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Sucht Info Schweiz - Jugendliche erhalten problemlos Zigaretten

    Lausanne (ots) - Jugendliche können problemlos Zigaretten kaufen. Dies zeigen Testkäufe, welche Sucht Info Schweiz gemeinsam mit den Fachstellen Tabakprävention der Kantone Waadt und Freiburg durchgeführt hat. In der Waadt dürfen Zigaretten erst an über 18-Jährige verkauft werden, im Kanton Freiburg an über 16-Jährige. Diese Altersgrenzen werden völlig unzureichend beachtet. In mehr als 80% der Fälle erhielten die jugendlichen Testpersonen die Zigaretten. Die Schweiz kennt kein nationales Abgabeverbot für Tabakprodukte an Kinder und Jugendliche. 17 Kantone haben bis heute eine Altersgrenze eingeführt; in sechs Kantonen liegt sie bei 18 Jahren, in den übrigen bei 16 Jahren. Die Waadt führte Anfang 2006 als erster Kanton das Abgabealter von 18 Jahren ein, gleichzeitig setzte Luzern als erster Kanton die Altersgrenze bei 16 Jahren an.

    Waadt war Pionier "Verkaufsverbote von Tabakwaren an Kinder und Jugendliche sind ein wichtiges Präventionsinstrument. Sie können den Konsumeinstieg verhindern oder hinauszögern", erklärt Michel Graf, Direktor von Sucht Info Schweiz. Voraussetzung ist, dass die Vorschriften beachtet werden. Dies trifft bis heute nur unzureichend zu. Testkäufe der früheren SFA - heute Sucht Info Schweiz - zeigten im Herbst 2007 für die Waadt, dass das Gesetz in über 85% der Fälle nicht beachtet wurde. Diese Besorgnis erregende Bilanz hat sich inzwischen leicht verbessert wie die jüngsten Testkäufe zeigen: Im Herbst 2009 waren gut 82% der Verkaufsstellen bereit, den 14- bis 17-jährigen Testpersonen die Zigaretten auszuhändigen. Etwas weniger nachlässig als die übrigen Geschäfte erwiesen sich die grossen Ladenketten. Wie schon zwei Jahre zuvor waren aber etwa 55% bereit, die Zigaretten zu verkaufen. Aufgeholt haben die Tankstellenshops. Nur 22% der Shops haben das Abgabeverbot eingehalten; im 2007 waren es noch rund 5%. "Diese Verbesserung, obwohl sie noch nicht überzeugt, ist vermutlich auf die Unterstützung und Fortbildung des Verkaufspersonals zurückzuführen", sagt Michel Graf. Ein Ausweis wurde in knapp 24% aller getesteten Verkaufsstellen verlangt. Erstaunlich bleibt, dass mehr als ein Viertel davon die Zigaretten dennoch aushändigen wollte.

    Situation in Freiburg Der Kanton Freiburg kennt erst seit Anfang 2009 ein Verkaufsverbot von Tabakprodukten an unter 16-Jährige. Gleichzeitig wie in der Waadt hat Sucht Info Schweiz gemeinsam mit der Fachstelle Tabakprävention Freiburg Testkäufe durchgeführt. Die 14- und 15-jährigen Testpersonen haben im letzten Herbst über 300 Testkäufe absolviert. Gut zehn Monate nach Inkrafttreten wurde das Abgabeverbot in 19% der Fälle eingehalten. Auch hier beachten die grossen Ladenketten und Tankstellenshops den Jugendschutz besser als die übrigen Geschäfte. In 28% der Fälle hat das Personal einen Ausweis verlangt, trotzdem wurde wiederholt in den Verkauf eingewilligt.

    Was zu tun bleibt "Die Resultate dieser Testkäufe sind äusserst unbefriedigend. Es braucht weitere Anstrengungen, damit der Jugendschutz greift", betont Michel Graf. Waadt und Freiburg wollen die Information intensivieren und für mehr Alterskontrollen sorgen. So setzen beide Kantone Plakate ein, welche auf die Altersgrenze hinweisen. Erhältlich sind diese bei der jeweiligen kantonalen Fachstelle Tabakprävention. Angeboten werden auch Informationsbroschüren und Altersberechnungstabellen zur Unterstützung des Verkaufspersonals sowie Fortbildungen. Im 2011 wollen sowohl der Kanton Waadt als auch der Kanton Freiburg die Testkäufe wiederholen.

    Sucht Info Schweiz in Kürze Sucht Info Schweiz will Probleme verhüten oder vermindern, die aus dem Konsum von Alkohol, anderen psychoaktiven Substanzen oder potenziell abhängigkeits-erzeugenden Verhaltensweisen hervorgehen. Sucht Info Schweiz konzipiert und realisiert Präventionsprojekte, engagiert sich in der Gesundheitspolitik und der psychosozialen Forschung. Sie ist eine private, parteipolitisch unabhängige Organisation mit gemeinnützigem Zweck. Sucht Info Schweiz ist auf nationaler Ebene tätig und pflegt Kontakte zu Institutionen im Ausland. Wir treten daher auch unter den Bezeichnungen Addiction Info Suisse, Dipendenze Info Svizzera und Addiction Info Switzerland auf.

    Diese Medienmitteilung finden Sie auch auf der Internetseite von Sucht Info Schweiz: http://www.sucht-info.ch

Kontakt:
Ruth Hagen
rhagen@sucht-info.ch
Tel.: 021 321 29 71



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