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comparis.ch zur Annahme einer Motion für tiefere Handygebühren im Ausland - Roaming-Tarife: ein erster Schritt

Zürich (ots) - Mit deutlicher Mehrheit hat sich heute der Nationalrat für tiefere Handygebühren im Ausland ausgesprochen. Aus Konsumentensicht ist dies zu begrüssen. Seit Jahren müssen die Schweizer Handykunden viel zu hohe Roaming-Tarife berappen. Anpassungen, wie sie heute die Swisscom angekündigt hat, können höchstens als Trostpflaster betrachtet werden.

Der Nationalrat hat heute eine Motion gutgeheissen, die ein Ende der überrissenen Handygebühren im Ausland fordert. «Aus Sicht der Konsumenten ist dieser Entscheid sehr zu begrüssen - besonders, weil der Entscheid mit einer überwältigenden Mehrheit von 181 zu 5 Stimmen gefällt wurde», sagt Ralf Beyeler, Telecom-Experte des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch. Gemäss der Motion soll der Bundesrat damit beauftragt werden, für Telefon und Internet im Ausland Höchsttarife festzulegen, die für sämtliche Mobilfunkbetreiber verbindlich sind. Die Motion geht noch in den Ständerat.

Mobilfunkanbieter betreiben Pflästerlipolitik

Seit Jahren passen die Schweizer Netzbetreiber ihre Roaming-Gebühren nur geringfügig dem veränderten Umfeld an. Werden die Preise gesenkt, betreiben die Telecom-Anbieter damit allerhöchstens eine Pflästerlipolitik, um die Kunden kurzfristig zu besänftigen und langfristig bei Stange zu halten. Dabei ist der Druck seitens der Konsumenten und der Politik stetig gewachsen. Heute Morgen - kurz vor der Abstimmung im Nationalrat - hat Swisscom angekündigt, die Gebühren für Handygespräche im europäischen Ausland in den nächsten Jahren kontinuierlich zu senken. «Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung - doch ist dieser Schritt noch immer viel zu klein», sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler. Denn im Verhältnis zum effektiven Aufwand, der für die Netzbetreiber entsteht, sind die Preise weiterhin viel zu hoch.

Der Swisscom ist zu Gute zu halten, als Erste diese Preissenkungen vorzunehmen. Beim Standardtarif, den die meisten Kunden benutzen, verrechnet die Swisscom massiv tiefere Roaming-Gebühren als ihre Konkurrenten - und dies bereits seit Jahren. Orange und Sunrise haben dagegen ihre Standardtarife seit langem nicht angepasst. Berücksichtigt man die Optionen, welche die Kunden zusätzlich abschliessen können, schneiden - je nach Nutzungsverhalten - Swisscom oder Orange am günstigsten ab; Sunrise verrechnet hier die teuersten Tarife.(1)

Weit über den EU-Vorgaben

Auch im Vergleich zu den Anbietern der EU-Länder sind die Roaming-Tarife von Swisscom unter dem Strich weiterhin zu teuer. Auf den 1. Juli 2014 zum Beispiel kündigt Swisscom für den Standardtarif eine Gebühr von 65 Rappen pro Minute an. Die EU jedoch schreibt auf diesen Zeitpunkt hin maximale Roaming-Gebühren von bloss 24 Cent (exkl. MwSt.) vor; das sind derzeit umgerechnet knapp 35 Rappen inkl. MwSt.

Die Preissenkungen für die Datenübertragung im Ausland hat Swisscom noch nicht quantifiziert. «Doch auch hier dürfte Swisscom kaum so weit gehen, wie es Konkurrenten in den EU-Ländern schaffen», erwartet Ralf Beyeler von comparis.ch. Der deutsche Provider E-Plus zum Beispiel hat ein Wochenpaket von 50 MB für lediglich 4.99 Euro im Angebot. Wer mit Swisscom im Ausland während einer Woche jeden Tag surft und dabei insgesamt 50 MB Daten überträgt, bezahlt dafür mit Option 49 Franken plus 9 Franken Grundgebühr.

(1)Siehe auch Comparis-Medienmitteilung vom 14. Juni 2011, «Die Telecom-Anbieter halten die Roaming-Tarife oben», http://bit.ly/jyKUvQ

Kontakt:

Ralf Beyeler
Telecom-Experte
Telefon: 044 360 52 77
Handy: 079 467 07 81
E-Mail: ralf.beyeler@comparis.ch
www.comparis.ch/telekommunikation



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