Swisstransplant

Swisstransplant - Zu wenig Organe - tödliche Folgen für Patienten auf der Warteliste

Bern (ots) - Im letzten Jahr spendeten im Vergleich zum Vorjahr 13 Menschen mehr ihre Organe. Trotzdem blieb die Zahl der transplantierten Patienten im Vergleich zum Vorjahr mit rund 470 praktisch unverändert. Mit 13.6 Spendern pro Million Einwohner pro Jahr zählt die Schweiz nur gerade halb so viele Spender wie unsere Nachbarländer Frankreich, Österreich und Italien. Dieses tiefe Spenderaufkommen bleibt nicht ohne Konsequenzen: mit 73 Todesfällen von Menschen, die auf der Warteliste standen, kommt es zu einem Anstieg von beinahe 40 Prozent. Derzeit warten rund 1270 Menschen auf ein Organ, was einer Zunahme von knapp 10 Prozent innert Jahresfrist entspricht.

"Was wir befürchtet hatten, ist nun eingetroffen", sagt Franz Immer, Direktor der Nationalen Stiftung für Organspende und Transplantation Swisstransplant. Das tiefe Spenderaufkommen in der Schweiz führt vermehrt dazu, dass Menschen, die für ein Herz oder eine Leber auf der Warteliste stehen, versterben. Alleine 16 Todesfälle (eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr) verzeichnet die Herzwarteliste, 33 Todesfälle (+50 Prozent) entfallen 2013 auf Menschen, die auf eine Leber gewartet haben. Weitere Todesfälle aufgrund des Organmangels sind die Regel, da die Menschen wegen der langen Wartezeit zu krank geworden sind, um transplantiert werden zu können. Sie werden in der Folge von der Warteliste entfernt. "Man kann davon ausgehen, dass heute in der Schweiz jeder dritte Tag ein Mensch aufgrund des Organmangels stirbt, was alarmierend ist", so Franz Immer. Eine Zahl, die noch wesentlich höher wäre, hätten nicht im Rahmen enger Zusammenarbeit mit ausländischen Partnerorganisationen Organe importiert werden können. Insbesondere Frankreich ermöglichte zumeist dringlichen Schweizer Patienten im letzten Jahr mit 5 Herzen und 17 Lebern das Überleben.

Handlungsbedarf erkannt

Die Stiftung Swisstransplant und ihr Nationaler Ausschuss für Organspende (CNDO) sind durch die Gesundheitsdirektorenkonferenz beauftragt, das Know-how in den Spitälern dahingehend aufzubauen, dass potentielle Spender erkannt und der nationalen Zuteilungsstelle gemeldet werden können. Den Kantonen obliegt es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die notwendigen Massnahmen überhaupt realisiert werden können. Dies bedeutet konkret, dass genügend Ressourcen personeller, finanzieller und infrastruktureller Natur bereitgestellt werden, um den ganzen Prozess von der Erkennung des Spenders bis hin zur Zuteilung gewährleisten zu können. Bis zum heutigen Tag fehlen diese Voraussetzungen grossmehrheitlich und die Erkennung und Meldung von Spendern basiert auf dem Einsatz von Ärzten und Pflegefachleuten, die bereit sind, sich dieser Thematik anzunehmen.

Der Bundesrat hat im Frühling 2013 den Aktionsplan "Mehr Organe für Transplantationen" lanciert und die Schwerpunkte zur Verbesserung der aktuellen Situation festgelegt. Ziel des Aktionsplans ist es, die Spenderate Verstorbener von derzeit 12 auf 20 Spender pro Million Einwohner zu erhöhen, was in etwa dem europäischen Mittelwert entspricht. So sollen in den nächsten Jahren, in enger Zusammenarbeit mit dem Nationalen Ausschuss für Organspende (CNDO) von Swisstransplant, Bund und Kantonen, Teilprojekte in den Bereichen Ausbildung auf Stufe Fachpersonal, Prozessoptimierung und Qualitätsmanagement, Strukturen und Ressourcen im Spital sowie in der Bevölkerungsinformation verbindlich realisiert werden. Flankierend werden zahlreiche politische Vorstösse diskutiert, um Spenderzahlen zu erreichen, welche sich im europäischen Mittel bewegen. Bei offener und transparenter Information ist die Schweizer Bevölkerung über die Sprachgrenze hinweg nämlich genau so spendebereit wie die Bevölkerung im benachbarten Ausland.

Swisstransplant - Nationale Stiftung für Organspende und Transplantation

Swisstransplant ist im Auftrag des Bundes als Nationale Stiftung für Organspende und Transplantation für die gesetzeskonforme Zuteilung der Organe an die Empfänger zuständig. Sie organisiert auf nationaler Ebene alle mit der Organzuteilung zusammenhängenden Tätigkeiten und arbeitet mit den ausländischen Zuteilungsorganisationen zusammen. Zudem führt Swisstransplant die Warteliste der Organempfänger. Weiterführende Informationen unter www.swisstransplant.org .

Kontakt:

PD Dr. Franz Immer/Dominique Trachsel
Tel: 031 380 81 30



Weitere Meldungen: Swisstransplant

Das könnte Sie auch interessieren: