Schweizerisches Rotes Kreuz / Croix-Rouge Suisse

Das Nationale Forum Alter & Migration fordert neue Massnahmen

Bern (ots) - An der Fachtagung "älter werden - gesund bleiben" des Nationalen Forums Alter und Migration in Olten wurde heute ein neuer Massnahmenplan vorgestellt.

Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts ging man davon aus, dass Migrantinnen und Migranten im Alter in ihre Herkunftsländer zurückkehren werden. Heute zeigt sich, dass ein grosser Teil auch im Alter in der Schweiz bleibt. Ende 2015 umfasste die ständige ausländische Wohnbevölkerung ab 50+ bereits 499'677 Personen. Das Gesundheitswesen im Allgemeinen, im Speziellen Alterspflege und Altersarbeit, haben sich jedoch nur wenig darauf vorbereitet, dass immer mehr Migrantinnen und Migranten ihre Dienstleistungen in Anspruch nehmen werden.

2014 beauftragte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), in enger Zusammenarbeit mit dem Nationalen Forum Alter und Migration (Mitglieder siehe Fussnote*), Ziele und Massnahmen zu erarbeiten, und zwar zur: a) Förderung der Gesundheit der älteren Migrationsbevölkerung; b) Optimierung ihres chancengleichen Zugangs zur Gesundheitsversorgung, insbesondere zur spitalexternen und stationären Pflege.

"Konkrete Ziele setzen"

Diese Ziele und Massnahmen sind heute an der Tagung "älter werden - gesund bleiben" des Nationalen Forums Alter und Migration an der Fachhochschule in Olten vorgestellt worden. Sie umfassen sechs Handlungsfelder (siehe Anhang): "Wir empfehlen den Mitgliedorganisationen, sich in diesen Handlungsfeldern konkrete Ziele zu setzen, entsprechende Massnahmen zu entwickeln und umzusetzen", sagt Hildegard Hungerbühler, die das SRK im Vizepräsidium des Nationalen Forums Alter und Migration vertritt und Mitinitiantin der Tagung ist. Zentral sei, dass sich die Dienstleister, insbesondere in der Alterspflege und -arbeit, mit der Zielgruppe der Migrantinnen und Migranten und ihrer Lebenssituation auseinandersetzen. Hungerbühler weiter: "Sie sollten sich beispielsweise bewusst sein, dass Migrantinnen und Migranten häufig nicht, zu wenig oder gar falsch informiert sind, wo und wie sie sich in der Schweiz unterstützen oder pflegen lassen können. Hier herrscht ein grosser Informationsbedarf."

Ebenfalls von grosser Bedeutung sei eine bessere Vernetzung und Kooperation unter den verschiedenen Akteuren. Die Tagung und das Forum boten dazu eine wichtige Plattform. Dazu Therese Frösch, Präsidentin des Nationalen Forums Alter und Migration: "Die Interessen der älteren Migrationsbevölkerung müssen auch in der Politik besser vertreten werden." Frösch weist darauf hin, dass die Migrationsbevölkerung durchschnittlich ein deutlich höheres Gesundheits- und Armutsrisiko im Alter trägt als die schweizerische Bevölkerung: "Dieser Tatsache ist in der Sozialpolitik Rechnung zu tragen", so Frösch.

www.alter-migration.ch

Anhang / 6 Handlungsfelder:

Handlungsfeld 1 Commitment - Verankerung in der Strategie der Organisation Ziel: Die Förderung der Gesundheit und des chancengleichen Zugangs zur Gesundheitsversorgung, speziell zur spitalexternen und stationären Pflege für ältere Migrantinnen und Migranten, ist ein strategisches Ziel der Organisation. Handlungsfeld 2 Diversity Management - transkulturell kompetente Organisation Ziel: Das Commitment zu transkultureller Kompetenz und zu Umgang mit Diversität bildet sich in der Betriebskultur und -struktur der Organisation ab. Handlungsfeld 3 Zugang zu Information - Partizipation und Empowerment Ziel: Der erleichterte Zugang zu Angeboten und Dienstleistungen der Gesundheits-und Integrationsförderung für ältere Migrantinnen und Migranten und ihre Angehörigen ist gewährleistet. Handlungsfeld 4 Vernetzung und Kooperation - Netzwerk der Organisationen Ziel: Gemeinsame Ressourcen und Synergien werden genutzt. Handlungsfeld 5 Forschung - Wissensgenerierung und -transfer Ziel: Forschungsvorhaben im Gesundheits-, Integrations-und Altersbereich, welche die Gesundheits-und Integrationsförderung älterer Migrantinnen und Migranten berücksichtigen, werden gefördert. Handlungsfeld 6 Lobbying und Advocacy Ziel: Die Interessen der älteren Migrationsbevölkerung stehen auf der politischen Agenda.

*) Fussnote:

Mitglieder des Nationalen Forums Alter und Migration sind Pro Senectute Schweiz, SRK, Curaviva Schweiz, Spitex Verband Schweiz, Schweizerische Gesellschaft für Gerontologie, Schweizerischer Seniorenrat, Schweizer Alzheimervereinigung, Gesundheitsförderung Schweiz, Pro Migrante Basel, Caritas Schweiz, HEKS, Konferenz der kantonalen und kommunalen Integrationsdelegierten (KID). Partner, die ebenfalls Einsitz haben: Eidg. Migrationskommission (EKM), Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), Bundesamt für Gesundheit (BAG), Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Claudio Bolzman (Genfer Soziologe), Forschungsstelle Alter der Geriatrie Inselspital Bern, Alters- und Behindertenamt der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern.

Kontakt:

Hildegard Hungerbühler, SRK und Vizepräsidentin Nationales Forum 
Alter & Migration. Tel. 079 546 18 30


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