Staatskanzlei Luzern

Aufruf zum Tag der Kranken 2002: Psychiatrie geht uns alle an

    Luzern (ots) - Wer im Gehirn krank ist - der oder die spinnt, hat einen Hirnschaden, nicht mehr alle Tassen im Schrank. So wahnsinnig einfach machen wir es uns auch heute noch im Umgang mit Menschen, die psychische Probleme haben. Mehr noch: Es ist gesellschaftlich akzeptiert, wenn jemand ein körperliches Problem behandeln muss, wenn Organe wie Nieren, Lunge, Leber oder gar das Herz ausgewechselt werden. Ganz anders ist es mit den psychischen Erkrankungen, wenn Geist und Seele verletzt sind. Sie sind nicht direkt fassbar, sondern nur im persönlichen Umgang mit den Menschen spür- und wahrnehmbar. Unsere auf materielle Werte, auf Facts getrimmte Gesellschaft ist in der permanenten Versuchung, psychische Erkrankungen als "Spinnerei" abzutun, nicht wahrhaben zu wollen oder zu stigmatisieren.

    Deshalb ist es für mich sehr wichtig, dass der diesjährige Tag der Kranken am 3. März dem Motto "Psychische Leiden: vom Tabu zur Solidarität" gewidmet ist. Die Errungenschaften in der somatischen Medizin sind beeindruckend. Das 20. Jahrhundert kann sich als Jahrhundert der Chirurgie feiern lassen. Im 21. Jahrhundert müssen wir uns aber stärker der Psychiatrie zuwenden. Genauso wie körperliche Krankheiten zu den Menschen gehören, genauso wird es immer psychische Erkrankungen geben. Zusätzliche Ursachen liegen zweifellos auch in unsere Leistungs- und Konsumgesellschaft. Für mich ist zum Beispiel die Tatsache erschreckend, dass immer mehr noch junge Menschen wegen psychischen Problemen auf eine IV-Rente angewiesen sind.

    Der Kanton Luzern nimmt seine Verantwortung in der Psychiatrie wahr. Verschiedene Projekte zur Verbesserung der psychischen Betreuung der Menschen (zum Beispiel Gerontopsychiatrie in der Luzerner Landschaft, Jugendpsychiatrische Therapiestation) sind beschlossen oder in Vorbereitung. Wir dürfen aber nicht alles dem Staat delegieren. Jeder einzelne von uns, wir als Gesellschaft, sind gefordert: Psychischkranken mit Verständnis, Rücksicht und Geduld zu begegnen. Wir dürfen diese Mitmenschen weder übersehen noch stigmatisieren, wir müssen sie in die Mitte unserer Gemeinschaft nehmen! Psychischkranke sind Menschen, die ganz besonders auf unser Verständnis, auf unsere Solidarität angewiesen sind.

ots Originaltext: Staatskanzlei Luzern
Internet: www.newsaktuell.ch

Kontakt:
Dr. Markus Dürr
Regierungsrat / Vorsteher
Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern



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