DIE ZEIT

US-Senator Joseph R. Biden fordert in der ZEIT Aufschub der Entscheidung über eine Raketenabwehr

    Hamburg (ots) - Die Regierung Bush sollte vor jeder endgültigen Entscheidung über den Bau einer Raketenabwehr die Verbündeten in Europa konsultieren "und ihre Ansichten berücksichtigen", so der demokratische US-Senator Joseph R. Biden In der jüngsten Ausgabe der

Wochenzeitung DIE ZEIT

    Der Senator kündigt an, dass der "echte Test"  für "Bushs Traum einer  robusten' Raketenabwehr" gerade erst beginne. Zu prüfen sei nicht nur, ob die Raketenabwehrpläne der amerikanischen Regierung technisch machbar seien, sondern "auch die möglichen Folgen für weltweite Rüstungskontrollbemühungen, die strategische Stabilität" sowie  "ihre möglichen Auswirkungen auf Amerikas Allianzen".

    Biden fordert, die US-Regierung müsse sich fragen lassen, ob die geplante Raketenabwehr wirklich die richtige Antwort auf die Bedrohungen darstelle, mit denen sich Amerika und seine Verbündeten heute konfrontiert sehen: "Angriffe mit Marschflugkörpern, ein Bombenangriff auf ein Schiff oder Flugzeug, oder ein terroristischer Akt mit chemischen oder biologischen Kampfstoffen sind allesamt wahrscheinlicher. Ein Raketenabwehrschirm kann dagegen nichts ausrichten."

    Der Senator warnt vor der Gefahr dass ein einseitiger amerikanischer Ausstieg aus dem amerikanisch-russischen ABM-Vertrag von 1972, der eine umfassende Raketenabwehr verbietet, Russland zu Gegenreaktionen provozieren könnte, "indem es Abrüstungsmassnahmen suspendiert oder atomar aufrüstet". Möglicherweise könnte ein solcher einseitiger Schritt der USA Moskau sogar dazu bewegen, ein strategisches Bündnis mit Peking zu suchen - oder enger mit "Schurkenstaaten" zu kooperieren.

    Sollte es zu einer einvernehmlichen Änderung des ABM-Vertrages in Verbindung mit beidseitiger Abrüstung von strategischen Nuklearwaffen zwischen Washington und Moskau kommen, so warnt Biden, müsse der neue Vertrag Russland "verlässlich zusagen" , "dass das amerikanische System begrenzt sein wird".

    Auch bei einer Einigung zwischen Washington und Moskau warnt der Senator jedoch eindringlich vor einem möglichen Rüstungswettlauf in der Welt, insbesondere in China: "Ist es im Interesse der Vereinigten Staaten und unserer Allierten, wenn China seine strategischen Arsenale von 18 auf 200 oder mehr Raketen vergrössert, - oder mehrere Gefechtsköpfe auf jede Rakete montiert?"

    Der Senator fordert deshalb Präsident Bush auf, "sich umfassend mit unseren Verbündeten zu beraten und ihre Ansichten zu berücksichtigen, wenn er über den Bau eines Raketenabwehrschirms entscheidet."

    "Wir dürfen nicht zulassen", schliesst Biden, " dass das transatlantische Verhältnis an unseren Meinungsverschiedenheiten bei der Raketenabwehr zerbricht."

    Diese PRESSE-Vorabmeldung der ZEIT Nr. 19/2001 mit Erstverkaufstag am Donnerstag, 3. Mai 2001 ist unter Quellen-Nennung DIE ZEIT zur Veröffentlichung frei. Der Wortlaut des ZEIT-Textes kann angefordert werden.

ots Originaltext: Die Zeit
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