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Sucht Schweiz Doping im Alltag gegen natürliche Leistungsgrenzen: Mythos oder Realität?

Lausanne (ots) - Dass gesunde Menschen mit Medikamenten oder anderen Mitteln nachhelfen, um ihre Leistung zu steigern, ist scheinbar ein Trend. Doch die vielfach erhoffte Wirkung ist meist nicht belegt, Risiken und Nebenwirkungen sind kaum abschätzbar. Dazu stellen sich soziale und ethische Fragen. Sucht Schweiz ging dem Phänomen nach und bietet in einem neuen Grundlagenpapier eine breite Auslegeordnung zu einer kontrovers geführten Diskussion.

Rund um die Uhr Höchstleistungen erbringen, eigene Grenzen überschreiten, um wachsende Anforderungen in Beruf, Ausbildung oder Schule zu erfüllen. Dauernde Fitness - und wenn nötig mit leistungssteigernden Mitteln nachhelfen. Dies scheint im Trend zu sein. Sucht Schweiz beleuchtet das komplexe Thema in einem neuen Grundlagenpapier. "Es braucht die Information über die Substanzen sowie die öffentliche Diskussion über die Entwicklung gesellschaftlicher Ansprüche", sagt Irene Abderhalden, Vizedirektorin von Sucht Schweiz.

"Doping im Alltag" steht für alle Versuche gesunder Menschen, die eigene körperliche oder geistige Leistung über das übliche Mass hinaus zu verbessern und Müdigkeit, Schmerzen oder Ängste zu bekämpfen. Zu den Mitteln zählen Antidepressiva, Antidementiva (zur Behandlung von Demenzerkrankungen), Stimulantien oder Beta-Blocker und damit Medikamente, die auch ausserhalb ihres zugelassenen Anwendungsgebiets von Gesunden eingenommen werden. Alkohol, Tabak oder illegale Substanzen wie Anabolika, Amphetamine, Cannabis oder Kokain sollen ebenfalls Konzentration, Gedächtnis oder Lernfähigkeit stärken.

Fakt ist: die Wirkungen der meisten leistungssteigernden Substanzen sind nicht belegt und Nebenwirkungen kaum abschätzbar, vor allem die langfristigen Risiken sind weitgehend unbekannt. Bei einigen Substanzen gibt es zwar Hinweise, dass sie in bestimmten Bereichen die Leistung punktuell verbessern, so etwa die Konzentrationsfähigkeit. Gleichzeitig kann sich beispielsweise das kreative Denken verschlechtern. "Wer auf Nummer sicher gehen und seine Gesundheit nicht beeinträchtigen will, sollte auf solche Mittel besser verzichten", rät Irene Abderhalden.

Für alles ein Mittel? Fachleute beobachten den steigenden Medikamentenkonsum mit Sorge. Sie stellen einen gesellschaftlichen Trend fest, wonach Menschen bei steigenden Anforderungen und Problemen zunehmend häufiger zu Medikamenten greifen - nicht nur zu aufputschenden Mitteln. Auch Beruhigungs- und angstlösende Substanzen sind gefragt.

Das neue Grundlagenpapier von Sucht Schweiz wirft nebst Fragen zur Gesundheit auch solche ethischer und sozialer Art auf: Wohin führt die permanente Leistungssteigerung? Ist es richtig und fair, wenn gesunde Menschen eine höhere Leistung künstlich herbeiführen und sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen? Wird eingeschränkte Leistung zur persönlichen Schuld?

Kritische Debatte nötig Daten zum Gebrauch leistungssteigernder Mittel liegen für die Schweiz nur wenige vor. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass Angebot und Nachfrage zunehmen werden - gerade weil permanente Fitness in Beruf und Freizeit gefragt ist. Und der Markt an Substanzen ist heute gross, über Internet sind sie schnell und einfach verfügbar. Aus Präventionssicht ist es daher wichtig, eine kritische Debatte zu führen und Grundsatzfragen zu stellen, bevor eine Entwicklung zu einem vorrangigen Problem der öffentlichen Gesundheit wird. Das Grundlagenpapier von Sucht Schweiz will hierzu einen Beitrag leisten.

Das umfassende Grundlagenpapier zum Thema finden Sie hier: http://www.suchtschweiz.ch/fileadmin/user_upload/DocUpload/Doping_im_Alltag.pdf

Umfassende Informationen zu Sucht Schweiz finden Sie auf unserer Website http://www.suchtschweiz.ch

Die vorliegende Medienmitteilung finden Sie hier: http://www.suchtschweiz.ch/de/aktuell/pressemeldungen/

Kontakt:

Simon Frey
Mediensprecher
sfrey@suchtschweiz.ch
Tel.: 021 321 29 63



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