Staatskanzlei Luzern

Fachstelle Kinderschutz: Neue App gegen sexuelle Gewalt

Luzern (ots) - Die Fachstelle Kinderschutz des Kantons Luzern widmet ihr zehnjähriges Jubiläum der Prävention von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Das Smartphone-Spiel "Hauapp" soll Kinder und Jugendliche zum Thema sexuelle Gewalt sensibilisieren. Begleitet wird die App von einer Facebook-Seite, die Informationen rund um das Thema liefert.

Im Schutz vor Kindesmissbrauch spielt Prävention eine wesentliche Rolle. Zu ihrem zehnjährigen Jubiläum setzt die Fachstelle Kinderschutz des Kantons Luzern deshalb auf neue Medien, um die Kinder und Jugendlichen noch besser zu erreichen. Dazu ist die Smartphone- App "Hauapp" entwickelt worden, ein Labyrinth-Spiel in zwei Versionen, eine für Mädchen und eine für Buben. Die Mädchen und Buben werden im Spiel von einer aufdringlichen Person belästigt. Es gilt nun, sich aus dieser Situation zu befreien. Indem sich die Spielenden Informationen holen, erwerben sie "Goodies" und können sich damit gegen die Gegenspieler zur Wehr setzen. Gleichzeitig können sie Sterne sammeln und damit eine höhere Spielstufe erreichen.

Wer besser informiert ist, ist auch besser geschützt

"Die Kinder und Jugendlichen sollen so auf spielerische Art sensibilisiert werden, dass ihr Körper ihr persönliches Eigentum ist und sie nein sagen dürfen, wenn ihre persönlichen Grenzen nicht respektiert werden", erklärt Daniel Kaeser, Leiter der Fachstelle Kinderschutz des Kantons Luzern. Das attraktive Spiel sei auch für junggebliebene Erwachsene unterhaltsam. Es ist handgezeichnet und stammt vom Luzerner Künstler Gabor Fekete. Dieser hat auch die dazugehörige Facebook-Seite illustriert. Sie liefert für die Kinder- und Jugendlichen zusätzliche Informationen zum Thema, sowie Anlaufstellen zu weiteren Fragen. Das Smartphone-Spiel und die Facebook-Seite basieren auf der erfolgreichen Kinderschutz-Kampagne "mein Körper gehört mir", ein interaktives Ausstellungsprojekt für Zweit- bis Viertklässler zur Prävention von sexueller Gewalt gegen Kinder. "Mit dem Einsatz von neuen Medien wollen wir gezielt auch ältere Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren erreichen" , so Kaeser.

Mit der "Hauapp" und der dazugehörenden Facebook-Seite will die Fachstelle Kinderschutz Kinder und Jugendliche zum Thema sexuelle Grenzüberschreitungen sensibilisieren. Kindern und Jugendlichen soll aufgezeigt werden, wo sie Hilfe erhalten, welche Beratungsstellen ihnen Auskunft bei Fragen und Problemen gibt und was rechtlich erlaubt ist und was nicht. "Jugendliche, die besser informiert sind, sind letztlich auch besser geschützt", sagt Daniel Kaeser.

Die Täter stammen aus dem sozialen Umfeld

Die meisten Opfer von sexuellen Übergriffen wenden sich, wenn sie überhaupt darüber sprechen, an Freunde und Familienangehörige. Nur wenige kontaktieren offizielle Beratungsstellen, Ärzte oder die Polizei. Die meisten Opfer werden nicht von Fremden missbraucht, sondern von einer Person aus ihrem nächsten sozialen Umfeld. Die Mehrheit der Täter ist männlich, es gibt jedoch auch Täterinnen.

Jugendliche erleben sexuelle Gewalt öfter durch Gleichaltrige als durch Familienmitglieder. Dies zeigt eine repräsentative Studie der Optimus-Foundation, welche im Frühjahr 2012 die Resultate einer ersten nationalen Erhebung zu sexuellen Übergriffen an Kindern und Jugendlichen präsentiert hat. In den Jahren 2009 und 2010 wurden in der Schweiz 6'700 Schülerinnen und Schüler der neunten Regelklasse zu ihren Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen befragt. Parallel dazu gaben 324 Schweizer Organisationen und Institutionen aus dem Bereich Kinderschutz Auskunft über die bei ihnen gemeldeten Fälle. So geben laut der Studie 22 Prozent der Mädchen und 8 Prozent der Jungen an, schon mindestens einmal einen sexuellen Übergriff erlebt zu haben, bei dem es zu körperlichem Kontakt kam. Von den betroffenen Jugendlichen suchen aber nur gerade drei bis fünf Prozent professionelle Hilfe oder melden den Missbrauch. Die Folge: Es dürfte eine sehr hohe Dunkelziffer geben.

Das Präventionsprojekt "Hauapp" der Fachstelle Kinderschutz des Kantons Luzern steht in Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Fachstelle Kinderschutz. Am 1. Januar 2013 werden die Vormundschaftsbehörden von den interdisziplinär zusammengesetzten Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) abgelöst. Aufgrund der Professionalisierung der KESB erhofft sich die Fachstelle Kinderschutz eine Entlastung im Beratungsbereich auf der Fallebene. Gleichzeitig werden Ressourcen frei, um sich wieder vermehrt der Präventionsarbeit widmen zu können.

Die "Hauapp" App kann kostenlos im App Store oder im Google Play Store heruntergeladen werden. Die Facebook-Seite findet man unter www.disg.lu.ch/facebook-kinderschutz .

Kontakt:

Daniel Kaeser 
Leiter Fachstelle Kinderschutz Dienststelle Soziales und Gesellschaft
Tel.: +41/41/228'58'96


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