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Sucht Schweiz - Tabak: Zigaretten sind für Jugendliche leicht zu beschaffen

Lausanne (ots) - Obwohl man sich schon seit über 50 Jahren mit den Gefahren des Tabakkonsums auseinandersetzt, bleibt noch einiges zu tun. In den meisten Kantonen schützt die Gesetzgebung heutzutage zwar die Jugendlichen, doch die Realität sieht anders aus: Zigaretten sind für Jugendliche immer noch leicht zu beschaffen; 69,8% bzw. 63% der Testkäufe, die Sucht Schweiz im Auftrag von CIPRET in den Kantonen Waadt resp. Freiburg durchführten, haben zu einem Verkauf geführt.

Waadtland: Vorreiter mit mässigen Resultaten Seit dem 1. Januar 2006 ist im Waadtland der Verkauf von Tabakwaren an Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Weil es keine gesamtschweizerische Regelung gibt, haben 16 weitere Kantone die Präventionsmassnahme übernommen und das Mindestalter für den Kauf von Tabakwaren auf 16 bzw. 18 Jahre festgelegt. Wenngleich das Waadtland in gesetzgeberischer Hinsicht Vorreiter war, hat es bei der Umsetzung mässige Resultate erzielt, was die Verkaufseinschränkung von Tabakwaren an Minderjährige betrifft. Dies belegt eine Studie von Sucht Schweiz, die vom CIPRET-Vaud (Centre d'information pour la prévention du tabagisme dans le canton de Vaud) in Auftrag gegeben wurde, um die Einhaltung des Gesetzes durch das Verkaufspersonal zu prüfen. Eine erste Reihe von Testkäufen wurde 2007 durchgeführt. Der Anteil der erfolgreichen Scheinkäufe von Jugendlichen betrug damals 85,9%. 2009 wurde ein leichter Rückgang beobachtet (82,2%). Ende 2011 war der Rückgang zwar deutlich, doch weiterhin unbefriedigend: In 69,8% der Fälle konnten sich die Jugendlichen, die an den Testkäufen teilnahmen, Zigaretten beschaffen.

Freiburg: Eine deutliche, aber noch ungenügende Verbesserung Im Kanton Freiburg ist das Verkaufsverbot an Jugendliche unter 16 Jahren drei Jahre später, per 1. Januar 2009, in Kraft getreten. In den darauffolgenden Monaten führte Sucht Schweiz im Auftrag von CIPRET-Freiburg (Fachstelle Tabakprävention Freiburg) eine Reihe von Testkäufen durch, wovon 81,4% zu einem Verkauf an Jugendliche führten. Die Ende 2011 erhaltenen Ergebnisse zeigen mit 63% an Verkäufen eine deutliche Verbesserung. Die auf kantonaler Ebene ergriffenen Massnahmen zeigen also offensichtlich Wirkung; die Zahlen sind aber weiterhin nicht zufriedenstellend.

Weitere Präventionsmassnahmen sind notwendig Die Resultate der Studien von Sucht Schweiz zeigen, dass bei der Einhaltung des Gesetzes durch das Verkaufspersonal Mängel bestehen. Und dies obwohl in einer grossen Mehrzahl der Verkaufsstellen durch angebrachte Plakate oder Aufkleber klar auf das Gesetz hingewiesen wird. In nur einem von drei Fällen (35,9%) wurde im Kanton Waadt von den Jugendlichen, welche die Testkäufe durchführten, ein Personalausweis verlangt. Grund für noch mehr Sorge: Knapp ein Drittel (30,3%) der Tests im Waadtland und über ein Viertel (26%) der Tests in Freiburg, bei denen nach einem Ausweis gefragt wurde, führten trotzdem zum Verkauf! Die Tatsache, dass im Kanton Waadt der Kauf viel häufiger akzeptiert wird, wenn die Jugendlichen allein an der Kasse stehen (80,4% gegenüber 64,2%, wenn andere Kunden anwesend sind), scheint zu bestätigen, dass das Gesetz allein nicht ausreicht und Sensibilisierungsarbeit sowie Sanktionen bei Nichteinhalten des Gesetzes nötig sind. Zu den «schlechten Schülern» beider Kantone gehören unabhängige Lebensmittelläden, wo der Verkauf an Jugendliche in 85,4% (VD) und 88,9% (FR) der Fälle akzeptiert wurde. Die grossen Ladenketten hingegen schneiden im Allgemeinen besser ab.

Die gefährliche erste Zigarette Präventionsfachleute sind sich einig, dass es wichtig ist, Jugendliche davon abzuhalten, Tabakprodukte auszuprobieren. In der Schweiz haben 72% der täglich Tabakkonsumierenden vor dem 20. Lebensjahr begonnen, regelmässig zu rauchen. Die Anstrengungen der Prävention müssen sich deshalb vermehrt auch auf die Jugendlichen richten. Verkaufsverbote stellen somit eine wichtige Präventionsmassnahme dar. Wie wirksam sie sind, haben Erfahrungen in anderen Ländern gezeigt, und die Resultate in Freiburg sind ermutigend. Allerdings müssen sie den Zugang zu Zigaretten tatsächlich zu verhindern wissen. Dazu sind Sanktionen gegen Verstösse durch Behörden wichtig, gleichzeitig aber dürfen Schwierigkeiten, mit denen das Verkaufspersonal konfrontiert ist, nicht ausser Acht gelassen werden. Neben Schulungs- und Sensibilisierungsmassnahmen braucht es auch Arbeitsbedingungen, welche ermöglichen, die Vorschriften ohne Probleme und mit der Unterstützung der Vorgesetzten umzusetzen.

In 69,8% der Fälle kamen die Jugendlichen, die an den von Sucht Schweiz im Kanton Waadt durchgeführten Testkäufen teilgenommen haben, an Zigaretten. Im Kanton Freiburg waren es 63%. Die im Auftrag von CIPRET-Vaud (Centre d'information pour la prévention du tabagisme dans le canton de Vaud) und CIPRET-Freiburg (Fachstelle Tabakprävention Freiburg) von Sucht Schweiz erstellten Forschungsberichte sind auf Anfrage erhältlich.

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Die vorliegende Medienmitteilung finden Sie hier: http://www.suchtschweiz.ch/de/aktuell/medienmitteilungen/

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Simon Frey
Mediensprecher
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