Staatskanzlei Luzern

Luzerner Politologie-Professor erhält zwei Auszeichnungen für seine Habilitationsschrift

    Luzern (ots) - Die Habilitationsschrift von Prof. Joachim Blatter mit dem Titel "Governance - Theoretische Formen und historische Transformationen. Politische Steuerung und Integration in Metropolregionen der USA (1850-2000)" erhielt zwei Auszeichnungen. Zum einen wurde die Schrift in das Programm "DeutschPlus" der Volkswagen-Stiftung aufgenommen. Dieses Programm dient dazu, wichtige Werke aus allen wissenschaftlichen Disziplinen in die englische Sprache zu übersetzen, um die Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass kontinental-europäische wissenschaftliche Zugänge auch in englisch dominierten wissenschaftlichen Diskursen präsent sind. Zum Zweiten wird die Habilitationsschrift von der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) mit dem Förderpreis für die beste Post-Doc-Arbeit des Jahres 2007 ausgezeichnet.

    Relevanz für Luzern

    Neben den empirischen Ergebnissen, mit denen einem Grossteil der gängigen Vorstellungen über den Charakter der gegenwärtigen Veränderungen im Bereich politischer Steuerung widersprochen wird, und den theoretischen Innovationen, die durch den transdisziplinären Brückenschlag ermöglicht wurden, besitzt die Arbeit auch praktische Relevanz - nicht zuletzt auch für Luzern. Die sich im Moment in der Schweiz herausbildenden Metropolitan-Regionen stellen insbesondere für den Kanton Luzern eine grosse Herausforderung dar. Der notwendigen Hinwendung zum Innovationszentrum Zürich, das die Deutschschweiz mit der Welt verbindet, stehen alte zentralschweizerische Identitäten und Aversionen wie auch der starke Stadt-Land-Gegensatz innerhalb des Kantons Luzern entgegen. Blatters Analysen der amerikanischen Metropolregionen zeigen die machtpolitischen und normativ-ideologischen Spannungslinien auf, die sich angesichts dieser Herausforderungen insbesondere in Föderalstaaten ergeben, die traditionell durch starke lokale Autonomie und dementsprechend durch einen starken Standort- und Steuerwettbewerb geprägt sind.

    Im theoretischen Teil seiner Arbeit gelingt es Blatter, den fast allgegenwärtigen und damit zunehmend unscharfen Begriff "Governance" als transdisziplinären Brückenbegriff fruchtbar zu machen. Um theoretische Breite mit analytischer Schärfe zu verbinden, werden auf der Basis von grundlegenden Theorien aus der Ökonomie, der Soziologie, der Kulturwissenschaften und der Politikwissenschaft acht idealtypische Governance-Formen definiert. Alle Idealtypen besitzen eine Mikro-Fundierung, d. h. eine handlungs- bzw. interaktionstheoretische Basis. Ausserdem werden die jeweils zentralen institutionellen Strukturen und kommunikativen Mechanismen definiert.

    Mit Hilfe dieser Typologie wird dann der Wandel von Paradigmen und Realitäten der Steuerung und Integration in US-amerikanischen Grossstadtregionen von 1850 bis 2000 analysiert. Metropolregionen sind nicht nur Zentren der sozio-ökonomischen und wissenschaftlichen Innovation, dort wurden und werden auch neue Governance-Formen zuerst entwickelt. Als Ergebnis der empirischen Analyse wird deutlich, dass der jüngste Paradigmenwandel durch einen Übergang von einer rational-instrumentellen zu einer reflexiv-konstitutiven Vorstellung von politisch-gesellschaftlicher Steuerung und Integration gekennzeichnet ist.

    Joachim Blatter, geb. 1966 in Stühlingen, Baden-Württemberg, absolvierte ein sozialwissenschaftliches und juristisches Grundstudium an der Universität Konstanz, im Hauptstudium studierte er Verwaltungswissenschaften. Vor seiner Berufung nach Luzern war Joachim Blatter u.a. Forschungsassistent an der Universität St. Gallen, Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Konstanz und am Europäischen Zentrum für Staatswissenschaft und Staatspraxis der Freien Universität Berlin. Er absolvierte Forschungsaufenthalte an der University of Victoria in Kanada und der Harvard University. Zudem war er als Lehrbeauftragter an der Universität Zürich tätig und als Assistant Professor an der Erasmus Universität in Rotterdam.

    Anhänge: http://www.lu.ch/download/sk/mm_photo/6496_Blatter_Joachim.jpg

ots Originaltext: Staatskanzlei Luzern
Internet: www.presseportal.ch

Kontakt:
Prof. Dr. Joachim Blatter
E-Mail: joachim.blatter@unilu.ch

Judith Lauber-Hemmig
Leiterin Kommunikation Universität Luzern
Mobile: +41/79/755'27'75



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