Roland Berger Strategy Consultants

Herbstprognose von Roland Berger Strategy Consultants für die deutsche Wirtschaft: deutlich optimistischer als etablierte Wirtschaftsforschungsinstitute

München (ots) -

   - Wirtschaftskrise von 2008 wird sich nicht wiederholen 
   - Wachstumsdynamik wird sich bis Ende 2011 nur unwesentlich 
     abschwächen, starke 3 vor dem Komma bleibt realistisch 
   - Optimistische Erwartungen für 2012 unter zwei Bedingungen: 
     Lösung der europäischen Schuldenkrise und positive 
     Wirtschaftsentwicklung in den USA - beides ist wahrscheinlich 
   - Forderungen an die Politik: stärkere finanz- und 
     wirtschaftspolitische Integration Europas durch 
     Schaffung einer Insolvenzordnung für europäische Staaten, 
     Einführung einer europäischen Wirtschaftsregierung, Gründung 
     eines europäischen Währungsfonds, Etablierung einer europäischen 
     Ratingagentur 

Nach dem Szenario der V-Kurve und der optimistischen Wachstumsprognose "3x3" stellt Roland Berger Strategy Consultants ein Update seines Wachstumsszenarios für die deutsche Wirtschaft vor. Es fällt erneut deutlich optimistischer aus als die Erwartungen der etablierten Wirtschaftsforschungsinstitute und geht davon aus, dass sich die Wirtschaftskrise von 2008 nicht wiederholt. Die Eurokrise bleibt in den kommenden Monaten die zentrale Herausforderung. Die Roland Berger Experten empfehlen der Politik, auf eine stärkere finanz- und wirtschaftspolitische Integration Europas zu setzen.

Bei der Vorhersage künftiger Wirtschaftsentwicklungen geht Roland Berger Strategy Consultants mit der Szenario-Technik seit einigen Jahren einen eigenen Weg: Nicht quantitative Prognosen und ökonometrische Modelle stehen im Vordergrund, sondern "unternehmerische" Szenarien. "Wir suchen bewusst nach Argumenten gegen die Mainstream-Prognosen", sagt Prof. Dr. Burkhard Schwenker, Aufsichtsratsvorsitzender von Roland Berger Strategy Consultants. "Angesichts der hohen Volatilitäten sind wir der Meinung, dass bei der Vorhersage wirtschaftlicher Entwicklungen die Realwirtschaft sowie fundamentale Stärken und Schwächen der Volkswirtschaften und langfristige Trends von entscheidender Bedeutung sind."

Die jetzt veröffentlichte Konjunktureinschätzung ist bereits die fünfte nach Ausbruch der Krise. Mit der V-Kurve hatte Roland Berger ein Szenario entworfen, das inzwischen Realität geworden ist: Einem starken Einbruch der Konjunktur folgte ein ebenso starker und schneller Aufschwung. Auch für das letzte Konjunkturszenario von Anfang 2011 war Roland Berger zu einem deutlich optimistischeren Szenario gekommen als die meisten Prognostiker: "3 mal 3", also drei Jahre hintereinander mindestens drei Prozent Wachstum in Deutschland. Die erste 3 (2010) ist eingetreten und die zweite 3 (2011) ist heute fast erreicht. Noch offen ist die Frage, wie realistisch ein drei Prozent-Wachstum der deutschen Wirtschaft im Jahr 2012 ist.

Die Analyse wurde daher unter den veränderten real- und finanzwirtschaftlichen sowie politischen Bedingungen im September 2011 wiederholt. Ergebnis ist erneut eine optimistische Prognose: "Erstens", sagt Schwenker: "Wir gehen davon aus, dass sich die Weltwirtschaftskrise von 2008 nicht wiederholt. Zweitens: Wir erwarten, dass sich die Wachstumsdynamik nur unwesentlich abschwächt, so dass am Jahresende 2011 immer noch eine starke 3 vor dem Komma steht. Und drittens sind wir auch für 2012 optimistisch, wobei wir davon ausgehen, dass sich die wirtschaftliche Lage in den USA verbessern wird und wichtige Schritte zur Lösung der europäischen Schuldenkrise schnell sichtbar werden."

Schwenker sieht sich durch die regelmäßig nach oben korrigierten Wachstumsprognosen für Deutschland bestätigt: "Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland wurde systematisch unterschätzt." Allerdings sei das keine Gewähr dafür, dass es nicht auch schnell anders kommen könne: "2008 haben wir genau das erlebt. Seitdem wissen wir auch, dass es zwei wirtschaftliche Welten gibt: die Real- und die Finanzwirtschaft. Beide haben immer weniger miteinander zu tun - das ist das Kernproblem."

Realwirtschaft entwickelt sich positiv

Die deutsche Wirtschaft hat mit ihrem 3,7 Prozent-Wachstum im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht und wächst mit rund drei Prozent in diesem Jahr erneut stark. Verantwortlich dafür sind die steigende Exportnachfrage nach deutschen Produkten und der kräftige Binnenkonsum. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt entwickelt sich hervorragend: Mit 2,79 Millionen Arbeitslosen und einer Quote von 6,6 Prozent messen die Statistiker derzeit den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. "Die realwirtschaftliche Lage ist in Deutschland selbst, aber auch in seinen wichtigsten Exportmärkten, derzeit überwiegend positiv", sagt Schwenker. Unternehmenszahlen und Handelsvolumina erreichen Spitzenwerte und die volkswirtschaftlichen Indikatoren liegen im Durchschnitt der letzten zehn Jahre oder deutlich darüber. Kein Grund zur Sorge besteht auch bei Rohstoffen: Der Ölpreis ist derzeit stabil und auch die sonstigen Rohstoffpreise liegen weder übermäßig hoch noch schwanken sie. "Es gibt also keinen echten realwirtschaftlichen Grund für den aktuellen Pessimismus", sagt Schwenker.

Finanzwirtschaft mit negativem Trend

Die Kapitalmärkte zeigen allerdings ein komplett anderes Bild: Seit etwa zwei Monaten brechen die Börsenindices weltweit dramatisch ein. Besonders starke Verluste mussten die Finanztitel verkraften. Das Vertrauen in den Finanzsektor ist gering, die Anleger haben Angst vor weiteren negativen Überraschungen. Für diese - angesichts der guten und stabilen Lage in der Realwirtschaft unerwartete - trübe Stimmung nennen die Experten von Roland Berger vier Gründe. Zunächst die Psychologie: Die Medien bringen täglich negative Berichte und pessimistische Kommentare, vor allem zum Thema "Eurokrise". Zweitens technische Automatismen in den Programmen der Finanzbranche; diese werden ausgelöst, wenn bestimmte Schwellenwerte überschritten oder Anlageprodukte durch die Ratingagenturen anders eingestuft werden. Drittens die Spekulation, die an den Finanzmärkten derzeit wieder vermehrt auftritt - gegen kriselnde Eurostaaten, auf sinkende Währungen oder Einzeltitel. Viertens ein allgemeiner Vertrauensverlust in die Problemlösungskompetenz der Politik.

Die Politik muss entschlossener handeln

Die Experten von Roland Berger fordern daher entschlosseneres Handeln der Politik. "Wir müssen möglichst bald zu einer stärkeren finanz- und wirtschaftspolitischen Integration Europas kommen", sagt Burkhard Schwenker. Dazu gehören die Schaffung einer Insolvenzordnung für europäische Staaten mit klaren Regeln und einer unabhängigen Institution, die diese Regeln anwendet und überwacht. Notwendig sind außerdem die Einführung einer europäischen Wirtschaftsregierung und die Schaffung eines echten europäischen Währungsfonds sowie der Aufbau einer europäischen Ratingagentur. "Diese Instrumente werden mittelfristig helfen, Krisen wie die derzeitige gar nicht erst entstehen zu lassen", sagt Schwenker. "Um den akuten Fall Griechenland zu lösen, kommen sie zwar zu spät. Dafür haben wir aber erst kürzlich unser Konzept 'Eureca' vorgestellt, das mit Hilfe einer Treuhand erstmals einen realistischen Weg zur Entschuldung des Landes aufzeigt."

Zentrale Ergebnisse des aktuellen Roland Berger-Konjunkturszenarios:

2008 wiederholt sich nicht

Die Frage, ob eine "Weltwirtschaftskrise zwei" bevorsteht, beantworten die Roland Berger Experten eindeutig mit Nein. Denn die Realwirtschaft steht 2011 viel stabiler da als 2008. Auch bei den globalen Wachstumsrisiken zeigt sich ein entscheidender Unterschied: 2008 war das Weltwirtschaftswachstum zu etwa zwei Dritteln durch das Ausgabeverhalten der US-Konsumenten bedingt; die Abhängigkeit von den USA war enorm. Heute wird das Weltwirtschaftswachstum zu zwei Dritteln vom Wachstum der drei Schwellenländer China, Indien und Brasilien getragen. Und diese wachsen derzeit stabil und dynamisch.

Auch in der Finanzwirtschaft ist die Lage deutlich besser als 2008. Zunächst sind die Risiken der Banken weltweit nominell geringer. Die Transparenz und das Risikobewusstsein haben deutlich zugenommen und die Banken haben ihr Eigenkapital stark erhöht. Zudem hat die Politik Märkte reguliert und ist heute auch selbst deutlich besser für eine Krise gewappnet als noch vor drei Jahren. So wurde beispielsweise die Regulierung des Bankensektors durch Basel III, das Verbot von Leerverkäufen, erzwungene Fusionen und neue Regelungen zum Eigenhandel der Banken verbessert. Und nicht zuletzt sind Mechanismen und Instrumente zum Umgang mit in Krisen geratenen Staaten entwickelt worden, die es vor drei Jahren noch gar nicht gab.

Wirtschaftswachstum 2011: eine starke 3 vor dem Komma

Auch wenn sich die Krise von 2008 nicht wiederholen mag, so könnte doch der Pessimismus der letzten Wochen demnächst massiv auf die Realwirtschaft durchschlagen und das Ziel, in Deutschland dieses Jahr ein Wachstum von drei Prozent oder mehr zu erreichen, zunichte machen. "Wir gehen allerdings davon aus, dass es nicht zu einem übermäßig starken Ausstrahleffekt auf die Realwirtschaft kommt und bleiben optimistisch", sagt Schwenker. "Unsere zweite Drei für das Gesamtjahr 2011 beruhte in unserer Frühjahrsanalyse vor allem auf der Annahme, dass der Export weiter zieht und die Binnenkonjunktur nachkommt. Beides hat sich bislang bestätigt."

Positiver Ausblick für 2012 - unter zwei Bedingungen

Für 2012 gibt es drei Szenarien für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland: Das pessimistischste erwartet einen Rückfall in die Rezession - die W-Kurve, auch "double dip" genannt. Das zweite erwartet ein sehr schwaches Wachstum oder eine Stagnation. Als drittes Szenario ist denkbar, dass das starke und dynamische Wachstum der deutschen Wirtschaft anhält. Die Experten von Roland Berger halten dieses für am wahrscheinlichsten. Weil die realwirtschaftlichen Wachstumskräfte so stark sind und es auf mittlere Frist auch bleiben werden, erwarten sie 2012 ein nur unwesentlich schwächeres Wachstum als in den beiden Boomjahren 2010 und 2011. Eine Drei vor dem Komma ist damit weiterhin möglich. "Wir revidieren unsere optimistische Einschätzung für das Gesamtjahr 2012 bewusst nicht", sagt Schwenker. "Es ist aber klar, dass es dafür zwei entscheidende Bedingungen gibt: Erstens glaubwürdige politische Schritte hin zu einer Lösung der europäischen Schuldenkrise und zweitens eine Verbesserung der Lage in den USA. Wir halten beides für wahrscheinlich. Sollten wir Recht haben, stehen wir in Deutschland 2012 zum dritten Mal in Folge vor einem starken Wirtschaftswachstum." Für Schwenker ist daher klar: "Wer jetzt zu sehr in Pessimismus verfällt, ist aus unserer Sicht auf mindestens einem Auge blind. Wir bleiben optimistisch."

Das Szenario-Update ist in der Reihe "think:act CONTENT" erschienen. Sie können es kostenfrei herunterladen unter: http://www.rolandberger.com/pressreleases

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Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit über 2000 Mitarbeitern und 43 Büros in 31 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von mehr als 200 Partnern.

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Susanne Horstmann
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