Sucht Schweiz / Addiction Suisse / Dipendenze Svizzera

SFA: Männer sind stark - stark suchtgefährdet

    Lausanne (ots) - Männer trinken mehr Alkohol, rauchen mehr und konsumieren wesentlich häufiger Cannabis als Frauen. Dennoch gab es bisher nur wenige Untersuchungen und Konzepte zu männergerechter Suchtarbeit. Ein neuer Bericht der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) schliesst diese Lücke. Die Publikation im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit verknüpft wichtiges Grundlagenwissen mit Empfehlungen für Prävention und Therapie.

    Bei Suchtfragen haben vielfach Männer das Sagen: In Therapieinstitutionen, Fachstellen und Spitälern sitzen meist Männer an den Hebeln der Macht, eine Mehrheit der Drogenabhängigen sind Männer. Daraus könnte man schliessen, dass die heute existierenden Präventions- und Therapieangebote bestens auf Männer zugeschnitten sind. Die Realität sieht aber anders aus: Während in den letzten 15 Jahren zahlreiche auf Frauen ausgerichtete Präventions- und Therapieformen entstanden sind, fehlt ein solches Angebot für Männer weitgehend. "Bei der Entwicklung geschlechtsspezifischer Ansätze gingen die Anliegen und Schwierigkeiten der Männer fast ganz vergessen", sagt Michel Graf, Direktor der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA). Graf hat im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit den Bericht "Sucht und Männlichkeit" verfasst, der Grundlagenwissen und Empfehlungen vereint und zum Umdenken anregen will. Der Mann soll im Zusammenhang mit Abhängigkeitserkrankungen nicht mehr als Norm, die Frau nicht länger als Ausnahme betrachtet und behandelt werden.

    Stark, leistungsfähig, unempfindlich und... einsam

    Graf zeigt auf, dass Männer stiefmütterlich mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit umgehen: Männer trinken mehr Alkohol als Frauen, sie rauchen mehr Tabak und konsumieren wesentlich mehr Cannabis. Von 100 Personen, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen, sind 85 Männer; eine Mehrheit der Männer gibt an, ihre Arbeit sei ihnen wichtiger als ihre Gesundheit. "Das Stereotyp des starken Mannes, der keine Grenzen und keinen Schmerz kennt, stellt einen Risikofaktor für die Gesundheit der Männer dar", erläutert Michel Graf. Problematischer Drogenkonsum sei für manche Knaben und Männer einer der bevorzugten Wege, ihre Männlichkeit unter Beweis zu stellen und den sozialen Erwartungen zu entsprechen. Oft genug führt das den Mann allerdings ins Dilemma, wie sich am Beispiel des Rauschtrinkens zeigt: Einerseits soll der Mann seine Risikofreudigkeit und Unempfindlichkeit unter Beweis stellen, andererseits definiert er sich über die Fähigkeit, immer alles unter Kontrolle zu haben - eine Gratwanderung, die manchmal misslingt und zu gefährlichem Verhalten (z.B. Fahren in angetrunkenem Zustand) oder in die Abhängigkeit führen kann.

    Erschwerend kommt hinzu, dass Männer Signale des Körpers weniger gut wahrnehmen, seltener über ihre Befindlichkeit reden und ungern Hilfe annehmen, was sich darin zeigt, dass sie sich im Fall von Abhängigkeitserkrankungen später in Behandlung begeben als Frauen - oft nur dann, wenn seitens des Arbeitgebers oder der Justiz beträchtlicher Druck ausgeübt wird.

    Das Männerbild erweitern

    Was bedeutet all dies für Prävention und Therapie? "Es braucht dringend spezifische Präventionsangebote für Knaben und Männer, die dem typisch männlichen Risiko- und Abhängigkeitsverhalten Rechnung tragen und das stereotype Männerbild reflektieren, um es zu hinterfragen und zu erweitern", sagt Michel Graf. Zudem sollte das Nachdenken über Geschlechterfragen (Gender mainstream) in den therapeutischen Konzepten aller Institutionen einen festen Platz erhalten. Eine nach Geschlechtern differenzierte Betrachtung der Abhängigkeitsthematik sollte zur Selbstverständlichkeit werden.

    Medienschaffende können ein kostenloses Rezensionsexemplar bestellen: Tel.: 021/321 29 35, E-Mail: buchhandlung@sfa-ispa.ch

    Der Bericht kann auf der SFA-Homepage heruntergeladen werden: http://www.sfa-ispa.ch/DocUpload/sucht_mannlichkeit.pdf

Diese Medienmitteilung finden Sie auch auf der Internetseite der SFA: http://www.sfa-ispa.ch/index.php?IDtheme=64&IDarticle=1268&IDcat24vis ible=1&langue=D

ots Originaltext: SFA
Internet: www.presseportal.ch

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