Staatskanzlei Luzern

Abschluss der archäologischen Ausgrabungen auf dem Chileplatz in Willisau

Luzern (ots) - Am 14. September gehen die archäologischen Ausgrabungen auf dem Willisauer Chileplatz zu Ende. Während der sechs Wochen dauernden Untersuchung kamen wie erwartet Befunde zum Vorschein, die in die vorstädtische Zeit zurückreichen, über die archäologisch noch sehr wenig bekannt ist.

Durch die Bauarbeiten für die Gassensanierung bis Herbst 2013 werden im Bereich der Willisauer Hauptgasse und des Chileplatzes sämtliche archäologischen Zeugnisse verschwinden. Da eine ganzflächige Untersuchung der hier zu erwartenden Befunde aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, hat die Kantonsarchäologie nun im Sinne einer Stichprobe eine rund 100 m2 grosse Teilfläche des Chileplatzes untersucht. Die Wahl fiel auf den Chileplatz, weil dieser erst nach dem Stadtbrand von 1704 in der heutigen Form entstanden ist. Es durfte also davon ausgegangen werden, die Fundamente spätmittelalterlicher Gebäude in gutem Erhaltungszustand anzutreffen. Zudem hatte man bereits 1991 bei Leitungsgrabungen Spuren aus der Frühzeit der Siedlung Willisau gefunden.

Bei der Ausgrabung kamen denn auch Spuren des vor mehr als 1000 Jahren im Umfeld der frühmittelalterlichen Pfarrkirche entstandenen Dorfes Willisau zum Vorschein. Gruben und eine Ofenanlage zeugen von gewerblichen Tätigkeiten. Zudem wurde ein Werkplatz erfasst, welcher im Zusammenhang mit einem Neubau der Willisauer Kirche im 13. Jahrhundert gesehen werden kann.

Gemäss Grabungsbefund wurde das Dorf für die Stadtgründung um 1300 systematisch abgebrochen und das Gelände für den Bau der Stadtanlage weitflächig ausgeebnet. In den zugehörigen Schichten manifestiert sich eine gut organisierte mittelalterliche Grossbaustelle, in welcher anstelle des Dorfes die ummauerte Stadt Willisau mit ihren Häuserzeilen errichtet worden ist.

Unmittelbar unter der modernen Strassenpflästerung des Chileplatzes hat das Grabungsteam Brandschutt angetroffen, der von einer der gewaltsamen Zerstörungen der Stadt im späten 14. Jahrhundert stammt (Guglerkrieg 1375, Sempacherkrieg 1386). Zu diesem Zeitpunkt stand auf dem Kirchplatz mindestens ein ausgedehntes Holzgebäude. Dessen Funktion konnte im beschränkten untersuchten Ausschnitt nicht sicher bestimmt werden. Es dürfte sich jedoch um die erste Markthalle der damals noch jungen Stadt Willisau handeln.

Die archäologische Untersuchung geht am Freitag, 14. September 2012, zu Ende. Unmittelbar im Anschluss an die Grabung beginnen planmässig die Arbeiten zur baulichen Sanierung des Chileplatzes.

Der ergrabene Ausschnitt zeigt das grosse archäologische Potential der Altstadt von Willisau. Auch wenn es aus wissenschaftlicher Sicht zu bedauern ist, dass die Ausgrabungen nicht über die ganze von den Baumassnahmen betroffene Fläche ausgedehnt werden können, erbrachte diese kleine Rettungsgrabung immerhin einige für die Stadtgeschichte wichtige Erkenntnisse.

Kontakt:

Fabian Küng
wiss. Mitarbeiter und Grabungsleiter
Tel.: +41/41/228'78'42
E-Mail: fabian.kueng@lu.ch
Web: www.da.lu.ch/willisau_kirchplatz

Jürg Manser
Kantonsarchäologe
Tel.: +41/41/228'53'07
E-Mail: juerg.manser@lu.ch
Web: www.da.lu.ch/willisau_kirchplatz



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