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Globalisierung der Alkoholwirtschaft: Entwicklungsländer zahlen oft die Zeche

    Lausanne (ots) - Bis zu 10 Prozent der Krankheitskosten in Entwicklungsländern resultieren aus Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit. Die Einführung neuer alkoholischer Getränke auf globalisierten Märkten führt in vielen ärmeren Weltregionen zu veränderten Trinkmustern, die nach Meinung der Autoren eines WHO-Berichtes das Risiko von Alkoholproblemen erhöhen. Nach Ansicht der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme können nur klare alkoholpolitische Massnahmen diese Globalisierungsrisiken vermindern.

    In Zeiten, in denen viel über die Globalisierung der Wirtschaft geredet wird, lassen sich deren Effekte auf die sich entwickelnden Länder gut an der Rolle alkoholischer Getränke in diesen Gesellschaften demonstrieren. Eine internationale Autorengruppe hat in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsbehörde in Genf dazu einen Bericht veröffentlicht, der umfassend Nutzen und Kosten einer entwickelten Alkoholwirtschaft in den Ländern der Dritten Welt darstellt. Unter dem Gesichtspunkt öffentlicher Gesundheit bedeutet die Überlagerung traditioneller Alkoholherstellung und -verteilung durch eine industrielle Produktion und massenhafte Vermarktung alkoholischer Getränke im westlichen Stil vor allem veränderte Trinkpraktiken der Bevölkerung. Steigt etwa, was oft geschieht, der Konsum westlicher Statusgetränke (industriell gebrautes Bier etc.), muss auch mit mehr alkoholbezogenen Probleme gerechnet werden. Besonders in Weltregionen, deren traditionelle Trinkkulturen mit häufiger Trunkenheit verbunden sind, erhöht der leichtere Zugang zu industriellen Alkoholika die Gefahr vermehrter Unfälle und alkoholbedingter Gewalt.

    Keine positiven Effekte des Alkoholkonsums

    Die in modernen Gesellschaften festgestellten Schutzeffekte moderater Alkoholmengen für Herz-Kreislaufkrankheiten kommen in Entwicklungsländern mit ihrer niedrigeren Lebenserwartung der Bevölkerung nicht zum Tragen. Auch der gesundheitliche Gewinn an Hygiene durch industriell hergestellte Getränke gegenüber der Heimproduktion sollte laut WHO-Bericht nicht überbewertet werden. Die wirtschaftlichen Vorteile, etwa in Form von Arbeitsplätzen oder Steuereinnahmen, die sich viele arme Länder von einer industriellen Alkoholwirtschaft versprechen, fallen ebenfalls gering aus und werden durch die negativen Effekte des Konsumanstiegs und der damit einhergehenden Alkoholprobleme mehr als aufgehoben. Für die Autorengruppe kann das Globalisierungsrisiko modernisierten Alkoholkonsums in den Entwicklungsländern nur durch eine klare Alkoholkontrollpolitik eingegrenzt werden.

    Quelle: Finnish Foundation for Alcohol Studies in collaboration with the World Health Organisation: Alcohol in developing Societies. A Public Health Approach. Helsinki 2002

ots Originaltext: SFA Lausanne
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