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Zwangsarbeiterstiftung: Krach statt Geld

    Hamburg (ots) - Streit in den eigenen Reihen hätte sich Michael Jansen, der Vorsitzende der Zwangsarbeiterstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", sicher gern erspart. Doch Ende vergangener Woche hat Kuratoriumsmitglied Lothar Evers gegen Jansen und dessen Vorstandskollegen Jan Dreher Anzeige wegen Betrug und Untreue erstattet. Der Umtausch von 1,35 Milliarden Mark in Zloty, die an polnische Zwangsarbeiter ausgezahlt werden sollen, sei zu einem so ungünstigen Kurs vorgenommen worden, dass die Opfer über 180 Millionen Mark verloren hätten.

    In der Tat gab es Mitte Juni, dem Zeitpunkt der Transaktion, 3,35 Zloty für einen Euro; heute wären es 3,85 Zloty. Umstritten ist, ob die polnische Seite darauf bestand, dass gleich ein so grosser Teil der den Opfern zustehenden 1,8 Milliarden Mark getauscht wird. Das behauptet die Stiftung und verweist auf die Auskunft der Banken, der Zloty könne eher noch stärker werden. Nach Polen überwiesen sind aber erst 494 Millionen Mark, der Rest bringt nun auf deutschen Konten Zinsen. Den Schaden beziffert die Stiftung auf 43 Millionen Mark, weil es für den noch nicht überwiesenen Restbetrag auf die Entwicklung des Wechselkurses ankomme.

    Doch die polnische Partnerorganisation verlangt schon jetzt vollen Ersatz in Millionenhöhe. Gespräche in Warschau blieben vergangene Woche ohne Ergebnis, vor der Bildung der neuen Regierung wird sich daran auch nichts ändern. Die deutsche Seite bietet zur Besänftigung der polnischen Opfer einen Teil der Zinserträge aus den Zloty-Guthaben an. Darüber müsste allerdings das Kuratorium der Stiftung entscheiden. Es tagt in der kommenden Woche, und die Kuratoren sind gespannt, was ihr Kollege Evers beim Tagesordnungspunkt "Umtausch" zu sagen hat.

    Dies ist eine PRESSE-Vorabmeldung der ZEIT Nr. 41 mit Erstverkaufstag am Dienstag, 2. Oktober 2001.

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