Neue Luzerner Zeitung

Media Service: Weko wehrt sich - und macht Druck auf die Händler Die Weko weist Kritik zurück, sie gehe nur zaghaft gegen Preisabsprachen vor. Deren Direktor nimmt aber auch die Händler in die Pflicht.

Luzern (ots) - Auf den Vorwurf, nur zaghaft gegen vertikale Abreden vorzugehen, sagt Rafael Corazza: «Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben seit dem Inkrafttreten des neuen Kartellgesetzes im Jahre 2004 gehandelt, uns früh verpflichtet und alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Man wirft uns vor, nur drei Verfügungen erlassen zu haben. Die Zahl der Verfügungen ist aber nicht entscheidend, sondern die Wirkung der Gesetzesbestimmung. Wir haben diese sofort konsequent umgesetzt und mit den wirtschaftlich nicht sehr bedeutenden Fällen ein Präjudiz geschaffen.»

Die Frage, ob das Kartellgesetz eine Verschärfung nötig habe, beantwortete Corazza im Interview der «Zentralschweiz am Sonntag» so: «In der Hitze des Gefechts kommen Ideen auf, die nicht mit unserem System vereinbar sind. Das gilt zum Beispiel für den Ruf nach flächendeckenden Preisfestsetzungen. Wichtig ist in erster Linie, dass die Marktteilnehmer ihren Job machen, statt wie in einer Planwirtschaft nach dem Staat zu rufen.»

Zudem hält er fest, dass er der Meinung sei, die grossen Unternehmen in der Schweiz müssten sich mit mehr Vehemenz bei ihren Lieferanten im Ausland für die Weitergabe der Wechselkursvorteile einsetzen: «Es gibt jetzt zu viele Händler, die eine Opferrolle einnehmen. Ein Milliardenkonzern hat doch die Möglichkeit zu sagen, das lasse ich mir nicht bieten. Wenn die Preise überrissen sind, kann er die betreffenden Produkte aus dem Regal nehmen und einen Hinweis anbringen: Dieses Produkt ist vorübergehend nicht erhältlich, weil wir es nicht zu vertretbaren Preisen beziehen können.»

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