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Konstruktionsfehler in der Energiestrategie 2050

Zürich (ots) - Die Energiestrategie 2050 des Bundes hat gravierende Konstruktionsfehler. Die Rolle, die Erdgas und Biogas und ihr Netz in der Energiezukunft übernehmen können, wird dabei verkannt. Die Schweizer Erdgas-Wirtschaft sieht für die Energiestrategie 2050 erheblichen Nachbesserungsbedarf.

"Erdgas und Biogas sind Teil der Lösung und nicht des Problems", so Hajo Leutenegger, Präsident des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG), zur Energiestrategie 2050 des Bundes. Der Branchenverband der Erdgas-Transport- und Versorgungsunternehmen in der Schweiz bemängelt in seiner Stellungnahme zur Vernehmlassung verschiedene Punkte, welche insbesondere die wesentlichen Bereiche Gebäude, Stromproduktion, Verkehr und Industrie betreffen.

Erdgas-Leitungen als Stromspeicher

Völlig ausgeblendet wird in der Strategie der Nutzen des bestehenden, rund 18'500 km langen Erdgas-Netzes. Eine Hochdruckleitung im Boden kann zehnmal mehr Energie mit weniger Verlusten transportieren als eine Hochspannungsleitung. Im Gegensatz zum Stromnetz kann sie auch Energie speichern. Schon heute werden Technologien entwickelt, die es ermöglichen, zum falschen Zeitpunkt anfallenden Wind- und Solarstrom in erneuerbares Gas umzuwandeln und via Erdgas-Netz zu nutzen (Power to Gas).

Klare Differenzierung notwendig

Die Strategie wirft alle fossilen Energien in den gleichen Topf, statt nach Umwelt-Aspekten zu differenzieren. Bereits heute ist es die klimapolitisch wirksamste Massnahme, Heizöl durch Erdgas zu ersetzen. Dies reduziert die CO2-Emissionen um 25 Prozent. Die Vision, Gebäude künftig nur noch mit Elektrowärmepumpen statt Heizöl und Erdgas zu heizen, hätte eine Zunahme des Stromverbrauchs ausgerechnet in den sonst schon stark belasteten Wintermonaten zur Folge. Ein grosser Teil des Importstroms stammt heute aus Kohlekraftwerken. Die Vorstellung, dass sich die Mehrheit der Gebäude künftig selber mit Wärmeenergie versorgen und zur Stromversorgung beitragen, ist illusorisch.

Stromproduktion mit WKK am effizientesten

Sehr sinnvoll und effizient ist die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme mit Erdgas durch lokale Wärmekraftkopplung (WKK). Dadurch können Nutzungsgrade von über 90% erreicht werden, was mit Grosskraftwerken nicht möglich ist. Die Vorlage des Bundes schafft nicht für alle Anlagen gleich lange Spiesse. Sie berücksichtigt zu wenig, dass WKK-Anlagen insbesondere in den stromintensiven Wintermonaten notwendig sein werden. Ohne WKK wird die Schweiz noch mehr einseitig abhängig von Stromimporten, was die Stromnetze noch zusätzlich belastet.

Biogas wird immer wichtiger

Nicht anerkannt werden auch die Anstrengungen der Branche, die Produktion von Biogas und dessen Einspeisung ins Erdgas-Netz markant zu steigern. Schon heute fahren Erdgas-Autos mit einem Biogas-Anteil von rund 20%, zudem wird auch immer mehr erneuerbares, klimaschonendes Biogas für Heizzwecke eingesetzt.

Industriestandort nicht gefährden

Das Zurückdrängen von Erdgas im Gebäudebereich würde auch dazu führen, dass die Zahl der Nutzer abnehmen und die Kosten für die verbleibenden stark ansteigen würden. Industrielle Grossverbraucher von Erdgas wären mit wirtschaftlich untragbaren Erhöhungen der Netzkosten konfrontiert, was sich negativ auf den Wirtschaftsstandort Schweiz auswirken würde. Wirtschaftlich fragwürdig ist der Aufbau von Fernwärme-Netzen in bereits mit Erdgas und Biogas versorgten Gebieten.

Erdgas mehrheitlich aus Westeuropa

Das in der Schweiz genutzte Erdgas stammt zu rund zwei Dritteln aus Fördergebieten in der EU und Norwegen. Eine Abhängigkeit von Russland, wie dies die Energiestrategie als geopolitisches Risiko vorgibt, ist schon heute durch die geografisch breit diversifizierte Herkunft nicht gegeben. Der bislang kontinentale, leitungsgebundene Erdgas-Markt wird durch die Möglichkeit des Transports von verflüssigtem Erdgas (LNG) zudem immer globaler.

Download Vernehmlassung VSG:

www.erdgas.ch/medienstelle/medienmitteilungen/2013/31012013

Kontakt:

Daniel Bächtold
Mediensprecher VSG
Tel.: +41/44/288'32'62
E-Mail: baechtold@erdgas.ch



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