Schweizerischer Nationalfonds / Fonds national suisse

SNF: Schweizer Demonstrierende haben grosses Vertrauen in demokratische Prozesse
Haltung und Motive Demonstrierender im europäischen Vergleich

Bern (ots) - Schweizer Demonstrierende zeichnen sich im europäischen Vergleich vor allem durch ihre Staatstreue aus - sie haben ein grosses Vertrauen in die politischen Institutionen und die demokratischen Prozesse. Zu diesem Schluss kommt eine durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Studie.

In der Schweiz wird anders demonstriert als im Ausland. Die Eigenheiten des Schweizer Politsystems finden ihren Niederschlag in den Motiven der Teilnehmenden. Ein Forschungsnetzwerk hat Demonstrierende in Belgien, England, Holland, Spanien, Schweden und der Schweiz vergleichend nach ihren Antrieben und ihrer Haltung gegenüber politischen Institutionen befragt. Die Forschenden in der Schweiz, Marco Giugni und Nina Eggert von der Universität Genf, wählten fünf unterschiedliche Grossdemonstrationen aus, die zwischen 2010 und 2012 stattfanden: Weltmarsch der Frauen in Bern, 1.-Mai-Demo in Zürich, eine Antiatom-Demo in Beznau sowie die Pride-Veranstaltung für die Rechte Homosexueller und eine Frauendemo in Genf. Bei einer Antiglobalisierungsdemo wurden die Forscher von der Polizei an der Arbeit gehindert; dieser Datensatz fehlt nun.

Mehrheitlich gebildete und ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer Die Schweizer Demonstrierenden weisen ein ähnliches Altersspektrum auf wie die Demonstrierenden im Ausland: Rund die Hälfte ist 40 bis 64 Jahre alt, gut ein Drittel 20 bis 39-jährig. Beim Bildungsstand zeigen sich kleine Unterschiede: In der Schweiz ist der Anteil Demonstrierender mit tiefer Bildung kleiner als in anderen Ländern (3,8 Prozent verglichen mit fast 10 Prozent in Belgien, Spanien und Holland). Der hohe Anteil Demonstrierender mit Hochschulbildung (61,4 Prozent) ist vergleichbar mit den meisten anderen Ländern.

Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der politischen Haltung der Demonstrierenden, insbesondere beim Vertrauen in die politischen Institutionen. Hier schwingt die Schweiz im Ländervergleich - zusammen mit Schweden - oben aus: Die Schweizer Demonstrierenden haben deutlich mehr Vertrauen in die Regierung, aber auch in das Parlament und das Justizsystem als die Demonstrierenden im Ausland. Auch bei der Zufriedenheit mit den demokratischen Prozessen zeigen sich deutliche Unterschiede: In Spanien und England ist diese deutlich schwächer ausgeprägt als in der Schweiz, Schweden und Holland.

Solidarität als wichtigstes Motiv Das wichtigste Motiv für die Teilnahme an einer Demonstration ist die Bezeugung von Solidarität - fast 70 Prozent aller Teilnehmenden vor allem der Frauen-, Pride- und 1.-Mai-Demonstrationen nannten diesen Punkt. 40 Prozent gaben die Verteidigung der Eigeninteressen an. Bei Antiatom-Demos sind die Motive eher instrumenteller Art: Hier ist das erste Ziel, Druck auf die Politiker auszuüben. Der wichtigste Grund, der Bürgerinnen und Bürger zu Demonstrierenden macht, ist ihre Mitgliedschaft bei sozialen Netzwerken: Je besser sie in solche eingebunden sind, desto öfter sind sie an Demonstrationen anzutreffen.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse "Caught in the Act of Protest: Contextualizing Contestation" ist als PDF beim SNF erhältlich. E-Mail: com@snf.ch

Der Text dieser Medienmitteilung steht auf der Internetseite des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung: www.snf.ch > Medien > Medienmitteilungen

Kontakt:

Prof. Dr. Marco Giugni
Dr. Nina Eggert
Universität Genf
Département de science politique et relations internationales
40 boulevard du Pont d'Arve
1211 Genf 4
Tel.: +41 (0)22 379 99 14
E-Mail: marco.giugni@unige.ch, nina.eggert@unige.ch


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