Staatskanzlei Luzern

Plattform Gesellschaftsfragen: Geschlechterrollen im Wandel

Luzern (ots) - An der Plattform Gesellschaftsfragen vom 23. Februar 2011 standen Veränderungen in der Familie und in der Arbeitswelt im Zentrum. Die Fachstelle Gesellschaftsfragen Kanton Luzern hat Fachleute und weitere Interessierte zu einem Austausch über den Wandel der Geschlechterrollen und die Ausrichtung der zukünftigen Gleichstellungsarbeit im Kanton Luzern eingeladen.

2011 feiert die Schweiz 40 Jahre Frauenstimmrecht und 30 Jahre Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung. Viel hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, die rechtliche Gleichstellung von Frau und Mann ist nahezu erreicht, nach wie vor bleibt jedoch viel zu tun. Wie lässt sich heute Chancengerechtigkeit für Frau und Mann in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen realisieren? Wo früher die Geschlechterrollen klar verteilt waren, ist heute viel Selbstbestimmung gefragt - in der Familie wie in der Arbeitswelt.

Die Fachstelle Gesellschaftsfragen des Kantons Luzern lud an der Plattform Gesellschaftsfragen vom 23. Februar 2011 zu einer Auseinandersetzung mit dem Wandel der Geschlechterrollen ein. Angeregt durch drei Referate tauschten sich 150 Fachleute aus der Gleichstellungsarbeit und weitere Interessierte von Kanton und Gemeinden, von Schulen, Beratungsstellen, Organisationen und Institutionen aus, wie sich die Gleichstellungsarbeit im Kanton Luzern weiterentwickeln soll.

Zwischen Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Erwartungen

«Unstrittig ist, dass die Familie sich derzeit im Wandel befindet. Die Familie ist immer weniger eine selbstverständliche, klar geregelte gesellschaftliche Konvention» so der Einstieg von Andrea Maihofer, Professorin für Geschlechterforschung an der Universität Basel und Leiterin des Zentrums Gender Studies. Maihofer führte aus, was genau diesen Wandel umfasst und was dies insbesondere für Geschlechterarrangements in der Familie bedeutet. Familienform, biografischer Zeitpunkt, Arbeitsteilung innerhalb der Familie sei immer weniger von der Gesellschaft vorgegeben. Dies sei vielmehr das Resultat individueller Tätigkeiten und Entscheidungen - und in immer höherem Masse von Rahmenbedingungen wie Krippenplätzen und Arbeitsbedingungen abhängig. Maihofer plädierte für eine Familienpolitik und eine Gleichstellungspolitik, die sich an beide Geschlechter richtet und zum Gelingen dieser familialen Arrangements beiträgt.

«Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zunehmend auch für Männer ein Thema», dies der Beginn der Ausführungen von Fabian Leuthold der Fachstelle UND Familien- und Erwerbsarbeit für Männer und Frauen. Immer mehr Betriebe erkennen, dass es sich lohnt, die Vereinbarkeit auch für Männer zu fördern und den neuen Ansprüchen an berufliche Rahmenbedingungen zu entsprechen - beispielsweise mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. «Denn wenn Männer ihre beruflichen und privaten Engagements harmonisch aufeinander abstimmen können, profitieren letztliche beide Seiten.»

Annemarie Sancar, Genderbeauftragte der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, ging auf Geschlechterbilder und -rollen, gespiegelt an Geschichten immigrierter Familien ein. Es gebe eine Vielfalt von immigrierten Familien und ebenso vielfältige Lebensformen und -entwürfe von zugewanderten Frauen und Männern. «Zugewanderte Familien sind häufig mit Defiziten konnotiert», so Sancar, ganz vergessen gehe dabei jedoch, dass diese Familien mit vielen Ressourcen ausgestattet sind wie beispielsweise einem transnationalen Netzwerk von Beziehungen.

Förderung von Chancengerechtigkeit im Kanton Luzern

Ein wesentlicher Auftrag der Fachstelle Gesellschaftsfragen besteht darin, gesellschaftliche Entwicklungen wahrzunehmen, zu analysieren und für den Kanton Luzern adäquate Massnahmen auszuarbeiten - ein Gefäss dazu bietet die Plattform Gesellschaftsfragen. Im zweiten Teil der Plattform stellte Maria Pilotto der Fachstelle Gesellschaftsfragen die aktuellen Herausforderungen für die Förderung der Gleichstellung von Frau und Mann in Luzern vor - im Erwerbsleben, in der Bildung und in der Familie. In den anschliessenden Tischgesprächen wurden Ideen ausgetauscht für die künftige Gleichstellungsarbeit im Kanton Luzern.

Die Referate und weitere Informationen finden sich auf www.disg.lu.ch.

Kontakt:

Dr. Hansjörg Vogel
Leiter Fachstelle Gesellschaftsfragen Dienststelle Soziales und
Gesellschaft
Tel.: +41/41/228'61'77 (erreichbar Donnerstag Nachmittag ab 15.00
Uhr und Freitag Vormittag)
Internet: www.disg.lu.ch


Das könnte Sie auch interessieren: