Handelszeitung

Media Service: Heute in der Handelszeitung vom 1. April 2009

Zürich (ots) - Schon 100 000 in Kurzarbeit: Krise verschärft sich massiv Innert zweier Monate hat sich die Zahl der Firmen, die Kurzarbeit beantragt haben, vervierfacht. Bis Mitte März haben bereits 4300 Betriebe Kurzarbeitsgesuche für knapp 100 000 Mitarbeiter eingereicht, wie eine Umfrage der "Handelszeitung" bei 16 zuständigen kantonalen Ämtern zeigt. Die Nachfrageflaute bei den Unternehmen hat sich damit massiv zugespitzt: Vor zwei Monaten waren es erst 1000 Gesuche für 30 000 Mitarbeiter. Hochgerechnet auf die ganze Schweiz werden im April rund 100 000 Personen in Kurzarbeit sein. Das ist deutlich mehr als auf dem Höhepunkt der Krise in den 90er Jahren. Neuerdings beschränkt sich die Kurzarbeit nicht nur auf den Werkplatz, sondern weitet sich auf den Bürosektor aus. UBS-Vize Sergio Marchionne: Lob für die neue Führungsspitze Der UBS-Vizepräsident und Fiat-CEO Sergio Marchionne ist voll des Lobes über das neue Führungsduo an der UBS-Spitze: Der neue CEO Oswald Grübel sei "eine absolut exzellente Wahl". "Er hat nicht nur die nötige Erfahrung, sondern auch die Glaubwürdigkeit, die UBS auf den richtigen Pfad zurückzuführen", sagt Marchionne im Interview mit der "Handelszeitung". Das sind neue Töne von Marchionne, der bisher vor allem durch scharfe Kritik aufgefallen war. Zum neuen UBS-Verwaltungsratspräsidenten Kaspar Villiger sagt er, dass "Integrität und Vertrauenswürdigkeit mehr denn je gefragt sind". Marchionne ist auch überzeugt, dass die beiden neuen Führungskräfte exzellent zusammenarbeiten, was manche Kritiker bereits in Zweifel gezogen haben: "Die beiden Führungskräfte repräsentieren eine perfekte Ergänzung von Können, Fachkenntnis, Erfahrung und Interessen. Der Verwaltungsrat hat viel Zeit darauf verwendet, um die richtigen Personen zusammenzuführen und sicherzugehen, dass wir eine exzellente exekutive Führungscrew haben", so Marchionne in der "Handelszeitung". Fiat-CEO Sergio Marchionne: "Die Grossen Drei Konkurs gehen lassen" Sergio Marchionne, CEO des italienischen Automobilkonzerns Fiat und Vizepräsident der Grossbank UBS, sieht wenig Spielraum, um die angeschlagenen drei US-Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler zu retten. "Könnte ich entscheiden, würden die drei Grossen - GM, Ford und Chrysler - mit Chapter 11 in Konkurs gehen", sagt er im Interview mit der "Handelszeitung". Entweder werde allen Herstellern geholfen oder keinem, sagt er mit Blick auf GM-Tochter Opel, die derzeit um Staatshilfe in Deutschland ringt. "Unsere Branche leidet an chronischen Überkapazitäten und staatlichen Überregulierungen", kritisiert Marchionne. Absurdestes Beispiel seien die EU-Vorschriften für die CO2-Reduktion. "Sie verringern den Ausstoss um 0,0015% und belasten unsere Industrie pro Jahr mit 45 Mrd Euro", sagt er. Auf die Frage, ob sich Fiat mit 35% am US-Konzern Fiat beteiligt, sagt er: "35% an nichts ist doch nichts!" Staatsfonds GIC: Unterstützung für UBS-CEO Oswald Grübel Beim Einstieg des Singapurer Staatsfonds GIC kostete die UBS-Aktie noch 55 Fr., heute ist sie nicht einmal mehr ein Fünftel davon wert. Der Fonds bekennt sich aber weiter zu seinem Investment. "Wir begrüssen die Ernennung von Oswald Grübel zum CEO", sagt eine Sprecherin gegenüber der "Handelszeitung". Man freue sich auf die Zusammenarbeit mit ihm und dem Verwaltungsrat, um Vertrauen aufzubauen und in die Profitabilität zurückzukehren. GIC hat im letzten Jahr 11 Mrd Fr. frisches Kapital in Form einer Pflichtwandelanleihe eingeschossen. Fondsmanager: Warnung vor schlechten Börsen Führende Schweizer Fondsmanager sind pessimistisch, was den Ausblick am Aktienmarkt angeht. "Auf die nächsten sechs bis zwölf Monate hinaus kann man gar nichts sagen über den weiteren Börsenverlauf", sagt Peter J. Lehner, Manager des Fonds Saraselect, gegenüber der "Handelszeitung". Lorenz Reinhard, dessen Pictet Swiss Mid-Small Cap Fonds 2009 die beste Performance aller Aktien-Schweiz-Verhikel erbracht hat, warnt: "In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres werden wir von den Firmen wohl sehr schlechte Zahlen sehen." Die Umsätze könnten nochmals um 40% einbrechen und die Profitabilität verloren gehen, so Reinhard. Investorlegende Jeremy Grantham: "Gegen Ende des Jahres könnte eine echte Börsen-Rally anstehen" Der Gründer, Chairman und Chefstratege des US-Vermögensverwalters GMO, Jeremy Grantham, sieht zwar in den Märkten kurzfristig noch Risiken, doch könnte die Wirtschaft gegen Ende des Jahres anziehen und sich eine bedeutende Aktien-Rally anbahnen. "In den 20 Jahren, in denen wir Asset Allocation betreiben, waren wir nur von 2003 bis 2005 stärker in Aktien investiert als heute", so Grantham gegenüber der "Handelszeitung". Grantham geniesst in der Branche einen ausgezeichneten Ruf. Er hatte bereits die Internetblase und die aktuelle Finanzkrise vorausgesehen. "Dr. Doom" Nouriel Roubini: "Grosses Loch im Bankensystem" Der New Yorker Starökonomen rechnet mit Verlusten im Bankensektor in der Höhe von über 3 Billionen Dollar. "Auch nach den Kapitalspritzen der Regierungen gibt es damit noch immer ein grosses Loch im Bankensystem, das mit neuem Kapital gefüllt werden muss", sagt Nouriel Roubini im Interview mit der "Handelszeitung." Die Rally an den Aktienmärkten stehe zwar auf schwachen Beinen, könnte aber noch eine Weile andauern. "Denn die Regierungen und Notenbanken greifen auf ein ganzes Arsenal an Waffen zurück, um die Wirtschaft vor einem tiefen Fall zu bewahren." In den nächsten Monaten würden die Investoren aber wieder enttäuscht werden. Vertrauenskrise: Barack Obamas Wahlkampfleiter David Plouffe sagt, wie Chefs Vertrauen gewinnen "Yes, we can!" Mit dieser simplen wie eingängigen Botschaft schaffte es David Plouffe, Barack Obamas Wahlkampf-Chef, bei Millionen verunsicherten US-Amerikanern Vertrauen zu schaffen. Das ist der Führungscrew angeschlagener Unternehmen wie der Grossbank UBS bisher noch nicht gelungen. Jetzt erläutert Plouffe im Interview mit der "Handelszeitung", wie ihm das Meisterstück in Sachen Vertrauensbildung gelang. "Wir hatten die Disziplin, an unserer Botschaft durch dick und dünn festzuhalten", sagt Plouffe. Anfeindungen aus dem Lager der Gegner liessen ihn kalt. «Wir versuchten, uns darauf zu fokussieren, was wir an jedem einzelnen Tag erreichen wollten." Entscheidend sei zudem, ehrlich zu sein und unangenehme Nachrichten aus eigenem Antrieb an die Öffentlichkeit zu bringen: "Dann kann man die Bedingungen der Veröffentlichung selber bestimmen", erklärt er. Management: Zurück zu den sicheren Werten Stürmische Zeiten verlangen nach soliden Grundfesten: Die alten und erfahrenen Kapitäne übernehmen deshalb wieder häufiger das Ruder selbst. Denn sie gelten als besonnen, bodenständig - und relativ bescheiden. Doch trotz aller Vorteile, die sie haben mögen, lösen sie die Probleme nicht mit den Rezepten von vorgestern. Denn Erfahrung ist nicht immer nötig, es braucht vor allem bestimmte Fähigkeiten. Gerade in einer Krise zeigt sich, wer dazu das Format hat. Und das könnten auch ganz junge Leute mit wenig Erfahrung sein - falls es sie gäbe. Ascom-Chef Riet Cadonau: "Nur noch kleinere Zukäufe" Dem Kauf des schwedischen Softwareunternehmens Tems ging ein monatelanger Bieterprozess voraus - bei dem Ascom vorübergehend aus dem Rennen war. Ascom-Chef Riet Cadonau sagt der Handelszeitung: "Offensichtlich mussten im letzten Herbst andere Bieter, die vorher höhere Angebote unterbreitet hatten, aufgrund des veränderten wirtschaftlichen Umfeldes aussteigen. Für uns ist das eine Bestätigung, dass es sich lohnt, unseren Akquisitionskriterien konsequent nachzuleben." Auf die Anzahl Stellen habe der Zukauf keinen negativen Effekt: "Die Akquisition ist zum grössten Teil komplementär, weshalb wir nicht mit einem substanziellen Stellenabbau rechnen. Gewisse punktuelle Veränderungen sind aber nicht auszuschliessen." Zu weiteren möglichen Zukäufen erklärt Cadonau: "Allfällige künftige Akquisitionen werden nach der wichtigen Übernahme von Tems in den nächsten 18 Monaten kleiner ausfallen." Fürs laufende Jahr ist der Ascom-Chef verhalten optimistisch: "Da wir unsere Hausaufgaben noch vor Beginn der Krise gemacht haben und unser Geschäft zu zwei Dritteln nichtzyklisch ist, sind wir für die aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen vergleichsweise gut gerüstet." Er hält die für 2010 angpeilte Ebit-Marge von 10% auf Gruppenstufe für ein nach wie vor "realistisches Ziel". Post-CEO Michel Kunz: Der neue Mann gibt den Tarif durch Der neue Post-CEO Michel Kunz beharrt auf den Preiserhöhungen bei Paketen und Auslandsendungen im nächsten Jahr und macht damit Einsparungen durch die Preissenkungen im Versand im Sommer teilweise wieder zunichte. Das haben Recherchen der "Handelszeitung" ergeben. "Die Erhöhung fällt im ursprünglich geplanten Umfang aus", bestätigte Kunz am Rande der Bilanzmedienkonferenz. Leichte Pakete bis 5 kg werden dann am Schalter einen Franken teurer. Ausserdem steigen die Preise im internationalen Versand im Schnitt um 7%. Auch betreffend Infrastrukturzugang für private Postunternehmen will er die harte Linie der Post nicht aufweichen und den Konkurrenten keine Gleichbehandlung mit Geschäftskunden gewähren. Warenhaus Globus: Prosecco statt Champagner in der Krise In der Warenhauskette Globus machen sich erste Anzeichen der Wirtschaftskrise bemerkbar. "Der Absatz von Champagner verlagert sich eher hin zum etwas günstigeren Prosecco", bestätigt Globus-Sprecher Jürg Welti auf Anfrage der "Handelszeitung". Auch der Verkauf von teurem Wein sei schwieriger als in der Vergangenheit. Gemäss einem Insider hat das Warenhaus im Februar 2009 insgesamt 3% weniger Umsatz gemacht. Globus bestätigt diese Zahl nicht, räumt aber ein, dass die Lage in den ersten Monaten des Jahres 2009 nicht einfach ist. Deutlich schlechtere Zahlen dringen aus der neuen, 13. Globus-Filiale im Einkaufszentrum Westside bei Bern nach aussen. Dort sollen die Umsätze weniger als die Hälfte des Budgets betragen. Globus äusserst sich auch zu dieser Zahl nicht, spricht aber gegenüber der "Handelszeitung" davon, dass das Shopping Center wie jedes andere "eine Anlaufzeit" benötige. Spediteure: Freude über neue Regelung mit der EU Die Schweizer Spediteure und Exporteure stehen unter Druck. Nun sorgt eine soeben ausgearbeitete Regelung mit der EU dafür, dass nicht alles noch viel schlimmer kommt. Gemäss Recherchen der "Handelszeitung" wird am kommenden 1. Juli ein Vertrag unterzeichnet, der weiterhin unkomplizierte Warentransporte über die Grenzen ermöglicht. Hintergrund sind die neuen Sicherheitsstandards der EU. Sie verlangen schärfere Kontrollen an den Aussengrenzen, zu denen eigentlich auch die Schweiz gehört. Neu können sich Schweizer Lieferanten aber in dieses System einbinden lassen und damit verhindern, dass sie ihre Warentransporte 24 Stunden vor Abfahrt der EU melden müssen. "Ich bin sehr froh über dieses Abkommen", sagt Franz Schneider vom Branchenverband Spedlogswiss gegenüber der "Handelszeitung". Frischprodukte: Markenpotenzial im Gemüseregal Frischprodukte - besonders bei Obst und Gemüse - werden selten unter Marken verkauft. Dabei hätten Marken dort Potenzial, so zumindest lautet das Resultat einer Marktstudie, welche die "Handelszeitung" vorstellt. Nur selten werden Frischeprodukte wie Obst und Gemüse unter Markennamen verkauft. Dabei wären viele Konsumenten bereit, beispielsweise für Erdbeeren einer Premiummarke bis zu 60% mehr auszugeben als für Noname-Früchtchen. Was Chiquita bei der Banane geschafft hat, nämlich einen Bekanntheitsgrad von 98% aufzubauen, wäre demnach auch für andere Produkte möglich. Kontakt: Nähere Auskunft erteilt Ihnen gerne Herr Martin Spieler, Chefredaktor "Handelszeitung" Zürich Tel: 043 444 59 00

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