SKO Schweizer Kader Organisation

Wie sollen familienfreundliche Unternehmen honoriert werden?

Zürich (ots) - Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats fordert den Bundesrat mit einer Motion auf, die Ausarbeitung einer «Zertifizierung für familienfreundliche Unternehmen» zusammen mit den betroffenen Kreisen in den Massnahmenkatalog der Fachkräfte-Initiative aufzunehmen. Die SKO ist dagegen. Lesen Sie hier, warum.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion. Zwar hat die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Priorität und gehört zu den vier Handlungsfeldern der Fachkräfte-Initiative (FKI). Er stuft aber die Bedeutung von Zertifizierungen oder Labels für die FKI als nicht prioritär ein und argumentiert, dass Labels in erster Linie eine Angelegenheit des Privatsektors sind.

In der Tat existieren bereits eine ganze Reihe von Labels, wie das Prädikat Beruf und Familie der Fachstelle UND sowie der Family Score Award von Pro Familia Schweiz. Ähnliche Anliegen fördern auch Labels mit öffentlichem Auftrag: Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz mit einem gesetzlichen Auftrag zur Förderung der Gesundheit und zur Verhütung von Krankheiten beurteilt mit ihrer Zertifizierung "friendly work space" auch familienfreundliche Arbeits- und Organisationsstrukturen. Der "Prix Balance" des Kantons Zürich zeichnet Organisationen aus, die ihren Angestellten vereinbarkeitsfreundliche Arbeitsbedingungen bieten.

Die Sozialcharta der SKO befürwortet Massnahmen, welche helfen, Beruf und Familie in Einklang zu bringen.

Sie will die Familienpolitik verbessern und setzt sich für ein Bündel von Massnahmen ein, das im Sinne eines familienpolitischen Konzeptes beide Elternteile eine Karriere und gleichzeitig die Verantwortung für die Familie ermöglichen soll. Dazu gehören externe Kinderbetreuung, die Vereinheitlichung der Schulpolitik, flexible Arbeitsmodelle für mehr Arbeitszeitsouveränität sowie eine zivilstandsunabhängige und familienfreundliche Steuerpolitik.

Es ist klar: Familienfreundlichkeit hilft dem Unternehmen Rekrutierungs- und Fluktuationskosten zu senken, erhöht die Attraktivität am Arbeitsmarkt und das Ansehen in der Öffentlichkeit und ist somit auch ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen.

Nichtsdestotrotz erachtet die SKO eine neue Zertifizierung für familienfreundliche Unternehmen im Rahmen der Fachkräfteinitiative als ein ungeeignetes Instrument. Dies aus folgenden Gründen: Das Angebot an Zertifizierungsprogrammen und -organisationen ist heute schon intransparent hinsichtlich der Ziele, Instrumente, Massnahmen, Kosten und Wirkung. Zentral ist bei allen Zertifizierungen, dass das Gemessene zum Bestandteil eines organisationalen Selbstverständnisses wird, was bei einigen Labels bezweifelt werden darf. Für KMU sind die mit der erstmaligen Zertifizierung und ihrer Aufrechterhaltung verbundenen Kosten hoch. So kann eine erstmalige Zertifizierung locker auf über CHF10'000 zu stehen kommen. Bezieht man die internen Aufwendungen mit ein, sind es gegen CHF20'000. Viel sinnvoller wäre es, anerkannte bestehende Qualitätszertifizierungen (ISO, EFQM) zu ergänzen, eine Teilzertifizierung mit einem Label auszustatten oder bestehende Labels zu einem zusammenzuführen, um Synergien zu nutzen und Kosten für KMU zu sparen. Bei Zertifizierungen können gewisse Kriterien vor allem struktureller Natur häufig nur von grossen Unternehmen erfüllt werden, weil KMU die dazu benötigten Ressourcen nicht bereitstellen können. Gerade aber kleinere Unternehmen sind im Wettbewerb um Fachkräfte sowieso schon benachteiligt; Labels werden diesen Nachteil noch verschärfen.

Jedem Unternehmen muss es ein Anliegen sein, familienfreundlich zu sein. Logischerweise entsprechen die Kriterien für Familienfreundlichkeit denjenigen für die Förderung von Gleichstellung. Dazu gehören ein ganzer Strauss von Massnahmen: flexible, familienfreundliche Arbeitsmodelle, wie Jahresarbeitsmodelle und Home Office und die Möglichkeit, auch als Kader Teilzeit zu arbeiten; Unterstützung bei der Betreuung und Pflege von Familienangehörigen wie Pflegetage, Sonderurlaub bei der Vorbereitung auf die Elternschaft; Kontakthaltemassnahmen während des Mutterschaftsurlaubs und Rückkehrgespräche; Kinderbetreuungsangebot z.B. durch Finanzierung einer Notfallbetreuung etc. Wichtiger als ein weiteres Zertifizierungsangebot ist die Förderung einer familienfreundlichen Kultur in Unternehmen, die entsprechende Angebote auch von der Führungsebene als Selbstverständlichkeit betrachtet und die Umsetzung pragmatisch angeht. Das entspricht vielleicht nicht der Systematik einer Zertifizierung, dafür unterstützt das Unternehmen mit Herz und Verstand dort, wo es drauf ankommt.

Die Schweizer Kader Organisation SKO

Die Schweizer Kader Organisation SKO vertritt die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Interessen der Führungskräfte in der Schweiz. Der Verband ist parteipolitisch unabhängig. Er versteht sich als Kompetenzzentrum für Führungskräfte aller Branchen und offeriert seinen Mitgliedern zahlreiche Dienstleistungen in den Bereichen Weiterbildung, KarriereService, Rechtsdienstleistung sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.

Die Mitglieder erhalten Zugang zu einem wertvollen nationalen und regionalen Kontakt- und Beziehungsnetzwerk. Die SKO hat Tradition und Gewicht: 1893 als «Schweizerischer Werkmeister-Verband» gegründet, zählt sie heute gegen 12'000 Mitglieder, und ist seit 2009 Vollmitglied der CEC European Managers, des Dachverbandes aller europäischen Kaderverbände, mit Sitz in Brüssel. Als 8. NPO und als 1. Berufsverband in der Schweiz ist die SKO seit 2005 nach dem «NPO-Label für Management Excellence» zertifiziert, herausgegeben von SQS und des Verbandsmanagement Instituts VMI der Universität Fribourg. www.sko.ch

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