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VSG: Bedeutung von Erdgas für die Stromproduktion erkannt - entsprechende Rahmenbedingungen fehlen

Zürich (ots) - Der Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) nimmt erfreut zur Kenntnis, dass der Bund bei der Energiestrategie 2050 nachgebessert hat und insbesondere die Bedeutung der Gasnetze erkannt hat. Der Bundesrat hat die Bedeutung von Erdgas für die Stromproduktion bestärkt. Es bleibt aber weiterer Handlungsbedarf, insbesondere im Bereich der Wärmekraftkopplung.

"Wir stellen befriedigt fest, dass der Bund die Bedeutung der Gasnetze endlich erkannt hat", sagt VSG-Präsident Hajo Leutenegger in einer ersten Reaktion. Im Vernehmlassungsentwurf waren sie noch komplett vergessen gegangen. Inzwischen hat der Bund das Thema aufgenommen und anerkennt, dass die Gasnetze eine zentrale Rolle bei der Lösung der Speicherproblematik übernehmen können, die sich aus dem Umbau des Energiesystems hin zur verstärkten Nutzung von Sonne und Wind ergeben. Eine Hochdruckleitung kann zehnmal mehr Energie mit weniger Verlusten transportieren als eine Hochspannungsleitung. Und das rund 18'500 Kilometer lange Gasnetz kann im Unterschied zum Stromnetz auch Energie speichern. Schon heute gibt es breit erprobte Technologien, die es ermöglichen, zum falschen Zeitpunkt anfallenden Wind- und Solarstrom in erneuerbares Gas umzuwandeln und via Erdgas-Netz zu nutzen. In Fachkreisen ist von Power to Gas die Rede.

Gasnetz als Speicher von überschüssigem Strom

Die Schweizer Gaswirtschaft geht dabei als Pionierin voran. Vor einer Woche wurde im norddeutschen Falkenhagen zusammen mit dem deutschen Energiekonzern E.ON eine erste entsprechende Pilotanlage in Betrieb genommen. Dabei wird überschüssige Windenergie in Wasserstoff umgewandelt und im Erdgas-Netz gespeichert. So kann sie für Wärme, Prozessenergie in der Industrie, Mobilität oder auch für die Erzeugung von Strom genutzt werden. Bundesbern war bei der Eröffnung ebenfalls prominent vertreten. Die Förderung erneuerbarer Gase in der Schweizer Gaswirtschaft hat Tradition. Sie hat bereits beim Biogas mit der ersten Einspeisung 1997 und der Schaffung eines Förderfonds bedeutende Anstrengungen in diese Richtung unternommen.

Weitere Schwachstellen bereinigen

Gleichzeitig besteht hinsichtlich verschiedener Fragen noch Verbesserungs- und Klärungsbedarf. Die Botschaft des Bundesrates anerkennt die Bedeutung der Wärmekraftkopplung. Durch die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme mit Erdgas können Nutzungsgrade von über 90 Prozent erreicht werden, was mit Grosskraftwerken nicht möglich ist. Das wäre aber vor allem deshalb zentral, weil WKK-Anlagen insbesondere in den Wintermonaten notwendig sein werden. Dementsprechend sind Ansätze für bessere Rahmenbedingungen enthalten. Die Frage, inwieweit die vorgeschlagenen Massnahmen praktikabel sind, muss vertieft geprüft werden. Das Prinzip der Vergütung nach dem Marktpreis im Zeitpunkt der Einspeisung würde übermässigen Aufwand zur Folge haben. Der Anwendungsbereich der Teilbefreiung von der CO2-Abgabe sollte zudem breiter sein.

Aus Sicht der Gaswirtschaft wird nach wie vor zu wenig nach Energieträgern differenziert: So werden Öl und Gas in einen Topf geworfen. Durch die fast ausschliessliche Fokussierung auf erneuerbare Energien im Bereich neuer Gebäude wird verkannt, dass sich mit dem Ersatz einer Öl- durch eine Gasheizung 25 Prozent CO2 einsparen lassen.

Es ist leicht absehbar, dass noch mindestens für eine Heizungsgeneration zu wenig erneuerbare Elektrizität zur Verfügung steht. Deshalb wären zusätzliche elektrische Wärmepumpen im Winterhalbjahr gänzlich mit Importstrom zu versorgen. Dies ist auch klimapolitisch fragwürdig, da dieser zusätzliche Importstrom vornehmlich aus Kohlekraftwerken stammt.

Kontakt:

Daniela Decurtins, Direktorin VSG
Tel.: 044 288 31 31
Mail: decurtins@erdgas.ch


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