Staatskanzlei Luzern

Ehemalige Johanniterkommende Hohenrain: Entdeckung einer Wandmalerei aus dem 14. Jahrhundert

    Luzern (ots) - Die Schulräume des Heilpädagogischen Zentrums Hohenrain werden derzeit saniert. Im Hauptgeschoss des sogenannten "Komturhauses" stiess die Restauratorin auf eine relativ gut erhaltene Wandmalerei aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Das Bild zeigt ein Wappenfries und Szenen des Martyriums von Johannes dem Täufer, dem Patroziniumsheiligen des Johanniterordens. Wandmalereien aus dieser Zeit und in diesem Zustand sind im Kanton Luzern nur sehr wenige bekannt und besonders in profan genutzten Räumlichkeiten sehr selten.

    Im Zusammenhang mit einer geplanten Sanierung der Schulräume des Heilpädagogischen Zentrums Hohenrain (HPZ) im Komturhaus der ehemaligen Johnanniterkommende wurde festgestellt, dass die Statik der Bodenkonstruktionen ungenügend ist.

    Da die statische Sanierung erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz nötig machte, forderte die Denkmalpflege eine begleitende bauhistorische Untersuchung des Komturhauses, dessen Baugeschichte im Unterschied zu anderen Teilen der ehemaligen Kommende bis anhin nie wissenschaftlich untersucht worden war. Im Zuge dieser Arbeiten konnte der Bau dendrochronologisch datiert werden: das Holz für die Hauptbalkenlagen wurde 1266 geschlagen. Tatsächlich gilt die gegen Ende des 12. Jahrhunderts erstmals erwähnte Kommende Hohenrain als zweite Gründung des Johanniterordens auf dem Gebiet der heutigen Schweiz.

    Gut erhaltene Wandmalerei zeigt Martyrium des Johannes

    Eine eigentliche Sensation förderte jedoch die Untersuchung der Wandoberflächen zu Tage: im Hauptgeschoss des Komturhauses stiess man auf eine Wandmalerei, die in einem Zimmer sehr gut erhalten ist. Dieser Bereich wurde unterdessen vollständig freigelegt und untersucht.

    Die Malerei zeigt einen für die hochgotische Wandmalerei typischen Bildaufbau mit drei horizontal verlaufenden Bildzonen. Der Decke entlang verläuft ein hoher Wappenfries mit acht Wappenschildern. Darunter zeigt eine Bildfolge Szenen des Martyriums von Johannes dem Täufer: Tanz der Salome beim Gastmahl von Herodes Antipas, Köpfung von Johannes, Salome übergibt das Haupt Johanni an Herodes und seine Gattin Herodias. Die sorgfältig ausgeführte Malerei ist in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datieren und schmückte ursprünglich einen Saal von imposanter Grösse.

    Von speziellem Interesse wird der Vergleich mit zeitgleichen Malereien in den ehemaligen Johanniterkommenden in Münchenbuchsee (BE) und Bubikon (ZH) sein.

    Bild soll sichtbar bleiben

    Die Kalkmalerei in Hohenrain soll nach dem Willen des Kantons, dem die Liegenschaft gehört, mit Begleitung der Denkmalpflege restauriert werden und sichtbar bleiben. Das HPZ nimmt dafür die erforderliche Umdisposition von Raumnutzungen in Kauf.

    Die Hacklöcher, die einst zur besseren Haftung eines späteren Verputzes in die Malerei geschlagen wurden und heute die Lesbarkeit des Bildes beeinträchtigen, werden mit Kalkmörtel sorgsam ausgefüllt. Diese Flickstellen werden farblich möglichst zurückhaltend in das Bild eingepasst. Die originalen Malereiflächen hingegen werden nur gereinigt und konserviert.

    Im Anhang finden Sie ein Bild der Waldmalerei.

ots Originaltext: Staatskanzlei Luzern
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Tel.: +41/41/228'53'08
E-Mail: roger.strub@lu.ch

Anhänge
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