Bundesamt für Polizei

fedpol: Zunahme der Gewaltdelikte, Anstieg des Drogenhandels und der Zahl der Drogentoten: Bundesamt für Polizei veröffentlicht Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) und Betäubungsmittelstatistik 2003

      (ots) - Bern, 25.05.2004. Die Zahl der Straftaten in der Schweiz
hat sich 2003 um acht Prozent erhöht. Die Verzeigungen wegen Handels
mit Betäubungsmitteln nahmen um 5,9 Prozent zu. 194 Drogentote
mussten verzeichnet werden, 27 mehr als 2002. Neben den
Gewaltdelikten und den Wirtschaftsdelikten, die einen massiven
Anstieg verzeichneten, ist auch die Ausländerkriminalität weiter
angestiegen. Jugenddelikte nahmen zwar generell ab, zugenommen haben
jedoch Gewaltdelikte Minderjähriger. Dies zeigen die
Betäubungsmittelstatistik (BMS) und die Polizeiliche
Kriminalstatistik (PKS), die das Bundesamt für Polizei (fedpol) am
Dienstag vorlegte.

    Die PKS 2003 enthält einen Zusammenzug der Verzeigungen in ausgewählten Deliktsbereichen, die in den Kantonen im vergangenen Jahr erfolgten. Insgesamt ergaben sich Verzeigungen für 332’452 Straftaten, rund 25’000 mehr als 2002. Zunahmen gegenüber dem Vorjahr sind insbesondere bei Gewalt- und bei Wirtschaftsdelikten zu verzeichnen.

Finanzkriminalität

    Die Zahl der Geldwäscherei-Anzeigen stieg um 27 Prozent. Der massive Anstieg der Veruntreuungs-Delikte (+76 Prozent) kann namentlich auf zwei grosse Fallkomplexe im September und Dezember 2003 zurückgeführt werden. Ein Rückgang von 9,3 Prozent war bei Betrugsdelikten zu verzeichnen.

Anstieg bei Gewalt und sexueller Gewalt

    Die Anzeigen wegen Vergewaltigung stiegen um 13 Prozent. Bei den Drohungen wurde ein Plus von 11,6 Prozent verzeichnet. Die Zahl der Anzeigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung und jene wegen Raubes nahmen je um zehn Prozent zu.

    Die Anzahl der Tötungsdelikte ist seit zehn Jahren ungefähr stabil, rund um einen Mittelwert von etwa 200. Die letztjährige Abweichung von minus 12 Prozent kann als eine zufällige Schwankung beurteilt werden. Seit 1998 steigen Gewalt und Drohung gegen Beamte stetig an. 2002, unmittelbar nach dem Fall Leibacher, wurde ein Höhepunkt von über 1'000 verzeichnet. Letztes Jahr wies die Statistik knapp 1'000 Drohungen aus. Insgesamt haben seit 1992 alle Übergriffe auf die sexuelle und körperliche Integrität stark zugenommen, mit Ausnahme der Tötungsdelikte, die ungefähr gleich blieben.

Anstieg bei ausländischen Tätern

    55,3 Prozent der ermittelten Täter waren im letzten Jahr ausländische Staatsbürger (+4,5 Prozent). Damit wurde der bisherige Höchststand von 1998 (54,85 Prozent) übertroffen. Der Prozentanteil der ermittelten ausländischen Täterinnen und Täter bewegt sich seit 1996 auf einem Niveau von mehr als 50 Prozent.

Anstieg bei Gewaltdelikten Minderjähriger

    Der Rückgang der Anzeigen gegen Minderjährige um 13,5 Prozent gegenüber 2002 beruht erfreulicherweise vor allem auf weniger Anzeigen im Bereich der Diebstahldelikte. Bei den Tötungen, einfachen und schweren Körperverletzungen, bei den Raubdelikten und Drohungen allgemein ist jedoch ein Anstieg der verzeigten Minderjährigen zu verzeichnen.

    Dieser Anstieg der Verzeigungen wegen Gewaltdelikten reiht sich ein in einen langjährigen Trend. Unabhängige universitäre Untersuchungen durch anonyme Opferbefragungen haben einen Anstieg der Jugenddelinquenz auf über das Zehnfache des Wertes von 1956 gezeigt. Die Entwicklung verläuft analog zu jener in ganz Europa.

Mehr Drogentote

    Die Betäubungsmittelstatistik (BMS) zeigt einen Anstieg der Zahl der Drogentoten. 194 Todesfälle wurden verzeichnet. Das sind 27 mehr als 2002 (+16,2 Prozent).

    Die Zahl der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nahm 2003 ab. Es wurden 46’886 Verzeigungen registriert, 4,7 Prozent weniger als 2002. Für den Rückgang verantwortlich ist die deutlich kleinere Zahl von Verzeigungen wegen Konsums. Sie sank gegenüber 2002 um 5,7 Prozent auf 37'464 Verzeigungen (2002: 39'603). Rückläufig waren die Verzeigungen wegen Ecstasy-, Haschisch- und Heroin-Konsums. Am häufigsten wurden Konsumenten von Marihuana verzeigt.

    Die Verzeigungen wegen Handels mit Betäubungsmitteln haben um 5,9 Prozent zugenommen. 3'649 Personen wurden deshalb verzeigt (2002: 3'447). Die meisten Verzeigungen erfolgten wegen Handels mit Kokain, gefolgt von Marihuana und Heroin.

    PKS und BMS sind zurzeit Gegenstand einer Revision, da sie in ihrer Aussage nicht signifikant und leider unvollständig sind. Die Gesamtzahlen liegen allerdings im Schwankungsbereich des langjährigen Mittels. Das Bundesamt für Statistik führt in diesem Jahr ein Pilotprojekt mit ausgesuchten Kantonen durch. Ziel ist es, mittelfristig die Basis für eine erfolgreiche Realisierung einer revidierten Statistik zu schaffen.

Weitere Auskünfte: Henriette Haas, Dienst für Analyse und Prävention, Tel. 031 / 322 45 14

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