Staatskanzlei Luzern

ZIGG beendet den "Sonderfall" in der Ausbildung im Gesundheitswesen

    Luzern (ots) Wer einen Pflegeberuf erlernen will, kann nebst den bisherigen Ausbildungswegen (nur Ausbildung über Schulen) in Betrieben des Gesundheitswesens eine Lehre absolvieren. Mit der Lehre als Fachangestellte/r im Gesundheitswesen (FAGE) und der Sozialen Lehre sind in jüngster Zeit zwei Berufsausbildungen entstanden, die in den nächsten Jahren die Ausbildungslandschaft im pflegerischen und sozialen Bereich stark prägen werden. Um eine praxisorientierte Ausbildung bei den Pflegeberufen sicher zu stellen, schliessen sich die Spitäler/Kliniken, die Alters- und Pflegeheime und die Spitexorganisationen der Zentralschweizer Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Uri und Zug zum grössten Arbeitgeberverband der Zentralschweiz zusammen. Die Zentralschweizer Interessengemeinschaft Gesundheitsberufe ZIGG wurde am 28. August 2003 in Luzern gegründet.

    Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz (nBBG) gehen die bisher kantonal geregelten Berufe im Bereich Gesundheit, Soziales und Kunst in die eidgenössische Berufsbildungspolitik über. Auf Bundesebene werden für die strategischen Arbeiten in der Berufsbildung seit jeher die Arbeitgeberverbände zugezogen (z.B. Schreinermeisterverband). Für die Gesundheitsberufe müssen diese Strukturen erst aufgebaut werden. Unter dem neuen Berufsbildungsgesetz ist das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) nun auch für die Gesundheitsberufe zuständig.

    Um die Berufsbildung im Gesundheitswesen haben sich bisher in erster Linie die Schweizerische Sanitätsdirektorenkonferenz (SDK) und in deren Auftrag das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) zusammen mit den Berufsverbänden (Schweizerischer Berufsverband für Krankenpflege SBK, Schweizerischer Verband der Berufsorganisationen im Gesundheitswesen SVBG) gekümmert.

    Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz (nBBG) sind nun vor allem die Arbeitgeber und ihre Organisationen (H+ Spitäler der Schweiz, der Heimverband Schweiz CuraViva und der Spitexverband Schweiz) gefordert. Diese müssen ihre Rolle in der Berufsbildung neu definieren. Dabei haben sie die zu erwartenden Ergebnisse der anstehenden KVG-Revisionen (neue Spitalfinanzierung usw.) genauso zu beachten wie die Tatsache, dass als Konsequenz in vielen Kantonen die Betriebe des Gesundheitswesens rechtlich verselbständigt werden.

    Bisher kaum Mitsprache für Arbeitgeber

    Die Aufgaben- und Kompetenzenregelung zwischen "Bund/Kantone" und den "Spitzen-/und Berufsverbänden" wird in Zukunft auch im Gesundheitswesen analog den übrigen Berufen und Branchen erfolgen. Der "Sonderfall Gesundheitswesen" soll der Vergangenheit angehören, denn kostentreibende "Sonderfälle" gab und gibt es im Gesundheitswesen schon genug. Man erinnere sich nur an die letzte Bildungsreform der Pflegeberufe im Jahre 1992: In den "Neuen Ausbildungsbestimmungen" (NAB) fehlte u.a. ein einheitliches Rahmencurriculum, das Ressourcenmanagement, weitgehend auch die Koordination.

    Bisher wurden wichtige Entscheide mit nachhaltiger Wirkung auf die Berufsbilder im Gesundheits- und Sozialwesen ohne essentielle Mitwirkung der Arbeitgeber getroffen. Deren Rolle war im Wesentlichen beschränkt auf:

    - das Anbieten und das Finanzieren von Praktikumsplätzen und
        Lehrstellen
    - das Anbieten und das Finanzieren von innerbetrieblicher
        Weiterbildung
    - das Finanzieren von externer Aus- und Weiterbildung

    Im Klartext bedeutet dies: Die Arbeitgeber im Gesundheitswesen hatten in der Vergangenheit wenig bis nichts zu den Ausbildungsinhalten zu sagen, in vielen Fällen aber alles zu finanzieren.

    Die richtige Antwort: ZIGG

    Die Zentralschweizer Interessengemeinschaft Gesundheitsberufe ZIGG ist das adäquate Instrument für die Umsetzung der Aufgaben gemäss neuem Berufsbildungsgesetz. Die ZIGG besteht aus mehr als 210 öffentlichen und privaten Betrieben und Organisationen des Gesundheitswesens (Spitäler/Kliniken, Alters- und Pflegeheime, Spitexorganisationen). Die Interessengemeinschaft bietet 19'000 Arbeitsplätze und 3'000 Ausbildungsplätze in den sechs Zentralschweizer Kantonen an. Der Slogan lautet: 6 Kantone, 3 Branchen, 1 Organisation.

    ZIGG ist als Verein organisiert, dem die Leistungsanbieter der Spitäler/Kliniken, der Alters- und Pflegeheime sowie der Spitex angehören (Delegiertenversammlung). Die Interessengemeinschaft wird von einem 7-köpfigen Vorstand geleitet und von einer Geschäftsstelle sowie verschiedenen Fachgruppen unterstützt.

    Die ZIGG bietet die für die Umsetzung erforderlichen professionellen Strukturen, damit die Arbeitgeber bei der Ausgestaltung der Berufsprofile nachhaltig mitbestimmen können und zu echten Partnern der übrigen Institutionen, die an der Berufsbildung im Gesundheitswesen beteiligt sind (z.B. Berufsfachschulen, Berufsverbände etc.), werden.

    ZIGG will mitbestimmen

    Die in der ZIGG vereinten öffentlichen und privaten Betriebe und Organisationen des Gesundheitswesens sind Anbieter von attraktiven und anspruchsvollen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für eine Vielzahl von Berufen.

    Als Träger der praktischen Ausbildung will die ZIGG bei den Ausbildungsvorschriften mitbestimmen und sicherstellen, dass die Ausbildung sich an den Bedürfnissen der Betriebe orientiert. Sie nimmt damit eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Berufsbildungsgesetzes wahr und ist auch bereit, entsprechende Verantwortung im Sinne einer Organisation der Arbeitswelt (OdA - Definition vgl. Kasten) zu übernehmen. Sie nimmt sich der Förderung des beruflichen Nachwuchses und der Wieder- und Quereinsteiger an und sorgt für Schulabgänger für berufliche Anschlussmöglichkeiten.  

    ZIGG übernimmt Verantwortung

    Die ZIGG übernimmt in Zukunft u.a. die Gesamtverantwortung für die Überbetrieblichen Kurse (ÜK). Denn über Inhalt, Organisation und Durchführung der ÜK entscheiden gemäss neuem Berufsbildungsgesetz die OdA's. Erstmals sind die Arbeitgeber also nicht mehr nur "Finanzierer" sondern auch "Entscheidungsgremium".

    Im Weiteren nimmt die ZIGG insbesondere Verantwortung im Bereich der beruflichen Grundbildung einschliesslich der Berufsmaturität sowie der höheren Berufsbildung und der berufsorientierten Weiterbildung wahr.

    Im Rahmen des neuen Berufes Fachangestellte/r Gesundheit haben die Betriebe im Gesundheitswesen in der Zentralschweiz in den letzten zwei Jahren rund 200 zusätzliche Lehrstellen geschaffen.

    Bildungspolitische Würdigung

    Mit der Zentralschweizerischen Interessengemeinschaft Gesundheitsberufe ZIGG werden erstmals in der Schweiz die Interessen und Kräfte der drei Branchen Spitäler/Kliniken, Alters- und Pflegeheime und Spitex des Gesundheitswesen ernsthaft gebündelt. Die ZIGG übernimmt all jene Aktivitäten des Bildungswesens im Gesundheitswesen, die aus ökonomischen und/oder organisatorischen Gründen Leistungsanbieterübergreifend zu tätigen oder zu steuern sind. Als grösste Organisation der Arbeitswelt (OdA) in der Zentralschweiz ist die ZIGG auch Ansprechpartner für alle Partner in der Zentralschweiz und auf nationaler Ebene.

    Das neue Berufsbildungsgesetz und die Organisationen der Arbeitswelt

    Das neue Berufsbildungsgesetz (nBBG) bildet die Rechtsgrundlage für die berufliche Weiterbildung im Baukastensystem. Im Dezember 2002 von den eidgenössischen Räten verabschiedet, soll es im Jahr 2004 in Kraft treten. In seinem Grundsatzartikel definiert das nBBG die Berufsbildung als eine "gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen, zuständigen Organisationen der Arbeitswelt und anderen Anbietern der Berufsbildung" (Art. 1, Abs. 1). Die Organisationen der Arbeitswelt (OdA) repräsentieren die Arbeitswelt und umfassen die Sozialpartner, die Berufsverbände, andere zuständige Organisationen und andere Anbieter der Berufsbildung. Angestrebt wird dabei ein genügendes Angebot im Bereich der Berufsbildung, insbesondere in zukunftsfähigen Berufsfeldern.

    Ziel des nBBG in bezug auf das Gesundheitswesen:

    - Neue, differenzierte und durchlässige Wege in der beruflichen Bildung. Direkter Zugang ab Sekundar-/Realschule in anspruchsvolle Segmente des Gesundheitswesens.

    - Klar definierte "höhere Berufsbildung". Gerade hier liegt im Gesundheitswesen eine Chance: Neben einer Ausbildung an einer Fachhochschule (FH) oder Höheren Fachschule (HF) stellt in gewissen Bereichen und Branchen auch eine Berufsprüfung (BP) oder höhere Fachprüfung (HFP) eine interessante Ausbildung auf der Tertiärstufe dar; (in anderen Brachen bzw. Berufen vergleichbar mit dipl. Schreinermeister HFP, Experte in Rechnungswesen und Controlling, Marketingleiter etc.).

    - Mehr Verantwortung für die Akteure vor Ort

    - Bereitstellung von neuen Finanzierungsformen und mehr Mittel für
        die Berufsbildung

    Weitere Informationen zum nBBG: www.berufsbildung.ch

    Designierter Vorstand Zentralschweizer Interessengemeinschaft     Gesundheitsberufe

    Doris Achermann            Spitex Zentralschweiz Nidwalden
    Thomas Aeschmann          Direktor, Spital Schwyz, Schwyz
    Rosmarie Banz-Rohrer    Vorstand, Spitex Kantonalverband Luzern
    Benno Fuchs                  Direktor, Kantonales Spital
                                         Sursee-Wolhusen, Sursee
    Marc Kohler                  Direktor, Zuger Kantonsspital AG
    Richard Kolly                Heimleiter, ALP Betagtenzentrum,
                                         Emmenbrücke
    Marco Petruzzi              Heimleiter, Alters- und Pflegeheim
                                         Rosengarten, Altdorf

ots Originaltext: Staatskanzlei Luzern
Internet: www.newsaktuell.ch

Kontakt:
Telefonische Auskünfte ab 15 Uhr:
Thomas Aeschmann, designierter Präsident ZIGG
Spitaldirektor Spital Schwyz, Schwyz
Mobile +41/79/356'87'93
Tel.    +41/41/818'40'62

Richard Kolly, designierter Vizepräsident ZIGG
Heimleiter, ALP Betagtenzentrum, Emmenbrücke
Mobile +41/79/653'73'60
Tel.    +41/41/268'76'76

Weitere Informationen:www.zigg.ch



Weitere Meldungen: Staatskanzlei Luzern

Das könnte Sie auch interessieren: