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Die WHO empfiehlt Entwicklungsländern die Einführung eines neuen Impfstoffes gegen Lungenentzündung

    Genf, Schweiz (ots/PRNewswire) -

    - Die WHO gibt dem routinemässigen Einsatz des Pneumokokkenkonjugat-Impfstoffes in den Entwicklungsländern Priorität, um Millionen von Leben retten zu können

    Die von der Weltgesundheitsbehörde WHO heute herausgegebenen neuen Leitlinien befürworten die Einführung von Pneumokokkenkonjugat-Impfstoffen in die Impfprogramme der Entwicklungsländer. Begonnen werden soll mit dem derzeit zugelassenen 7-valenten Impfstoff PCV7.

    Pneumokokken-Infektionen sind die weltweit führende, durch eine Impfung zu vermeidende Todesursache bei Kindern. Die WHO schätzt, dass ca. 1,6 Millionen Menschen, darunter bis zu eine Millionen Kinder unter fünf Jahren, jährlich an einer durch Pneumokokken verursachten Lungenentzündung, Hirnhautentzündung bzw. Blutvergiftung sterben (1). In Bevölkerungsgruppen mit hoher Kindersterblichkeit ist Lungenentzündung die führende infektiöse Todesursache und für ca. 20 % bis 25 % aller Todesfälle bei Kindern verantwortlich (2).

    In Anbetracht der schweren Belastung durch Pneumokokken-Infektionen bei Kleinkindern und der Sicherheit und Wirksamkeit des PCV7-Impfstoffes in dieser Altersgruppe betrachtet die WHO dessen Integration in die nationalen Impfprogramme als vorrangig, insbesondere in Ländern, in denen die Sterblichkeit der unter 5-Jährigen bei über 50 pro 1000 Lebendgeburten bzw. bei über 50.000 Todesfällen im Kindesalter liegt.

    "Pneumokokken-Infektionen sind jedes Jahr für bis zu einer Million Todesfälle im Kindesalter verantwortlich, ein Grossteil davon in den Entwicklungsländern", sagte Dr. Adenike Grange, Präsidentin der International Pediatric Association. "Diese Entscheidung ist ein entscheidender Schritt für die Einführung eines sicheren und wirksamen Pneumokokken-Impfstoffes in den Entwicklungsländern."

    Dr. Orin Levine, Geschäftsführer von PneumoADIP, einer nichtstaatlichen Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Zeitspanne zwischen dem Einsatz eines Impfstoffes in den Industrieländern und seiner Einführung in den Entwicklungsländern zu verkürzen, sagte dazu: "GAVIs PneumoADIP(3) begrüsst es, dass die WHO sich so stark durch entsprechende Leitlinien für den Einsatz von Pneumokokken-Impfstoffen einsetzt, um die Lungenentzündung in den Entwicklungsländern zu bekämpfen. Gemeinsam mit der Finanzierung durch die GAVI und der Vorabkaufverpflichtung für Impfstoffe (Advance Market Commitment) trägt die Stellungnahme der WHO dazu bei, dass der Pneumokokken-Impfstoff schneller als bisher zu den Kindern gelangt, die ihn am dringendsten benötigen."

    Normalerweise brauchen neue Impfstoffe fünfzehn Jahre und länger, bis sie in den Entwicklungsländern verfügbar sind. Dank dieser Empfehlung besteht die Aussicht, dass der Pneumokokken-Konjugatimpfstoff jetzt - nur acht Jahre nach seiner Einführung in den USA - in Afrika routinemässig eingesetzt werden kann.

    Eine HIV-Infektion erhöht das Risiko einer Pneumokokken-Infektion bei Kindern und Erwachsenen erheblich. Nachdem gezeigt werden konnte, dass der Pneumokokken-Konjugatimpfstoff bei HIV-infizierten Kindern sicher und wirksam ist, empfiehlt die WHO, dass Länder mit einer hohen HIV-Prävalenz, die Einführung von PCV7 vorrangig betreiben. Darüber hinaus sollten auch Bevölkerungsgruppen mit hoher Prävalenz anderer grundlegender Krankheiten, die das Risiko einer Pneumokokken-Infektion erhöhen, z.B. Sichelzellenanämie, gezielt geimpft werden.

    "HIV-infizierte Kinder haben ein 40-Mal höheres Risiko, an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken als HIV-negative Kinder und es konnte gezeigt werden, dass der Impfstoff bei diesen gefährdeten Kindern wesentlich zur Verhütung beiträgt", sagte Dr. Thomas Cherian, Koordinator des "Expanded Programme on Immunization Plus, WHO Department of Immunization, Vaccines and Biologicals".

    Die im PCV7-Impfstoff enthaltenen Serotypen decken 65 % bis 80 % der mit der invasiven Pneumokokken-Infektion einhergehenden Serotypen bei Kleinkindern in den westlichen Industrieländern ab. Trotz des Fehlens einiger wichtiger Serotypen, die Erreger von Pneumokokken-Infektionen in den Entwicklungsländern darstellen, kann der PCV7-Impfstoff in diesen Ländern wesentlich zur Verringerung der Sterblichkeit und Morbidität beitragen. Die Sicherheit und Wirksamkeit von PCV7 und anderer Formulierungen des Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs sind unter zahlreichen Bedingungen, in Industrie- und Entwicklungsländern und bei HIV-infizierten Säuglingen nachgewiesen worden.

    "Infolge dieser Empfehlung gehen wir davon aus, dass ab dem Jahre 2008 durch Pneumokokken-Impfungen in den GAVI-Ländern Leben gerettet werden können. Die GAVI-Länder kennen jetzt die Empfehlung der WHO und haben die Möglichkeit, den Impfstoff über GAVI zum Preis von 0,10 USD bis 0,30 USD pro Dosis zu erstehen", sagte Dr. Orin Levine. "In Anbetracht der Tatsache, dass Impfstoffe mit 10 bis 13 Serotypen erst ab dem Jahre 2010 weitgehend verfügbar sein werden, empfiehlt die WHO den Ländern, mit den vorhandenen Impfstoffen damit zu beginnen, die lebensrettenden Impfungen durchzuführen und erst dann darüber zu entscheiden, eventuell auf einen anderen Impfstoff umzustellen, wenn dieser auch verfügbar ist", sagte Dr. Orin Levine.

    Die WHO-Empfehlung sowie die WHO-Präqualifikation von PCV 7 schaffen die Voraussetzung für die Einführung dieses Impfstoffes mithilfe der GAVI ab 2008 in den ärmsten Ländern der Welt. Die Präqualifikation ist ein Verfahren der WHO, das die Sicherheit und Wirksamkeit aller von den UN-Agenturen gekauften Impfstoffe sicherstellt.

    Die Einführung eines jeden neuen Impfstoffes erfordert eine besonders sorgfältige Überwachung und der Pneumokokkenimpfstoff macht da keine Ausnahme. Die WHO fordert alle Länder auf, invasive Pneumokokken-Infektionen dementsprechend zu beobachten, um eine Grundlage für die Bewertung und Überwachung der Impfung zu haben, einschliesslich des Auftretens und des Ausmasses eventueller Ersatzkrankheiten ("replacement disease"). Dies ist besonders wichtig für Entwicklungsländer, die als erste den Impfstoff in ihre nationalen Programme aufnehmen und in Ländern mit hoher HIV-Prävalenz bzw. anderen Erkrankungen, die bekanntermassen das Risiko einer Pneumokokken-Infektion erhöhen.

    Pneumokokken-Infektionen betreffen Menschen jeden Alters. Das Risiko einer schweren Erkrankung ist in den ersten 24 Lebensmonaten besonders hoch. Wenn PCV7 erst einmal in die Routine-Kinderimpfprogramme integriert worden ist, kann auf individuellem und kollektivem Niveau ein maximaler Schutz erreicht werden, wenn auch zuvor nicht geimpften Kindern im Alter zwischen 12 und 24 Monaten und gefährdeten Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren eine einzelne Nachimpfung verabreicht wird.

    Andere, in der Entwicklung befindliche Pneumokokken-Impfstoffe, die zusätzliche Serotypen gegen Stämme der Krankheit enthalten, welche in den Entwicklungsländern häufig zum Tod bzw. zur Invalidität führen, befinden sich in fortgeschrittenen Testphasen und werden in den Entwicklungsländern voraussichtlich zwischen 2009 und 2011 verfügbar sein. Die Einführung des 7-valenten Impfstoffes bedeutet hingegen, dass Leben ab sofort gerettet werden können. Der von Wyeth hergestellte Impfstoff ist wirksam, gut verträglich und kann über bestehende Impfsysteme verabreicht werden. Kontrolldaten aus den USA (4) zeigen, dass der "Herdenimmunitäts"-Effekt (x) aufgrund der regelmässigen Impfung gegen Pneumokokken im Kindesalter doppelt so viele Fälle verhindert, wie die direkte Wirkung der Impfung allein und sowohl gefährdete Erwachsene als auch Kinder schützt.

    (x) "Herdenimmunität" bezeichnet hier die Resistenz einer Bevölkerung gegen die Ausbreitung eines ansteckenden Erregers aufgrund der Immunität eines hohen Bevölkerungsanteils. Die US-Studie legt nahe, dass der Herdenimmunitäts-Effekt bei der Pneumokokken-Impfung besonders stark ist.

    Quellenhinweise

    (1). World Health Organization. Pneumococcal vaccines. Wkly Epidemiol Record 2003;14:110-19

    (2). Williams BG, Gouws E, Boschi-Pinto C et al. Estimates of worldwide distribution of child deaths from acute respiratory infections. Lancet Infect Dis 2002;2:25-32

    (3). Pneumococcal Vaccines Accelerated Development and Introduction Plan  - funded through a US$30 million grant from the GAVI Alliance

    (4). Centers for Disease Control and Prevention. Direct and Indirect Effects of Routine Vaccination of Children with 7-Valent Pneumococcal Conjugate Vaccine on Incidence of Invasive Pneumococcal Disease - Unites States, 1998-2003. MMWR 2005;54:893-897.

    Redaktionelle Hinweise:

    Die Pneumokokken-Infektion wird durch das Bakterium Streptococcus pneumoniae hervorgerufen. Wenn diese Bakterien in die Lungen eindringen, verursachen sie die verbreiteste Art der bakteriellen Lungenentzündung. Die Bakterien können auch in den Blutstrom eindringen (Sepsis bzw. Blutvergiftung) und/oder in das Gewebe und die Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben (Meningitis bzw. Hirnhautentzündung).

    Der WHO zufolge sind Pneumokokken-Pneumonien und -Meningitiden jedes Jahr für 800.000 bis eine Million Todesfälle von Kindern verantwortlich, wobei über 90 Prozent der Kinder, die durch Pneumokokken-Pneumonien zu Tode kommen, in den Entwicklungsländern sterben.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Organ der Vereinten Nationen, das sich speziell mit Gesundheitsfragen befasst. Die WHO wurde am 7. April 1948 gegründet und hat sich in ihrer Verfassung die Verwirklichung des höchstmöglichen Gesundheitszustandes für alle Menschen zum Ziel gesetzt. Gesundheit wird in der Verfassung der WHO als ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert und nicht nur als die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechlichkeit.

    Ziel von PneumoADIP (Pneumococcal Vaccines Accelerated Development and Introduction Plan) ist es, die Zeitspanne zwischen dem Einsatz neuer Impfstoffe in den Industrieländern und ihrer Einführung in den Entwicklungsländern durch Verringerung der Bedarfsunsicherheit und der Bereitstellung einer erschwinglichen, nachhaltigen Impfstoffversorgung zu verkürzen. Dieser neuartige Ansatz wird von der GAVI-Allianz finanziert. PneumoADIP hat seinen Sitz an der Johns Hopkins Bloomberg School für öffentliche Gesundheit. PneumoADIP hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Überlebenschancen und die Gesundheit von Kindern weltweit durch schnelle Bewertung und Verfügbarmachung neuer, lebensrettender Pneumokokken-Impfstoffe zu verbessern.

    Für weitergehende Informationen besuchen Sie bitte die folgende Website: www.preventpneumo.org oder wenden Sie sich an:

      Hans Kvist Christina Chalé
      Director, Communications Consultant
      GAVI's PneumoADIP Ruder Finn Communications
      Mobiltelefon: +1-410-736-8243 Büro: +44(0)7-462-8938
      E-Mail: hkvist@jhsph.edu E-Mail: cchale@ruderfinn.co.uk

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Hans Kvist, Director Communications, GAVIs PneumoADIP, Mobiltelefon:
+1-410-736-8243, E-Mail: hkvist@jhsph.edu, Christina Chalé,
Consultant, Ruder Finn Communications, Büro: +44(0)7-462-8938,
E-Mail: cchale@ruderfinn.co.uk



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