewältigen, schlägt Borer Krisenstäbe mit Spezialisten aus der Privatwirtschaft vor. "Analog zum Milizsystem der Armee brauchen wir ein Milizsystem für politische Krisen." Diese Krisenstäbe müssten dann regelmässig Übungen durchführen und innerhalb von zwölf Stunden aufgeboten werden können, sagt Borer. Grosse Sorgen macht er sich um den Finanzplatz: "Es wäre verheerend, wenn wir meinten, nach dem US-Steuerstreit sei alles überstanden. Der Druck auf den Finanzplatz Schweiz wird weiter zunehmen." Steuerhinterziehung: Privatbank Maerki Baumann & Co. unterstützt Quellensteuer Als möglichen Ausweg in der Diskussion um Bankgeheimnis und Steuerflucht würde die Zürcher Privatbank Maerki Baumann & Co. eine Quellensteuer unterstützen. "Sie ist für mich eine mögliche Lösung. Denn die Quellensteuer dient beiden Seiten und erlaubt die Wahrung der Privatsphäre", sagt Bankchef Rolf W. Aeberli im Interview mit der "Handelszeitung". Was er strikt ablehnt, ist eine Aufweichung des Bankgeheimnisses oder einen automatischen Informationsaustausch. "Dagegen wehre ich mich vehement! Dazu wird es auch nicht kommen. Das wäre absolut das Falsche." Aeberli begründet seine Ablehnung mit dem Schutz der Privatsphäre. "Diese wichtige liberale Errungenschaft wäre nicht mehr gegeben." Er spricht auch offen über Kunden, die unversteuerte Guthaben besitzen und ihn um Rat fragen. "Es geht nicht darum, Schlupflöcher zu finden. Es gibt verschiedene Wege, im Rahmen der gesetzlichen und regulatorischen Vorschriften, die es fallweise mit dem Kunden zu diskutieren gilt." Pharma: Novartis, Roche und Co. bangen ums fette US-Geschäft Nach der Finanzbranche gerät auch Big Pharma zunehmend ins Visier der US-Politik: Die Margen auf den Medikamenten werden in den Vereinigten Staaten markant einbrechen, falls Präsident Barack Obama seine Gesundheitsreform durchbringt und die Preise für kassenpflichtige Medikamente auf breiter Front sinken. Die unter- oder unversicherten 45 Mio US-Bürger dürften künftig mit Medikamenten zu Netto-Preisen versorgt werden. Aleksandar Ruzicic, Pharma-Spezialist beim Beratungskonzern Roland Berger, warnt im Gespräch mit der "Handelszeitung": "Im besten Fall würden die Umsätze konstant bleiben, aber die Margen und damit der Profit markant einbrechen." Für die Pharmabranche kommt dies, Experten zufolge, einer Katastrophe gleich, denn der US-Markt ist bedeutend. Er spült der Pharma fast die Hälfte des weltweiten Gewinns von rund 250 Mrd Dollar in die Kassen. Novartis räumt denn auch ein, dass die Reform ab 2010 Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis haben wird. Auch bei Roche macht man sich keine Illusionen: "Der Preisdruck nimmt weiter zu, davon müssen wir ausgehen", sagt Konzernsprecher Daniel Piller. Digitalkameras: U-Blox will mit neuen Geschäftsfeldern zum Erfolg finden Trotz Rückgang von Umsatz und Gewinn im 1. Halbjahr hält das auf Positionierungs-Technologie spezialisierte Unternehmen U-Blox am Ziel fest, den Umsatz bis 2011 auf 150 Mio Fr. rund zu verdoppeln, wie Finanzchef Jean-Pierre Wyss im Gespräch mit der "Handelszeitung" sagt. U-Blox dringe mit akquirierten Technologien jetzt verstärkt in den Konsumgütermarkt vor, erklärt Wyss. So kann etwa ein vom deutschen Fotozubehör-Hersteller Bilora vertriebenes Produkt aufgenommene Bilder im Nachhinein mit exakten Positionierungsdaten anreichern. Das geschieht praktisch ohne Energieaufwand und erleichtert das ordnen der Fotos. Das Wachstum soll aber nicht nur aus dem neuen Kamerageschäft stammen. "Im klassischen GPS-Business zusammen mit dem neuen Kamerageschäft wollen wir ein jährliches Umsatzplus von 10 bis 20% erreichen, die restlichen 50 bis 60 Mio Fr. sollen mit der Wireless-Technologie erzielt werden", sagt Wyss. Er rechnet damit, leicht viele Kunden gewinnen zu können, die U-Blox schon aus dem bisherigen Telematik-Geschäft kennen. Kontakt: Nähere Auskunft erteilt Ihnen gerne Herr Martin Spieler, Chefredaktor "Handelszeitung" Zürich Tel: 43 444 59 00

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