Handelszeitung

Media Service: Heute in der Handelszeitung vom 17. Juni 2009

    Zürich (ots) - EU-Steuerkommissar László Kovács: "Wir wollen einen umfassenden Vertrag"

    In einer Woche kommt am Ministertreffen der OECD das Thema Steuerflucht wieder aufs Tapet. László Kovács, Steuerkommissar der EU, erhöht im Vorfeld des Treffens den Druck auf die Schweiz: "Am liebsten würden wir eine Übereinkunft erreichen, die so umfassend wie möglich ist und alle Steuerfluchts- und Steuerbetrugsthemen abdeckt", sagt Kovács im Interview mit der "Handelszeitung". Damit stellt er sich gegen das Vorgehen der Schweizer Regierung, die verschiedenen Bereiche in separaten Abkommen und auf bilateralem Weg zu regeln. Locker lassen wird Kovács nicht: "Die EU-Kommission ist fest entschlossen, Steuerflucht und Steuerbetrug zu bekämpfen", betont er und erinnert an das G20-Gipfeltreffen im vergangenen April. "Damals wurde klar festgehalten, dass die Ära des Bankgeheimnisses vorbei ist. Bereits während der Gipfel vorbereitet wurde, erklärten Jurisdiktionen in der ganzen Welt ihren Willen, die internationalen Standards von Transparenz und Informationsaustausch anzuwenden", sagt Kovács. Darunter seien längst nicht nur europäische Länder gewesen, sondern auch Gebiete wie Hongkong, Singapur und Macao, die sich noch vor einem Jahr in diesen Fragen zurückhaltend gezeigt hatten. "Das Bankgeheimnis kann von diesen Ländern nicht mehr bemüht werden, um Informationsherausgabe zu verweigern", betont der EU-Steuerkommissar. "Die Informationsherausgabe ist zwingend nötig für die korrekte Einschätzung der Steuern eines Bürgers."

    Lufthansa-CEO Wolfgang Mayrhuber: "Keine zusätzlichen Akquisitionen"

    "In der Krise können wir kein zusätzliches Akquisitionenprojekt machen", sagt Wolfgang Mayrhuber im Interview mit der "Handelszeitung". Damit distanziert sich der CEO der deutschen Fluggesellschaft und Swiss-Mutter Lufthansa von seiner rasanten Wachstumsstrategie - zumindest 2009. Denn Mayrhuber will auch das laufende Geschäftsjahr mit Gewinn abschliessen. Ein ambitioniertes Ziel, denn eine Erholung der Erträge ist nicht absehbar, zu gross ist der Rückgang bei den lukrativen First- und Business-Class-Passagieren. "Für 2009 erwarte ich für Lufthansa einen Passagierrückgang von rund 10%", sagt Mayrhuber. Die Erlöse werden um rund 20% schrumpfen. Der Konzern muss daher noch stärker auf die Kapazitäten und Kosten achten. "Sollte sich herausstellen", so Mayrhuber, "dass die Kurzarbeit nicht ausreicht, müssen wir die Kostenschraube weiter anziehen." So würden Sach- und Personalkosten geprüft sowie Investitionen notfalls verschoben. Bei Swiss befindet sich derzeit nur die Frachtabteilung in Kurzarbeit. Kündigungen sind laut Mayrhuber vorerst nirgendwo im Konzern ein Thema.

    Kühne+Nagel-CEO Reinhard Lange: "Dieses Jahr mindestens eine Übernahme"

    Der neue Kühne+Nagel-CEO Reinhard Lange erwartet auch für das 3. Quartal noch keine Erholung. "Die Volumenrückgänge sind zwar nicht mehr so dramatisch wie in den vergangenen Monaten, aber wir sehen keine wesentliche Erholung", sagt Lange im Interview mit der "Handelszeitung". Die Luftfrachtmengen befänden sich immer noch auf einem tiefen Niveau, in der Seefracht sei zwar eine gewisse Erholung zu verzeichnen, aber auch diese bewege sich noch auf niedrigem Niveau. Trotzdem will Lange im laufenden Jahr in Spanien oder Italien Grossübernahmen im Landverkehr tätigen. "Wir gehen davon aus, dass wir mindestens in einem von diesen Ländern noch in diesem Jahr zu einem Übernahmeabschluss kommen", bestätigt Lange. Auch für Zukäufe in der Ölsparte seien genügend Mittel vorhanden.

    NZZ-CEO Albert P. Stäheli: "Die 'Neue Zürcher Zeitung' leidet"

    Die NZZ verliert Geld. "Trotz aller Sparmassnamen schreiben wir im 1. Quartal 2009 Verluste", räumt Albert P. Stäheli, CEO der NZZ-Gruppe, im Interview mit der "Handelszeitung" ein. Nun will er die Preise für Abonnements erhöhen: "Wir wollen die hohen Ansprüche unserer Leserschaft auch künftig voll befriedigen können. Deshalb prüfen wir eine überdurchschnittliche Preisanpassung", erklärt er. Zudem analysiert Stäheli, welche Teile des NZZ-Online-Angebots künftig kostenpflichtig werden könnten. "Eine Veränderung ist denkbar bei Finanzdienstleistungen, spezifischen Wirtschaftsthemen und Kommentaren von exzellenten Autoren", sagt Stäheli. Wachstumsmöglichkeiten ortet der Konzernchef im Bereich der Regionalzeitungen. So hat Stäheli unter anderem die "Basler Zeitung" im Fokus - die Publigroupe signalisierte kürzlich, ihr Paket an der "Basler Zeitung" verkaufen zu wollen. "Daran wären wir interessiert, sofern die Mehrheitsbesitzerin, die Familie Hagemann, das ebenfalls so sieht", erklärt Stäheli.

    Alt Bundesrat Christoph Blocher: "Wir leben in den Tag hinein"

    Der Bundesrat habe im Steuerstreit mit der Europäischen Union keine Strategie, moniert alt Bundesrat Christoph Blocher im Interview mit der "Handelszeitung". Man lebe in den Tag hinein. "Zusätzlich ging man aus Angst vor schwarzen Listen in die Knie vor der OECD, wo Einstimmigkeit erforderlich wäre", fügt Blocher hinzu. Im Fall der maroden Grossbank UBS, an der sich der Bund beteiligt hat, ist Blocher optimistisch. "Ich kriege Signale, dass grössere Pakete gesucht sind", sagt er. "Unter 18 Fr. sollte man nichts abgeben", rät er dem Grossaktionär Eidgenossenschaft, der mit 10% an der UBS beteiligt ist. Für Blocher persönlich kommt ein Einstieg bei der Grossbank aber "nicht in Frage".

    Post-Gesundheitscheck: Post vernichtet alle Fragebögen

    Rund 15 000 Beschäftigte des Bereichs Post Mail mussten seit diesem Jahr im Rahmen ihres Mitarbeitergesprächs Angaben über ihren Gesundheitszustand machen. Der direkte Vorgesetzte visierte dabei die gemachten Angaben - das stiess vielen Angestellten sauer auf. Nach einem entsprechenden Bericht der "Handelszeitung" krebst der Gelbe Riese nun zurück, mit dem Gesundheitscheck ist ab sofort Schluss: In einem internen Rundschreiben, das der "Handelszeitung" vorliegt, gesteht die Post ein: "Eine Überprüfung der Rechtmässigkeit des Prozesses hat gezeigt, dass Post Mail die Gesundheitsabklärung anpassen muss. Post Mail wird vorhandene Fragebogen in Personaldossiers vernichten (...)". Zusammen mit den Gewerkschaften und dem eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten überprüfe man nun die Situation. "Wie der Prozess der periodischen Gesundheitsabklärung in Zukunft ablaufen soll, wird in den nächsten Wochen und Monaten ausgearbeitet", heisst es im internen Schreiben. Post-Sprecher Oliver Flüeler bestätigt die Anpassungen: "Wir gehen über die Bücher." Grundsätzlich wolle das Unternehmen sein "Gesundheitsmanagement" aber fortsetzen.

    Netzwerke: Syngenta-CEO Michael Mack wird neuer AmCham-Präsident

    Bei der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer AmCham - einem Netzwerk, dem das Who's who der Wirtschaft angehört - stehen grössere personelle Veränderungen an. Am 22. Juni wählt die Generalversammlung eine Reihe neuer Führungsmitglieder sowie einen neuen Präsidenten. Neu in das Board of Directors gewählt werden unter anderem Lonza-CEO Stefan Borgas, Sonova-Chef Valentin Chapero, UBS-CEO Oswald Grübel, ABB-Konzernchef Joe Hogan, Swiss-CEO Harry Hohmeister, OC-Oerlikon-CEO Uwe Krüger, Swiss-Re-Chef Stefan Lippe und Unilever-Chef Paul Polman. Dies bestätigt AmCham-CEO Martin Naville gegenüber der "Handelszeitung". Das Amt des Präsidenten wird laut Naville Michael Mack, CEO des Agrochemiekonzerns Syngenta, übernehmen.

Kontakt:
Nähere Auskunft erteilt Ihnen gerne Herr Martin Spieler, Chefredaktor
"Handelszeitung" Zürich.
Tel: 042 444 59 00



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