Emil Steinberger: "Man lacht nicht über 'den Schweizer', sondern über Gemeinsamkeiten"
Zürich (ots) - Im Interview mit dem Magazin Reader's Digest kritisiert der Kabarettist die Casting-Shows im Fernsehen und spricht darüber, warum er noch immer gerne auf der Bühne steht
Kaum jemand hat das Bild des Schweizers im Ausland so geprägt wie Emil Steinberger. Im Interview mit dem Magazin Reader's Digest (April-Ausgabe) gewährt der 78-jährige Kabarettist jetzt ungewöhnliche Einblicke in sein erfolgreiches Leben auf der Bühne und räumt dabei mit manchen Vorurteilen auf: "Man lacht nicht über 'den Schweizer'. Man lacht über die Gemeinsamkeiten", sagt er zur Wirkung seiner Sketche und ist sich zugleich sicher: "Komik funktioniert nur auf zwischenmenschlicher Ebene, wenn man persönlich mitfühlen kann."
Seit Jahrzehnten gehört Emil Steinberger zu den erfolgreichsten Vertretern der europäischen Kabarettszene. Seine Parodien auf besonders korrekte Beamte oder Japaner am Matterhorn sind weltberühmt geworden. Anfang der 90er Jahre wollte er dem Ruhm entfliehen und zog in die USA: "Ich war nicht traurig, weil ich noch anderes machen wollte. Ich ahnte ja nicht, dass dieser Humor so nachhaltig ist." In New York lernte er Niccel Steinberger kennen, die er 1999 in zweiter Ehe heiratete. Nach der gemeinsamen Rückkehr in die Schweiz gründeten sie 2001 den Verlag "Edition E".
Viele Fans scheinen sein Bühnen-Comeback aber noch gar nicht bemerkt zu haben, stellt Steinberger im Gespräch mit dem Magazin Reader's Digest fest: "Als ob ich wirklich nichts mehr tun würde, werde ich oft gefragt: Machen Sie mal wieder was?" Trotz seines ungebrochenen Erfolges beklagt er einen Verfall der Sitten: "Künstler dürfen die Aufmerksamkeit, die ihnen die Medien früher schenkten, heute nicht mehr erwarten. Seinerzeit schickte man für eine Rezension Fachleute ins Theater, heute einen Studenten. Das kann schon wehtun."
Besonders kritisch steht Steinberger den Auswüchsen beim Fernsehen gegenüber. Neulich habe er sich eine Casting-Show angeschaut und sei entsetzt gewesen, sagt Steinberger in dem Interview mit dem Magazin Reader's Digest: "Wenn ich bedenke, was man da auf die Bühne stellt, um sie von einer Jury bewerten zu lassen, und wertvolle Sendezeit verschenkt, möchte ich den Verantwortlichen zurufen: Holt euch doch richtige Künstler! Wie viele grossartige Künstler spielen in kleinen Theatern und kommen nie gross raus."
Am Dienstag, 5. April, tritt Emil Steinberger in Dübendorf auf (Cinema Orion, Beginn 20:00 Uhr). Seine Vorstellungen in Basel vom 29. März bis 4. April sind bereits ausverkauft.
Für weitere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die April-Ausgabe von Reader's Digest Schweiz ist ab 31. März an zentralen Kiosken erhältlich.
Interview aus der April-Ausgabe zum Download: http://www.readersdigest.ch Auf "Unternehmen" und dann auf "Service für Journalisten" klicken (Rubrik Magazin Reader's Digest)
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