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180 Milliarden US-Dollar Investitionslücke im chinesischen Energiemarkt bis zum Jahr 2020
Hoher Kohleanteil bedroht die Klimaschutzziele

    Zürich (ots) - Durch die massiv steigende Nachfrage nach Energie seitens der Unternehmen und Privatpersonen in China müssen die bisherigen Schätzungen für notwendige Investitionen in dortige Stromerzeugungskapazitäten deutlich nach oben korrigiert werden. Zusätzlich zur bisher für das Jahr 2020 von offizieller Seite geplanten Kraftwerkskapazität in Höhe von 950 Gigawatt werden weitere 280 Gigawatt benötigt. Die erforderlichen Investitionen belaufen sich auf 590 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2020, davon allein 180 Milliarden US-Dollar für die zusätzlich prognostizierte Kapazität. Dies ist ein zentrales Ergebnis des Reports "China Electricity Market 2006", den Capgemini gemeinsam mit Electricité de France (EDF) und dem China Electricity Council erstellt hat. Die Untersuchung beruht auf einer Befragung von über 140 Führungskräften aus dem chinesischen Energieumfeld sowie rund 50 persönlich geführten Interviews mit Industrieexperten und ausländischen Investoren im zweiten Halbjahr 2005.

    "Die in China jährlich neu benötigte Kraftwerkskapazität von 48 Gigawatt entspricht in etwa 40 Prozent der gesamten deutschen Erzeugungskapazität. Aber sogar mit diesen Zuwachsraten wird in China im Jahr 2020 pro Kopf nur in etwa soviel Energie zur Verfügung stehen wie in den USA in den 1950'er Jahren", erläutert Bernd Wöllner, Leiter Energy & Utilities bei Capgemini Zentraleuropa. Die Berechnungen berücksichtigen, dass der Einfluss des Bruttosozialproduktwachstums auf den Energieverbrauch zwischen 2012 und 2020 leicht höher ausfallen wird als bislang angenommen. Vor allem der steigende Lebensstandard und hohe Investitionen in der Schwerindustrie sind hierbei berücksichtigt.

    Kohleanteil an der Stromerzeugung bleibt höher als geplant

    Die von der chinesischen Regierung geplante Umstellung auf eine breitere Basis an kohlenstofffreien Energieträgern erscheint unrealistisch. Der Anteil von Kohle am Gesamtmix der Energieerzeugung soll nach den veröffentlichten Plänen von heute 73 Prozent auf 68 Prozent im Jahr 2010 und dann weiter auf 60 Prozent im Jahr 2020 gesenkt werden. Die vorgelegte Studie geht hingegen davon aus, dass kohlebefeuerte Kraftwerke im Jahr immer noch 71 Prozent des Stroms produzieren und im Jahr 2020 65 Prozent. Damit dürften die Anforderungen des chinesischen Gesetzes zu erneuerbaren Energien aus dem Jahr 2005 nur schwer umsetzbar sein. "Kernenergie, Wasserkraft und Gas können zukünftig interessante Optionen im Energiemix werden, auch wenn es für China schwer wird, die Abhängigkeit von der Kohle zu reduzieren", so Wöllner weiter. Bis zum Jahr 2020 sind allein über 25 neue Kernkraftwerke mit einem Investitionsvolumen von 49 Milliarden US-Dollar geplant, um den Anteil der Kernenergie an der Gesamtkapazität auf 40 Gigawatt zu erhöhen.

    Chancen für ausländische Investoren

    Die Notwendigkeit, grössere Kraftwerkskapazitäten aufzubauen, stellt eine Chance für ausländische Investoren im chinesischen Energiemarkt dar. In den letzten Jahren haben die Investitionen aus dem Ausland aufgrund beschränkter Profitabilität durch steigende Kohlepreise und regulierter Abgabepreise deutlich abgenommen.

    "In naher Zukunft könnte es aber zu einer neuen Generation von ausländischen Investitionen kommen, die verstärkt Management Know-how mit neuester Technologie verbinden", so Bernd Wöllner. Ausländische Unternehmen, die bereit sind Verträge zum Technologietransfer einzugehen, können vom starken Wachstum des chinesischen Marktes profitieren. Die grossen chinesischen Stromerzeuger, die auf nationaler bzw. regionaler Ebene von staatlichen Behörden kontrolliert werden, suchen verstärkt nach strategischen Partnern aus dem Ausland. Dadurch erhoffen sie sich Unterstützung bei der Neuausrichtung ihrer Unternehmensorganisation, eine Stärkung ihrer Position im internationalen Wettbewerb und den Zugang zu neuen Technologien.

    Der Report sieht besondere Chancen für vier Typen von Investoren:

    - Internationale Hersteller von Wind- und Kernenergieanlagen sowie
        emmissionsreduzierten Kohlekraftwerken

    - Globale Energiekonzerne mit der Fähigkeit, die Versorgung von
        Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen (z.B. Gas) langfristig zu
        sichern

    - Internationale Investoren, die zu Fusionen und
        Unternehmenskäufen mit Blick auf die Restrukturierung von
        staatseigenen Betrieben und die Umstellung auf moderne
        Technologien bereit sind

    - Internationale Beratungsdienstleister für Kundenmanagement,
        Softwarelösungen und Energieeffizienz

    "Es muss noch einiges getan werden, bevor der chinesische Energiemarkt effektiv arbeitet und optimale Voraussetzungen für ausländische Investitionen bietet. Dazu gehört die weitere Deregulierung. Ebenso könnten Zusammenschlüsse von nationalen und regionalen Energieerzeugern im fragmentierten chinesischen Markt die erforderliche kritische Masse für neue Investitionen und Technologieinnovationen herbeiführen", schlussfolgert Wöllner.

    Die Zusammenfassung der Studienergebnisse im Internet unter:     http://www.ch.capgemini.com/presse

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