DKKV-Geschäftsstelle

Lernen aus der Hochwasserkatastrophe im August 2002

    Bonn (ots) - Die Wassermassen, die sich im August des letzten Jahres über Flussbetten und Deiche hinweg über die Auenbereiche der Elbe und ihrer Nebenflüsse ergossen, waren unerwartet und haben aufgerüttelt. Jetzt ist es notwendig dieses katastrophale Ereignis für einen Umdenkprozess zu nutzen. Denn seit Jahrhunderten ist es bekannt: Auen sind die Überschwemmungsbereiche der Flüsse!

    "Das Deutsche Komitee für Katastrophenvorsorge (DKKV), sieht sich in der Verantwortung, die Katastrophenvorsorge im Bewusstsein und Handeln von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Bevölkerung zu verankern", so Dr. Irmgard Schwaetzer, Bundesministerin a.D. und Vorsitzende des DKKV. Aus diesem Grunde hat das DKKV, einen interdisziplinären "Lessons Learned"-Prozess angestossen, um aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres Leitbilder für die Zukunft zu entwickeln. Die Studie soll Strategien für einen vorsorgenden Hochwasserschutz sowie für verbesserte Frühwarnung und Katastrophenbewältigung in Deutschland aufzeigen.

    Dabei geht es vor allem darum sich mit der Gefahr auseinander zu setzen, um menschliche, kulturelle, ökonomische und ökologische Verluste abzuwenden bzw. zu mindern. "Es geht uns nicht darum, Schuldzuweisungen auszusprechen oder Einzelne an den Pranger zu stellen. Um solche Katastrophen wie die Elbeflut in Zukunft besser bewältigen zu können, müssen strukturelle Defizite und mangelnde Abstimmung im Katastrophenschutz aufgedeckt werden", so Dr. Willi Streitz von der Katastrophenforschungsstelle der Universität Kiel.

    "Es gibt vielfältige Möglichkeiten Überschwemmungskatastrophen und deren Auswirkungen zu mindern, allerdings nur, wenn wir uns der Gefahr bewusst sind. Die Menschen in gefährdeten Gebieten müssen über die Gefahrenlage informiert sein, entsprechende Bau- und Nutzungsvorsorge betreiben, im Notfall gewarnt werden und dann wissen, was zu tun ist", erläutert Dr. Bruno Merz, Leiter der Sektion Ingenieurhydrologie am GeoForschungsZentrum Potsdam. Hochwasserbewusstsein prägt sich vor allem durch eigene Erfahrung ein. Fehlt diese, muss durch Informationsveranstaltungen, Gefahrenkarten oder Hochwassermarken auf Risiken hingewiesen werden.

    "Wir müssen damit leben, dass Bemessungsannahmen in Extremfällen übertroffen werden und Deiche auch versagen können. Daher müssen wir uns mit dem Restrisiko vertraut machen, d.h. Schadenszenarien durchspielen und das Ereignis vorweg nehmen. Bisher mangelt es in Deutschland an systematischen, vergleichbaren Informationen. Umfassende Gefahren- und Risikoanalysen müssen durchgeführt werden und die Ergebnisse in bundesweiten Karten zusammengestellt und veröffentlicht werden", empfiehlt Merz.

    "Nur eine landesübergreifende, integrative und interdisziplinare Wasser- und Landressourcenbewirtschaftung im Flussgebietsmassstab kann die Herausforderungen der Zukunft bewältigen", meint Prof. Dr. Uwe Grünewald vom Lehrstuhl für Hydrologie und Wasserwirtschaft der BTU Cottbus.

    Die Ergebnisse der Lessons Learned-Studie werden auf dem
Gefahrentag 2003 am 26. November 2003 in München präsentiert.
  
ots Originaltext: DKKV
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