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Helvetas kritisiert UNO-Zahlen: Trotz Brunnenbau kein sauberes Trinkwasser

Helvetas kritisiert UNO-Zahlen: Trotz Brunnenbau kein sauberes Trinkwasser
Dorfbrunnen in Mosambik. Weiterer Text über ots und www.presseportal.ch/pm/100000432 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Helvetas/Flurina Rothenberger"

Zürich (ots) - Die UNO-Zahlen zur Trinkwasserversorgung gehen an der Realität vorbei. Trotz Zugang zu einem Brunnen trinken weit mehr als die nach Angaben der UNO 750 Millionen Menschen infiziertes Wasser. Schuld daran sind verschmutzte Quellen und mangelnde Hygiene. Helvetas baut in ihren Wasserprojekten die Hygieneschulung aus. In den letzten 15 Jahren haben 2,3 Milliarden Menschen Zugang zu Wasser erhalten. Das ist unzweifelhaft ein Erfolg der Kampagne für die UNO Millenniumsziele, den die Staatengemeinschaft auch gerne hervorstreicht.

Die Wasserfachleute von Helvetas kritisieren den Optimismus der UNO und weisen darauf hin, dass immer noch deutlich über 2 Milliarden Menschen unsauberes Wasser trinken. Verantwortlich dafür sind Verschmutzungen an den Wasserquellen und ein Mangel an Hygiene auf dem Weg vom Brunnen in die Haushalte. Helvetas fordert von der UNO, dieser unbequemen Realität in die Augen zu sehen.

Wasserverschmutzung durch mangelnde Hygiene

Auch Helvetas betrachtet es als Erfolg, dass durch ihre Wasserprojekte jedes Jahr fast eine halbe Million Menschen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung erhalten. Doch Helvetas wertet die erfreulichen Zahlen zur Infrastruktur realistisch. "Sauberes Wasser im Brunnen heisst nicht automatisch, dass auch sauberes Wasser getrunken wird", erklärt Agnes Montangero, Wasserexpertin bei Helvetas.

Das zeigt eine breit angelegte Wirkungsstudie der ETH im westafrikanischen Benin, die Helvetas in Auftrag gegeben hat. In Benin wurden mit Unterstützung von Helvetas in den letzten Jahren 152 Brunnen für Schulen, Gesundheitszentren und Dörfer neu gebaut oder verbessert.

Die Forscher der ETH untersuchten die Wasserqualität und befragten 600 Erwachsene und 500 Schülerinnen und Schüler, die diese Brunnen benutzen. Die Wirkungsstudie erbrachte zwei wichtige Resultate. Direkt bei den Brunnen sind die Bakterienbefunde um die Hälfte bis zwei Drittel zurückgegangen. Doch der Hygienevorteil wird beim Transport und bei der Aufbewahrung des Wassers in den Haushalten wieder zunichte gemacht. Unsachgemässe Lagerung und schmutzige Hände bringen Krankheitskeime ins Wasser, und die Menschen profitieren weit weniger von den sauberen Brunnen, als dies möglich wäre.

Die Studie zeigt auch, dass die Menschen trotz intensiver Aufklärungsarbeit ihr Hygieneverhalten kaum verändert haben. "Wir haben schon vor der Studie begonnen, unsere Arbeit selbstkritisch zu beleuchten", sagt Agnes Montangero. "Das Hygieneverhalten zu verändern ist eine enorme Herausforderung. Fachleute um die ganze Welt berichten von Latrinen, die gar nicht oder als Hühnerstall verwendet werden." Viele Menschen seien nicht bereit oder in der Lage, das neu erworbene Wissen auch umzusetzen, führt sie weiter aus. "Ein Phänomen, das hierzulande alle kennen, die mit dem Rauchen aufhören oder mit Joggen anfangen wollen."

Zusammen mit Psychologen der EAWAG erarbeitet Helvetas effizientere Hygiene-Kampagnen, die darauf abzielen, das Hygieneverhalten der Menschen zu ändern. "In Haiti, Mali und Benin hat Helvetas letztes Jahr Studien durchgeführt, um die bestimmenden Verhaltensfaktoren zu identifizieren", erklärt Montangero. In Mali zum Beispiel sei es üblich, dass vor dem Essen alle Menschen die Hände in einer gemeinsamen Schüssel waschen. "Das ist zwar ein schönes Symbol der Gemeinschaftlichkeit, doch hygienisch ist es nicht", sagt sie. Die neue Hygiene-Kampagne setzt sich unter anderem auch mit diesem Brauch auseinander.

Hygiene muss in UNO-Zielen berücksichtigt werden

Von der UNO erwartet die Helvetas-Expertin, dass sie die Bedeutung von Hygiene für sauberes Trinkwasser anerkennt. Wasser ist eines der Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals), die im September in New York als Nachfolgeprogramm zu den UNO Millenniumszielen verabschiedet werden sollen. Um die Zielerreichung zuverlässig zu messen, darf die UNO in Zukunft nicht nur Brunnen zählen, sondern muss auch Indikatoren wie das Hygieneverhalten berücksichtigen.

Für Rückfragen:


Matthias Herfeldt, Mediensprecher,
044 368 65 48, 076 338 59 38,
matthias.herfeldt@helvetas.org

Agnes Montangero, Wasserexpertin Helvetas,
044 368 65 43,
agnes.montangero@helvetas.org


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