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Schweizerischer Gewerkschaftsbund SGB

SGB-Frauenkongress gegen das Zeitdilemma: Familienarbeit und Erwerbsarbeit mehr vereinen

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Bern (ots)

- Hinweis: Hintergrundinformationen können kostenlos im pdf-Format
     unter http://presseportal.ch/de/pm/100003695 heruntergeladen 
     werden -
Schwerpunktthemen des SGB-Frauenkongresses vom 20. und 21.11.09 
waren die Vereinbarkeit von Familienarbeit und Berufsarbeit sowie die
Auswirkungen der Krise auf die Frauen. Die Delegierten 
verabschiedeten einstimmig ein Sechspunktemanifest mit dem Titel 
"Vereinbarkeit jetzt! Erwerbsarbeit - Familienarbeit: Schluss mit dem
Zeitdilemma!" sowie Forderungen gegen die Auswirkungen der Krise. Die
wichtigsten Punkte:
-	Gesellschaftlich notwendige, unbezahlte Arbeit soll in GAV, 
Personalreglementen und im Arbeits- und Sozialversicherungsrecht 
vermehrt anerkannt werden.
-	Wer Kinder betreut und/oder Angehörige pflegt, soll mehr Rechte auf
Kurzabsenzen und Urlaube erhalten. Gleichzeitig ist die 
professionelle Kinderbetreuung und die professionelle Pflege zu 
erweitern, die Arbeitsbedingungen des Personals sind zu verbessern.
-	Eine generelle Arbeitszeitverkürzung als krisen- und 
gleichstellungspolitische Massnahme ist zwingend, begleitet von 
Massnahmen zur Umverteilung der unbezahlten Familien- und Sorgearbeit
zwischen Frauen und Männern.
-	Gleichstellungspolitische Forderungen sind kein 
Schönwetterprogramm, sondern müssen prioritär behandelt werden. Dazu 
gehören insbesondere die Realisierung der Lohngleichheit sowie 
Investitionen von einem Prozent des Bruttoinlandproduktes in die 
Kinderbetreuung.
-	Die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienarbeit braucht nicht neue
flexible Arbeitszeitmodelle, sondern familienverträgliche und 
planbare Arbeitszeiten. Statt Shoppen rund um die Uhr sind 
verbindliche Ladenschlusszeiten notwendig. Teilzeitarbeit, flexible 
und prekäre Arbeitsverhältnisse mit all ihren Facetten müssen 
reguliert und von den Gewerkschaften mit Priorität angegangen werden.
-	Der Rückschritt in der Lohngleichheit ist skandalös und 
inakzeptabel. Der SGB Frauenkongress fordert die Arbeitgeber auf, die
Löhne in ihren Unternehmen  sozialpartnerschaftlich im Rahmen des 
Lohngleichheitsdialogs unverzüglich zu überprüfen und anzupassen. 
Falls die Arbeitgeber nicht unverzüglich handeln, muss die Politik 
weitere und verbindliche Massnahmen ergreifen, um das Recht der 
Frauen auf gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit durchzusetzen.
Die SGB-Frauen reagieren mit diesen Forderungen zum einen auf die 
nach wie vor sehr ungleich zwischen den Geschlechtern verteilte 
unbezahlte Haus- und Betreuungsarbeit, zum andern auf den infolge der
Krise verschärften Druck auf unsichere Arbeitsverhältnisse, in denen 
vor allem Frauen arbeiten. Im ersten Bereich geht es neben der 
Kinderbetreuung auch um die wachsende  Zahl der Pflegebedürftigen, 
die von Angehörigen, meist von berufstätigen Frauen, gepflegt werden.
Die Bedingungen am Arbeitsplatz nehmen darauf keine Rücksicht. Die 
meisten Frauen arbeiten denn auch Teilzeit mit entsprechenden Folgen 
für ihre Finanzen und ihre Altersvorsorge.
Für den zweiten Bereich stellten die Delegierten fest, dass die 
Krise entgegen den ersten Einschätzungen nicht prioritär männliche 
Industriearbeiter sondern die Frauen trifft. Die Arbeitslosenquote 
der Frauen übersteigt heute die der Männer (4.1% gegen 3.9%, Oktober 
2009). Zudem werden die von der öffentlichen Hand bereits 
angekündigten Sparprogramme die Frauen empfindlich treffen. So ist 
etwa die Weiterführung des Impulsprogrammes des Bundes zur Förderung 
der familienergänzenden Kinderbetreuung gefährdet.
Während die Lohnstrukturerhebung 2006 noch ergeben hat, dass die 
Frauen durchschnittlich 18,9 Prozent weniger verdienten als die 
Männer, zeigen die neusten Zahlen eine Differenz von 19,3 Prozent. 
Dies ist ein klarer Rückschritt im Abbau der Lohnungleichheit 
zwischen Frauen und Männern und ein Verstoss gegen die Verfassung und
gegen das Gleichstellungsgesetz. Die Arbeitgeber müssen jetzt 
handeln!
Der SGB-Frauenkongress findet alle 4 Jahre statt. Teilgenommen 
haben an die 230 Delegierte und Gäste. SGB-Frauenkommission und 
Frauenkongress beraten die SGB-Gremien in der Gleichstellungspolitik.

Kontakt:

Christine Michel, Co-Präsidentin SGB-Frauenkommission, 079 725 14 20

Michela Bovolenta, SGB-Frauenkommission, 079 647 72 83 (französisch)

Christina Werder, Zentralsekretärin SGB, 079 341 90 01

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